V.l.n.r.: Christian Helmenstein, Hermann Erlach und Alexander Pröll © Microsoft/APA-Fotoservice/Krisztian Juhasz

Eine Studie von Economica und Microsoft Österreich identifiziert die Sektoren, Berufe und Tätigkeiten mit dem größten Beitrag zur Hebung des KI-Potenzials in Österreich.

Wie kann Österreich das wirtschaftliche Potenzial von künstlicher Intelligenz am wirkungsvollsten nutzen? Dieser Frage geht eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica im Auftrag von Microsoft Österreich nach. Die Analyse zeigt, in welchen Sektoren, Berufen und Tätigkeiten der Einsatz von KI den größten Beitrag zu Produktivität, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit leisten kann. Die Ergebnisse wurden heute von Alexander Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung, Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung und Economica-Leiter, und Hermann Erlach, General Manager von Microsoft Österreich, vorgestellt. 

Die neue Analyse baut auf den Ergebnissen der Economica-Studie aus dem Jahr 2024 auf, wonach künstliche Intelligenz die Bruttowertschöpfung in Österreich um (laut den damaligen Berechnungen) bis zu 18 Prozent steigern könnte. Das entspräche den Angaben zufolge einem zusätzlichen Wertschöpfungspotenzial von rund 72 Milliarden Euro beziehungsweise bis zu 2,24 Milliarden Arbeitsstunden, die pro Jahr zusätzlich zur Verfügung stehen würden. In der aktuellen Untersuchung wurde der Fokus darauf gelegt, wo die größten Hebel liegen, um dieses Potenzial tatsächlich zu realisieren.

Schlüsselbereiche mit Hebelwirkung 
Die Studie zeigt, dass sich das gesamtwirtschaftliche KI-Potenzial nicht gleichmäßig über die österreichische Wirtschaft verteilt. Besonders große Hebel liegen dort, wo wirtschaftliche Bedeutung und technologisches Potenzial zusammentreffen. Vier Wirtschaftsbereiche stehen gemeinsam für 54,9 Prozent des gesamten KI-Potenzials in Österreich: die Herstellung von Waren (Industrie), der Handel, das Finanz- und Versicherungswesen sowie freiberufliche und technische Dienstleistungen. Den größten Einzelbeitrag leistet die Industrie mit einem Potenzial von 19,8 Milliarden Euro, gefolgt vom Handel mit 9 Milliarden Euro.  

Auch bei den Berufen zeigt sich eine klare Konzentration. Akademische Berufe, Technikerinnen und Techniker sowie Handwerksberufe vereinen zusammen 58,4 Prozent des gesamten KI-Potenzials. Ihr gemeinsamer möglicher Wertschöpfungsbeitrag liegt bei rund 42 Milliarden Euro. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass KI keine Nischentechnologie ist, sondern eine Basistechnologie, deren Potenzial sich über weite Teile der Wirtschaft erstreckt. Um die Chancen umfassend zu nutzen, braucht es sowohl breit einsetzbare Anwendungen für Aufgaben wie Dokumentation, Analyse und Informationsverarbeitung als auch spezialisierte Lösungen für branchenspezifische Anwendungsfelder. 

"Die Ergebnisse zeigen, dass sich Österreichs KI-Potenzial auf einige besonders relevante Hebel konzentriert. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Ausschöpfung dieses Potenzials sowohl breit einsetzbare Anwendungen als auch spezialisierte Lösungen für einzelne Branchen und Berufe erfordert. Standardisierte Anwendungen können große Effizienzgewinne ermöglichen, während spezialisierte Tätigkeiten maßgeschneiderte Ansätze benötigen", sagt Christian Helmenstein, Leiter von Economica. 

