Richard Melbinger, Geschäftsführer ARS Akademie, im Porträt.

NEW BUSINESS - NR. 9, SEPTEMBER 2026
»Bildung ist für mich kein Lebensabschnitt, sondern eine Lebenshaltung – ­jeder Tag bietet die Chance, etwas Neues zu lernen, eine bekannte Sache besser zu verstehen oder einen blinden Fleck zu schließen.« © Ludwig Schedl/ARS

Bildung als Lebenshaltung: An den Gabelungen seines Lebensweges hat Richard Melbinger oft den einen oder anderen mutigen Schritt getan.

Das Leben verläuft meist nicht geradlinig, sondern hält früher oder später immer Kreuzungen und Abzweigungen bereit. Der Weg von Richard Melbinger schien aber vorgezeichnet zu sein: Geboren 1976 in Wien und dort aufgewachsen, führte er ihn nach der Matura an der bekannten HTL TGM – Schwerpunkt Betriebstechnik und Maschinenbau – weiter zur WU Wien, wo er 1996 begann, Betriebswirtschaft zu studieren. Doch bereits während der Schulzeit zweigte er ab und verdiente sich mit dem Kopieren von Kursunterlagen und der Vorbereitung von Seminarräumen ein „Taschengeld“. 

An der Universität weitete sich das rasch zur Tätigkeit als IT-Trainer aus – und schon stand Melbinger an der nächsten Lebenskreuzung. „Das Aufgabengebiet wuchs, die Arbeitstage mehrten sich, die Studientage wurden weniger. Den Abschluss legte ich schließlich zugunsten des beruflichen Einstiegs zur Seite. Praxis und Verdienst in der IT zogen mich einfach stärker an als die Theorie“, erzählt er. Irgendwie paradox: Der Beruf im Bildungsbereich stand der eigenen akademischen Bildung im Weg – zumindest für die folgenden 20 Jahre.

Rasante Entwicklungen
Ausschlaggebend für seine Orientierung in Richtung IT-Trainings waren die damalige Aufbruchsstimmung und die rasante Entwicklung der Branche, die auf Melbinger große Faszination ­ausübte. Nach ersten Microsoft-Office-Anwendertrainings zog ihn seine Neugier zu Server- und Netzwerkzertifizierungen und dann zur Trainerzertifizierung bei Unisys. 

Rasant war auch ­eine andere Entwicklung: 1999 erhielten er und sein Kollege Michael Swoboda die Möglichkeit, die Schulungsabteilung von Unisys Österreich zu übernehmen. „Mit Unterstützung von Familie und Freunden haben wir die notwendigen Mittel aufgestellt und gegründet. Auch wenn es sich nicht immer so angefühlt hat, im Rückblick war es ein großartiger Zufall und eine riesige Möglichkeit für meine Entwicklung“, resümiert Melbinger. 

Gemeinsam hoben sie die ETC – Enterprise Training Center GmbH aus der Taufe, wo er auch heute noch mit einem anderen langjährigen Weggefährten, Christoph Becker, in der Geschäftsführung tätig ist. In den Rollen COO, CFO und später CIO ­prägte Melbinger das Unternehmen über mehr als zwei Jahrzehnte mit – von der Entwicklung eines eigenen ERP-Systems über den Aufbau des Leadership-Teams bis zur Integration zweier Akquisitionen. Mit einem Augenzwinkern blickt er zurück: „Mein Leben wäre sicher anders verlaufen, wenn ich mit 22 gewusst hätte, was ein Management-Buy-out wirklich bedeutet und welche Verantwortung man damit übernimmt.“ 

Seit April 2019 trägt er außerdem eine weitere Verantwortung: die Geschäftsführung der ARS Akademie in Wien. „Dort durfte ich neben einer Systemablöse auch eine neue Managementstruktur etablieren – und damit erstmals ein Unternehmen ohne ‚Gründerprivileg‘ führen – eine völlig neue Erfahrung“, erzählt er.

Die drei Ecken des Erfolgs
„Obwohl ich immer mit der Entscheidung gegen mein Studium gehadert habe, ­habe ich durch die Gründung und den Aufbau von ETC immens viel gelernt“, zieht ­Richard Melbinger Bilanz. Zwischen 2020 und 2024 schloss sich dann der Kreis und er holte sein Studium mit einem MBA an der Universität für Weiterbildung Krems nach. Damit verankerte er das praktisch erworbene Wissen auch theoretisch. Sein Erfolgsrezept begleitet ihn aber bereits seit dem TGM: „Die HTL hat mich gelehrt, dass Arbeit gut vorbereitet sein will und die richtigen Werkzeuge sowie deren Umgang damit den Unterschied machen. Wenn ich eine klare Vorstellung meines Produkts habe, kann ich die richtigen Materialien, Werkzeuge und Personen bestimmen, um das Produkt zu fertigen.“

