ADB Safegate unterstützt Flughäfen weltweit bei der Abwicklung des Flugverkehrs. © Magnific/Freepik
Was macht sie aus, die Helden des Exports? Nun, da ist zum einen der kompromisslose Wille zum herausragenden Produkt – denn ohne das geht es nicht.
Dazu kommt eine hartnäckige Abteilung für Research & Development, um rasch auf Bedürfnisse der Kunden reagieren zu können. Und nicht zu vergessen: sinnvolle Investitionen. Vier erfolgreiche Unternehmen stellen wir hier vor.
Wenn auf internationalen Flughäfen Flugzeuge rollen, Starts koordiniert oder Tower-Systeme digital gesteuert werden, steckt nicht selten Technologie von ADB Safegate dahinter. Das Unternehmen mit seinem starken Entwicklungsstandort in Graz zählt zu den weltweit führenden Anbietern von Airside-Technologien für Flughäfen und Flugsicherung: Entwickelt werden Systeme für Flughafenbeleuchtung, Tower-Management und digitale Airside-Prozesse.
Ziel ist es, Flughäfen sicherer, effizienter und nachhaltiger zu machen. Denn gerade in Zeiten steigender Passagierzahlen und zunehmender Komplexität im Luftverkehr gewinnen intelligente Steuerungssysteme massiv an Bedeutung. Besonders stark positioniert sich das Unternehmen derzeit im Bereich digitaler Tower- und Airside-Lösungen. Ein aktuelles Prestigeprojekt kommt dabei direkt aus Österreich: Austro Control setzt künftig auf die „OneControl“-Plattform von ADB Safegate, um die Flugverkehrskontrolle am Flughafen Wien bis 2028 zu modernisieren. Entwickelt wird das System – richtig, im schönen Graz.
Technologie aus Graz für die Flughäfen der Welt
Das Projekt zeigt recht anschaulich, wie österreichisches Know-how in hoch spezialisierten Technologiebereichen international sichtbar wird: Die Systeme koordinieren komplexe Abläufe im Flugverkehr und sollen gleichzeitig Effizienz und Sicherheit erhöhen. Und gerade die Digitalisierung der sogenannten Airside – also jener Bereiche, in denen sich Flugzeuge auf dem Boden bewegen – gilt derzeit als eines der wichtigsten Zukunftsfelder der Luftfahrtindustrie. Gesetzt wird dabei verstärkt auf datengetriebene Lösungen und künstliche Intelligenz. Das Unternehmen spricht selbst von einer „Airside 4.0“-Strategie, mit der operative Prozesse auf Flughäfen digital vernetzt werden sollen.
Für den österreichischen Standort ist das durchaus bemerkenswert, denn obwohl die globale Luftfahrtindustrie von internationalen Großkonzernen geprägt ist, entstehen hoch spezialisierte Schlüsseltechnologien oft in vergleichsweise kleinen Entwicklungszentren. Graz hat sich dabei über Jahre zu einem wichtigen Standort für Flugsicherungs- und Airport-Technologien entwickelt. Der internationale Charakter des Geschäfts ist jedenfalls offensichtlich: Flughäfen und Flugsicherungen weltweit zählen zu den Kunden. Damit zeigt das Unternehmen beispielhaft, wie österreichische Technologieunternehmen globale Infrastruktur mitgestalten – oft im Hintergrund, aber in diesem Fall mit einer enormen Wirkung auf Sicherheit und Effizienz des internationalen Luftverkehrs.
Mit künstlicher Intelligenz gegen den Vertragsdschungel
Ein ganz anderes Feld beackert fynk: Verträge zählen in vielen Unternehmen noch immer zu den größten Zeitfressern; sie liegen verteilt in Postfächern, auf Netzlaufwerken oder als PDF-Anhang irgendwo im digitalen Nirwana. Genau hier setzt das Wiener Legal-Tech-Unternehmen Fynk an. Geschaffen wurde eine KI-gestützte Plattform für Vertragsmanagement, mit der Unternehmen Dokumente erstellen, analysieren, verhandeln und digital unterzeichnen können – alles in einem System. Was nach einem Nischenthema klingt, entwickelte sich rasch zu einem internationalen Wachstumsmarkt. Denn der regulatorische Druck steigt weltweit, Vertragsprozesse werden komplexer, und gerade international tätige Unternehmen müssen tausende Dokumente effizient verwalten.
Genau darin sieht Fynk seine Chance: Das Unternehmen verbindet klassische Vertragsverwaltung mit KI; die Software kann Inhalte automatisch analysieren, Risiken erkennen oder Fristen extrahieren. Besonders stark positioniert sich das Unternehmen bei mittelständischen Firmen und schnell wachsenden Scale-ups, die ihre juristischen Prozesse professionalisieren wollen, ohne dafür große Rechtsabteilungen aufzubauen.
Export als wichtiger Bestandteil des Konzepts
Der Exportgedanke war dabei von Beginn an Teil des Geschäftsmodells. Digitale Softwareprodukte kennen keine Landesgrenzen, und genau das nutzt das Wiener Unternehmen konsequent. Kunden aus unterschiedlichen europäischen Märkten arbeiten bereits mit der Plattform, dazu kommen internationale Partner und integrationsfähige Schnittstellen zu anderen Business-Tools.
