Spitzenverdiener ist OMV-CEO Rainer Seele © APA - Austria Presse Agentur

In Krisenzeiten mit Hunderttausenden Arbeitslosen und 1,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit geraten Bonuszahlungen für Vorstände wieder ins Visier. Die Arbeiterkammer (AK) fordert, dass Unternehmen, die auf staatliche Unterstützung zurückgreifen, auf mindestens 50 Prozent der Bonuszahlungen aus dem Vorjahr für das Management verzichten müssen.

2019 hätten die ATX-Vorstände erneut "astronomische" Gagen verdient. Der durchschnittliche Verdienst betrug fast 1,9 Mio. Euro, "das 57-fache eines mittleren Einkommens", zeigt eine Analyse der AK von 17 der 20 im Wiener Leitindex ATX vertretenen Unternehmen, die bereits ihre Geschäftsberichte für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht haben. Das Durchschnittsgehalt sei gegenüber dem Allzeit-Hoch von 2018 zwar um rund 16 Prozent gesunken, seit Beginn der Erhebung 2003 handle es sich dabei aber um den zweithöchsten Wert.

Gagenkaiser in dem aktuellen Ranking ist OMV-CEO Rainer Seele mit 7,2 Mio. Euro, dahinter folgen Mayr-Melnhof-Vorstandschef Wilhelm Hörmanseder mit 5,2 Mio. Euro und BAWAG-Boss Anas Abuzaakouk mit 4,9 Mio. Euro. Während Seele und Hörmanseder deutlich mehr als im Jahr davor verdienten, bekam Abuzaakouk um rund ein Viertel weniger als im Jahr 2018, was auf einen freiwilligen Bonusverzicht für 2019 zurückzuführen sei. Trotz Verzichts auf den Jahresbonus 2019 finden sich vier der insgesamt sechs BAWAG-Group-Vorstände unter den Top Ten der Spitzenverdiener, so die AK. Insgesamt lukrierte dieses Managementteam der Bank im Geschäftsjahr 2019 19,8 Mio. Euro an Bezügen.

Auf Platz 10 im Ranking der Spitzenverdiener findet sich nach wie vor der ehemalige Vorstandsvorsitzende der OMV, Gerhard Roiss, der bereits vor fünf Jahren aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Er erhält 3,13 Mio. Euro, womit Roiss mehr verdient als der Großteil der aktiven Vorstände und Vorstandsvorsitzenden.

Abgesehen von der BAWAG und dem Baukonzern Porr habe bisher kein börsennotiertes Unternehmen einen Gehaltsverzicht angekündigt. Die Arbeiterkammer fordert bei den Bonuszahlungen Maßnahmen ein. "Vor allem aber darf eines nicht passieren: die Wiederholung der Entlohnungstaktik nach der Finanzkrise 2008/09, als zwar die Boni gekürzt, dafür aber die Fixgehälter erhöht wurden", sagte AK-Betriebswirtin und Studienautorin Christina Wieser. 2009 sei der Anteil des fixen Teils am Gehalt bei 60,4 Prozent gelegen, 2008 seien es noch 46,6 Prozent gewesen. Das lässt laut Wieser die Interpretation zu, dass sinkende Bonuszahlungen mit einer Anhebung der Fixvergütung kompensiert wurden.