Melbinger spricht in diesem Zusammenhang von einem Dreieck, das sich auf viele Lebensbereiche anwenden lässt. „Nehmen wir das Kochen: Gute Zutaten, eine perfekt ausgestattete Küche und ein fähiger Koch werden immer zu einem fantastischen Mahl führen. Lässt eine Ecke nach, müssen die anderen beiden umso mehr leisten. Ich habe mich mein Leben lang auf die Fähigkeiten konzentriert, denn diese Ecke ist die einzige, die über sich hinauswachsen kann und zu neuen Produkten oder Erkenntnissen führt.“

Freundlich im Ton, hart in der Sache
Seinen Führungsstil beschreibt der CEO von ARS und ETC als situativ: „Es gibt keinen allgemeinen Führungsstil, der immer angewendet werden kann. Was aber immer gilt: Meine Tür steht jederzeit offen – und das nicht nur sprichwörtlich.“ Besonders wichtig sind ihm Respekt und Integrität, egal, ob gegenüber Mitarbeitenden, Referent:innen oder Kund:innen. „Jemand hat mir mal nachgesagt, ich sei freundlich im Ton, aber hart in der Sache. Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob das ein Kompliment war“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Am Ende war sein Weg vielleicht doch vorgezeichnet – wenn auch anders als gedacht. Denn Bildung ist für Richard Melbinger kein Lebensabschnitt, sondern eine Lebenshaltung: „Jeder Tag bietet die Chance, etwas Neues zu lernen, eine bekannte Sache besser zu verstehen oder einen blinden Fleck zu schließen. Genau diese konsequente Weiterentwicklung – bei mir selbst, bei unseren Mitarbeitenden und bei unseren Kund:innen – ist das, was mich antreibt und was ich auch als gesellschaftlichen Auftrag unserer Branche sehe.“ (RNF)


12 FRAGEN AN RICHARD MELBINGER

Was wollten Sie als Kind werden?
Als Kind wollte ich gerne Koch werden. Warum, kann ich nicht mehr sagen, aber dass ich wenig erfolgreich in meinen ersten Versuchen war – das hat sich gebessert, man kann alles lernen. 

Was bedeutet Glück für Sie?
Vor dem Wecker aufzuwachen: der Luxus, ausreichend geschlafen zu haben, erfüllt mich mit Zufriedenheit und der Gewissheit, einen produktiven Tag vor mir zu haben.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
„The Bone Garden” von Simon Beckett. Lesen ist für mich Abenteuer im Kopf – und ein wenig Sprachtraining. 

Welche Persönlichkeit inspiriert Sie?
Keine spezielle Persönlichkeit, aber ich bin immer ­wieder inspiriert von Management-Vordenkern wie Peter ­Drucker, Peter Senge oder Michael Porter. Sie haben ihrer Zeit voraus komplexe Inhalte in Modellen vereinfacht und für viele nachfolgende Führungskräfte verständlich gemacht.

Was war Ihr bisher größter Erfolg?
Der Aufbau der ETC ist unbestritten der faktisch ­größte Erfolg meiner Karriere, aber die Übernahme der ARS hat mich persönlich ungemein viel gelehrt.

Was ist das Verrückteste, das Sie je in Ihrem Leben getan haben?
Die Gründung der ETC mit 22 war für mich das Verrückteste, dafür haben mindestens zehn Jahre Erfahrung und ein Studium gefehlt.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?
Mit meinen Mitarbeitenden, da würde ich sicher viel über mich erfahren.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?
Ohne Fleiß kein Preis – alt, aber gut.

Worüber haben Sie zuletzt gelacht?
Richtig herzlich lache ich bei Serien wie The Office, Arrested Development oder Superstore. Diese sind nahe an der Realität, aber gerade genug übertrieben, um lachen zu dürfen.

Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, sich bisher aber nicht getraut haben?
Eine Auszeit nehmen und schauen, was passiert. Ich bin in meinem Leben immer von einer Herausforderung in die nächste gestolpert. Es wäre interessant zu erfahren, welche Herausforderung ich mir nach einer Phase der Stille suchen würde.

Was motiviert Sie, tagtäglich aufzustehen?
Neben dem Gedanken an den ersten Kaffee motiviert es mich, täglich an der Weiterentwicklung von Menschen zu arbeiten – direkt und indirekt.

Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie dann und ­warum?
Hier spiegle ich meinen Hund, einen Australian Shepherd. Immer aktiv, immer die Herde zusammenhaltend, niemanden zurücklassen.


ZUR PERSON
30 Jahre Bildungsexpertise
Richard Melbinger blickt heute auf eine rund 30-jährige Laufbahn in der beruflichen Aus- und Weiterbildung zurück. Den Anfang machte bereits im Jahr 1996, noch während des Studiums der Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien, seine Tätigkeit als technischer Trainer, bevor er dann 1999 zum Mitbegründer von ETC – Enterprise Training Center ­wurde. 2019 hat er die Geschäftsführung der ARS Akademie übernommen, wo er seine Expertise in agilen Organisationen und kollektiver Führung einsetzt, um die Entwicklung von Unternehmen und Mitarbeitenden voranzutreiben. In der ETC fungiert er weiterhin als Co-Geschäftsführer.