Innenminister Gerhard Karner, Direktor des Bundeskriminalamtes Andreas Holzer und Helmut Leopold vom AIT Austrian Institute of Technology präsentierten Ende März die innovative "BioCapture"-Technologie. © BMI/Karl Schober
Eine Entwicklung des AIT Austrian Institute of Technology ermöglicht es, Fingerabdrücke direkt vor Ort kontaktlos mit dem dienstlichen Smartphone zu scannen.
Österreich ist internationaler Vorreiter in digitaler Sicherheitstechnologie. Dank der Entwicklung eines kontaktlosen Fingerabdruck-Scanners via Smartphone durch das AIT Austrian Institute of Technology ist eine schnelle, aber vor allem sichere und souveräne Identitätsfeststellung ohne zusätzliche Geräte durch die Polizei an Ort und Stelle möglich.
"Die Fahndung nach Kriminellen wird noch moderner, schneller und effizienter", betonte Innenminister Gerhard Karner im Rahmen einer Präsentation einer neuen Technologie und sprach über eine "kleine internationale Sensation", die Österreich gelungen sei. Die angesprochene Sensation ist eine Entwicklung des AIT Austrian Institute of Technology, die es Polizistinnen und Polizisten ermöglicht, Fingerabdrücke von Personen, die sich nicht ausweisen und auf andere Weise nicht eindeutig identifiziert werden können, direkt vor Ort kontaktlos mit dem dienstlichen Smartphone zu scannen und mit verschiedenen Datenbanken abzugleichen. Diese im internationalen Vergleich führende Technologie- und Systementwicklung beruht auf einem Forschungsprojekt des KIRAS Sicherheitsforschungsförderprogramms.
Schnelle, effiziente und sichere Kontrolle an Ort und Stelle
"BioCapture" wurde über mehrere Jahre hinweg entwickelt, getestet und rechtlich sicher in die polizeilichen Anwendungen implementiert. Die biometrischen Daten (Fingerabdrücke) werden innerhalb weniger Minuten mit bestehenden Datenbanken abgeglichen – Polizistinnen und Polizisten können vor Ort feststellen, ob nach Personen gefahndet wird und ob sie sich rechtmäßig in Österreich aufhalten. Damit entfällt die Notwendigkeit zusätzlicher Geräte oder – wie bisher üblich – des Transports von Angehaltenen zu Dienststellen. Entscheidungen über die weiteren polizeilichen Maßnahmen können unmittelbar vor Ort getroffen werden.
Der Einsatz bringt Vorteile für Polizei und kontrollierte Personen: Für die Polizei bedeutet die neue Technologie eine deutliche Zeitersparnis im operativen Einsatz und eine spürbare Reduktion des administrativen Aufwands. Aber auch für Kontrollierte, die sich nicht ausweisen können, ergibt sich der Vorteil, dass eine Abklärung vor Ort möglich ist und sie für den Datenabgleich nicht mehr auf eine Polizeidienststelle mitfahren müssen.
Ein zentraler Aspekt bei der Entwicklung war auch die konsequente Umsetzung von Security-by-Design-Ansätzen sowie die Einhaltung strenger datenschutzrechtlicher und gesetzlicher Vorgaben. Die erfassten Fingerabdrücke werden ausschließlich für den unmittelbaren Abgleich verwendet, nicht gespeichert und nach Abschluss des Vorgangs gelöscht.