Potenziale für den öffentlichen Sektor 
Besondere Bedeutung misst die Studie auch jenen Bereichen zu, die bereits heute unter strukturellem Anpassungsdruck stehen. Dazu zählen neben Industrie, Bau, Handel und Verkehr insbesondere Teile des öffentlichen Sektors. Öffentliche Verwaltung, Bildung sowie Gesundheits- und Sozialwesen (mehr zum Potenzial von Digitalisierung im Gesundheitswesen finden Sie auch in unserem Artikel "Produktivitätsfalle" im Gesundheitswesen) stehen gemeinsam für 19,4 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung und beschäftigen 25,1 Prozent aller Erwerbstätigen. Gerade dort, wo Fachkräftemangel, demografischer Wandel und steigende Anforderungen zusammentreffen, besteht laut Studie erhebliches Potenzial für den gezielten Einsatz von KI.  

EU-weite Erhebungen zeigen zudem, dass österreichische Unternehmen KI bereits häufiger einsetzen als der EU-Durchschnitt. Gleichzeitig bleibt das Nutzungsniveau ausbaufähig. Der heutige Einsatz konzentriert sich vor allem auf text- und sprachbasierte Anwendungen, während Bildverarbeitung, Deep Learning oder autonome Systeme bislang nur begrenzt genutzt werden.  

Diese Einschätzung wird auch durch den aktuellen AI Diffusion Index des Microsoft AI Economy Institute gestützt. Demnach liegt Österreich mit einer KI-Nutzungsrate von 34,1 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung weltweit auf Rang 18 und zählt zu den Ländern mit überdurchschnittlicher KI-Nutzung.

In einer ähnlichen regelmäßigen Untersuchung von Economica (in Zusammenarbeit mit Accenture und der Industriellenvereinigung), der Studie "Die digitale Dividende", die seit rund fünf Jahren durchgeführt wird, liegt Österreich bei der KI-Nutzung im EU-Vergleich ebenfalls im oberen Mittelfeld (siehe dazu unseren Artikel Digitalisierung wirkt). 

Umsetzung braucht Infrastruktur, Kompetenzen und Vertrauen 
"Künstliche Intelligenz ist die größte Disruption unserer Zeit und bietet enorme Chancen für den Wirtschaftsstandort Österreich. Die Studie zeigt, dass wir gute Voraussetzungen haben, um dieses Potenzial zu nutzen. Entscheidend wird sein, KI breit in Wirtschaft und Gesellschaft zur Anwendung zu bringen, Innovation zu fördern und gleichzeitig die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen. Wenn Wirtschaft, Wissenschaft und öffentliche Hand gemeinsam an einem Strang ziehen, kann künstliche Intelligenz einen wichtigen Beitrag zu Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand in Österreich leisten. Das muss unser gemeinsames Ziel sein”, sagt Alexander Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung.  

Für die erfolgreiche Nutzung von KI braucht es laut Studie klare regulatorische Leitplanken, Investitionen in digitale Infrastruktur, gezielte Qualifizierung sowie eine koordinierte Umsetzung in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Fokus sollte dabei weniger auf der Technologie selbst als auf ihrer Anwendung in Prozessen, Wertschöpfung und Entscheidungsfindung liegen.  

"Österreich hat die Chance, zu den führenden KI-Standorten Europas zu gehören. Die Studie zeigt, wo die größten Potenziale liegen: in den Stärken unserer Wirtschaft, von der Industrie über den Mittelstand bis hin zu wissensintensiven Dienstleistungen und dem öffentlichen Sektor. Jetzt gilt es, technologisches Potenzial in konkrete Wertschöpfung zu übersetzen. Dafür braucht es Investitionen in digitale Infrastruktur, Qualifizierung und die konsequente Umsetzung von KI in Unternehmen und Organisationen. So stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig", sagt Hermann Erlach, General Manager Microsoft Österreich. 

Microsoft engagiert sich gemeinsam mit Partnern für die Weiterentwicklung des KI-Standorts Österreich. Die Rechenzentrumsregion rund um Wien soll etwa die Grundlage für leistungsfähige digitale Infrastruktur schaffen. Die AI Innovation Factory in Wien wiederum soll Wissenstransfer, Innovation und Zusammenarbeit im österreichischen KI-Ökosystem fördern. Ergänzt wird dies durch Initiativen zum Aufbau digitaler Kompetenzen, die Unternehmen und Menschen dabei unterstützen, die Chancen von künstlicher Intelligenz erfolgreich zu nutzen. (red.)