Gerade im Bereich KI-basierter Unternehmenssoftware gilt Europa derzeit als dynamischer Wachstumsmarkt – allerdings auch als besonders anspruchsvoll, was Datenschutz und Compliance betrifft. Fynk profitiert zusätzlich davon, dass Vertragsmanagement zunehmend als strategisches Thema verstanden wird: Unternehmen wollen nicht mehr nur Dokumente archivieren, sondern aus Vertragsdaten aktiv Erkenntnisse gewinnen.
Kupfer – ein Schlüsselmaterial der Energiewende
Wenn weltweit Stromnetze ausgebaut, Windparks errichtet oder Elektromotoren produziert werden, steckt oft ein Werkstoff dahinter, der derzeit eine Renaissance erlebt: Kupfer. Die niederösterreichische Asta Energy Solutions zählt zu den international relevanten Spezialisten in diesem Bereich: Das Unternehmen produziert hoch spezialisierte Kupferdrähte und Komponenten für Energie-, Industrie- und Mobilitätsanwendungen – und profitiert damit direkt vom globalen Umbau der Energieinfrastruktur.
Der Export ist dabei auch hier zentraler Bestandteil des Geschäfts: Asta beliefert internationale Kunden aus der Energie-, Automobil- und Industriebranche und ist zunehmend begehrt als Technologiepartner für Zukunftsmärkte. Besonders gefragt sind Lösungen für Transformatoren, Elektromobilität und erneuerbare Energien. Mit der weltweiten Elektrifizierung steigt auch der Bedarf an hochwertigen Kupferlösungen – ein Trend, der dem Unternehmen starkes Wachstum beschert.
Investieren in die Zukunft
Bereits 2007 entstand eine Produktionslinie in Vadodara in Indien, um die Präsenz in einem der am schnellsten wachsenden Energiemärkte der Welt auszubauen. Gleichzeitig treibt das Unternehmen Investitionen in Recycling- und Produktionskapazitäten voran, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.
Bemerkenswert ist dabei die Rolle Österreichs als Industriestandort: Während viele energieintensive Produktionen unter Kostendruck stehen, gelingt es Asta, sich über Spezialisierung und Technologiekompetenz international zu behaupten. Natürlich spielt der weltweite Ausbau von Stromnetzen, Rechenzentren und Ladeinfrastruktur dem Unternehmen zusätzlich in die Karten: Kupfer wird in nahezu allen Zukunftstechnologien benötigt – und zwar von Windkraftanlagen bis zu Hochleistungsbatterien.
Kärntner Präzision geht um die Welt
Die Kärntner Kostwein Group wiederum gehört zu jenen österreichischen Industrieunternehmen, die außerhalb der Fachwelt kaum bekannt sind, in internationalen Hightech-Branchen jedoch eine zentrale Rolle spielen. Das Unternehmen produziert Maschinen, Module und Präzisionskomponenten für unterschiedlichste Industrien – von Halbleitertechnik über Medizintechnik bis zum Maschinenbau. Im Zentrum steht dabei ein Geschäftsmodell, das stark auf Prozessinnovation ausgerichtet ist. Während sich Kunden auf ihre Produktentwicklung konzentrieren, übernimmt Kostwein komplexe Fertigungs-, Montage- und Supply-Chain-Prozesse.
Gerade in technologisch anspruchsvollen Industrien wird diese Fähigkeit immer wichtiger, weil Produktionsprozesse hoch präzise, skalierbar und international verlässlich funktionieren müssen. Der Exportanteil des Unternehmens ist entsprechend hoch. Die Produkte und Systeme gehen an internationale Industriekonzerne und Technologieunternehmen, die in globalen Märkten tätig sind. Besonders spannend ist dabei die Nähe zu Zukunftsbranchen wie Halbleiterindustrie und Automatisierung. Gerade europäische Zulieferer mit hoher Qualität und Engineering-Kompetenz gewinnen dort zunehmend an Bedeutung.
Komplexe Prozesse zuverlässig beherrschen
Weiterhin investiert Kostwein auch stark in Automatisierung und digitale Fertigungsprozesse. Das Unternehmen präsentierte bereits eine automatisierte Produktionslösung für einen 24/7-Betrieb – ein Hinweis darauf, wie stark Industrieproduktion mittlerweile von Digitalisierung und Robotik geprägt wird. Gleichzeitig bleibt die Fähigkeit zur flexiblen Kleinserien- und Prototypenfertigung ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.
Dass dieses Modell international wirklich gut funktioniert, zeigt unter anderem die jüngste Auszeichnung: 2025 erhielt Kostwein den goldenen österreichischen Exportpreis. Besonders bemerkenswert ist dabei die Positionierung des Unternehmens zwischen klassischer Industrie und Hightech-Produktion – viele Kunden erwarten heute nicht mehr nur einzelne Komponenten, sondern komplette Prozesslösungen inklusive Logistik, Qualitätssicherung und Montage. Die Stärke solcher Unternehmen scheint oft weniger in spektakulären Produkten zu liegen, die von den Medien gefeiert werden, als in ihrer Fähigkeit, komplexe industrielle Prozesse zuverlässig zu beherrschen. Und genau diese Kompetenz ist international gefragt – und wird es wohl auch noch länger bleiben. (PZ)