Die Technologie stellt nicht nur einen enormen Fortschritt der polizeilichen Identitätsfeststellung dar, sondern stößt auch international auf großes Interesse anderer Polizei- und Sicherheitsbehörden. Beim World Border Security Congress 2026 in Wien präsentierten Experten des AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundesministeriums für Inneres sowie dem United Nations Office of Counter-Terrorism (UNOCT) innovative Lösungen für kontaktlose biometrische Identitätssysteme. Die enge Zusammenarbeit zwischen Forschung, Bedarfsträgern und internationalen Organisationen unterstreicht die wachsende Rolle Österreichs als "Best Practice"-Beispiel für den verantwortungsvollen Einsatz digitaler Technologien im sicherheitskritischen Kontext. Über die technologische Entwicklung hinaus engagiert sich das AIT gemeinsam mit dem UNOCT auch im internationalen Capacity Building: In Workshops und Trainingsformaten weltweit werden Behörden und Organisationen dabei unterstützt, Kompetenzen für den verantwortungsvollen Einsatz biometrischer Technologien aufzubauen. Im Mittelpunkt steht dabei, wie biometrische Technologien rechtskonform und verantwortungsvoll eingesetzt werden können – etwa durch klare Regeln im Umgang mit sensiblen Daten, transparente Prozesse und ein besseres Verständnis dafür, welche Auswirkungen diese Technologien im konkreten Einsatz haben. Damit leisten die gemeinsamen Aktivitäten einen Beitrag zur internationalen Unterstützungsarbeit des UNOCT im Bereich Grenzsicherheit und -management.
Strategische Allianz von Forschung und Behörde
Ein starker Technologie- und Innovationsstandort lebt davon, dass Zukunftslösungen nicht erst im Bedarfsfall entstehen, sondern frühzeitig entwickelt werden. Das AIT Austrian Institute of Technology spielt hier eine entscheidende Rolle, indem es frühzeitig Innovationen auf den Weg bringt und damit die technologische Vorreiterrolle und technologische Souveränität Österreichs stärkt. Unter diesem Gesichtspunkt intensivierten das AIT Austrian Institute of Technology und das Bundesministerium für Inneres (BMI) ihre langjährige Zusammenarbeit. Ende Februar 2026 unterzeichneten sie ein Memorandum of Understanding, mit dem die strategische Kooperation im Bereich der Entwicklung von innovativen Technologien für die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit verstärkt werden soll.
Die Partnerschaft zwischen AIT und BMI gewährleistet eine bedarfsorientierte Ausrichtung der Forschung sowie einen raschen Transfer innovativer Lösungen in die Praxis. Im Rahmen des nationalen Sicherheitsforschungsprogramms des BMF (KIRAS und K-Pass) arbeiten beide Partner seit Jahren erfolgreich mit Unternehmen aus Wirtschaft und Industrie zusammen und leisten einen wichtigen Beitrag für die digitale Souveränität Österreichs. Diese etablierte Kooperationsstruktur stellt sicher, dass technologische Entwicklungen nicht im Labor verbleiben, sondern nachhaltig in operative Strukturen integriert werden.
Fahndungserfolge während Probebetrieb – bundesweite Umsetzung bis Jahresende
Seit August 2025 befindet sich der Fingerabdruck-Scanner bei ausgewählten Polizeieinheiten wie der Fremdenpolizei im Einsatz. Seit Anfang März 2026 ist auch die Bereitschaftseinheit Wien in den Testbetrieb eingegliedert. So zog das Bundeskriminalamt bereits eine erste Bilanz und erläuterte, dass bei 643 Kontrollen 170 Treffer im AFIS-System erzielt und mehrere gesuchte Personen trotz falscher Angaben identifiziert werden konnten. Auch die Rückmeldungen aus dem Außendienst seien durchwegs positiv – insbesondere die einfache Handhabung, die Geschwindigkeit und die hohe Trefferqualität werden hervorgehoben und erleichtern polizeiliche Arbeit und Abläufe enorm. Die österreichweite Ausrollung, damit die Anwendung von allen Polizistinnen und Polizisten auf ihren Diensthandys genutzt werden kann, ist bis Ende des heurigen Jahres geplant. Ein weiterer Entwicklungsschritt ist die Anbindung an europäische biometrische Systeme ab 2027. Dadurch wird der Zugriff auf einen Datenbestand von bis zu 400 Millionen Personen möglich – ein bedeutender Fortschritt für die internationale Polizeizusammenarbeit. (PR)
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