Am Aus im Jahr 2027 wird festgehalten © APA - Austria Presse Agentur

Das Aus für das Werk des Iglo-Zulieferers Ardo in Groß-Enzersdorf scheint besiegelt. Nach einer zweiten Gesprächsrunde mit der Politik teilte das Unternehmen am Mittwoch mit, an den Schließungsplänen für 2027 festzuhalten. Die strukturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen könnten durch die unterbreiteten Unterstützungsangebote "nicht behoben werden", hieß es in einer Aussendung von Ardo Austria Frost. Die Politik zeigte sich verwundert über die Vorgehensweise.

Die möglichen und in der Vorwoche vorgelegten Unterstützungsmaßnahmen für den Standort seien beim Treffen "sorgfältig geprüft und erörtert" worden, hielt Ardo fest. "Subventionen oder jede andere Form direkter oder indirekter Unterstützung würden jedoch die strukturellen wirtschaftlichen Herausforderungen des Werks nicht beheben und das Unternehmen potenziellen rechtlichen und finanziellen Risiken aussetzen." Seitens des Unternehmens werde daher diese Option nicht weiterverfolgt, Gespräche über eine öffentliche Unterstützung möchte man auch nicht weiterführen. "Ardo und seine Berater sind der Auffassung, dass die von der österreichischen Bundesregierung vorgeschlagene umfangreiche Unterstützung einer rechtlichen Prüfung durch die Europäische Kommission auf Grundlage der Vorschriften über staatliche Beihilfen und des Wettbewerbsrechts nicht standhalten würde", hieß es außerdem. Die Aufrechterhaltung "eines strukturell unrentablen Betriebs mithilfe öffentlicher Subventionen" sei zudem keine "nachhaltige langfristige Lösung".

Sozialplan im Fokus

Man wolle "seine Anstrengungen weiterhin darauf konzentrieren, einen ausgewogenen Sozialplan für die von der beabsichtigten Schließung betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erreichen". Das Unternehmen betonte außerdem seine Bereitschaft, mit der Erzeugerorganisation ETG und Regierungsvertretern den weiteren Dialog darüber zu führen, "wie der Übergang für die lokalen Landwirte angesichts der geplanten Werksschließung erleichtert werden kann".

Auch zum am Dienstag vom "Kurier" berichteten Interesse zweier heimischer Investoren äußerte sich Ardo auf APA-Anfrage. Bestätigt wurde, dass das Unternehmen angesprochen worden sei. "Die Möglichkeit eines Verkaufs des Werks wurde von Ardo selbstverständlich eingehend geprüft." Der Standort stehe jedoch vor strukturellen geschäftlichen Herausforderungen, darunter eine Kostenposition, die deutlich weniger wettbewerbsfähig sei als vergleichbare Produktionsstandorte in Mittel- und Osteuropa. "Jeder potenzielle neue Eigentümer stünde vor denselben grundlegenden Herausforderungen, darunter die Notwendigkeit, den Standort mit erheblichem Kostenaufwand zu modernisieren. Wir glauben nicht, dass ein neuer Eigentümer das Werk angesichts dieser Herausforderungen realistisch gesehen wieder in die Gewinnzone führen könnte." Ardo werde "dies daher nicht weiterverfolgen".

Politik: Ardo-Management "auf keinerlei Hilfsangebote näher eingegangen"

Beim Treffen am Mittwoch waren von politischer Seite neben Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig auch Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landesvize Stephan Pernkopf (alle ÖVP) anwesend. Vor Ort war zudem Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ. "Wir sind verwundert über die Vorgehensweise, denn die von Ardo kolportierten Aussagen entsprechen weder den konkreten Gesprächsinhalten noch den Fakten", ließ man nach dem Treffen in einer der APA übermittelten schriftlichen Stellungnahme wissen. Das Ardo-Management sei "auf keinerlei Hilfsangebote näher eingegangen und hat nicht einmal gesagt, welche konkreten Unterstützungen notwendig wären, um den Standort abzusichern oder den Betrieb temporär fortzuführen". Die Absicht sei klar: "Man will einen rentablen Standort schließen, also Österreich raus, belgisches Gemüse rein. Diese Schließungspläne sind für uns inakzeptabel, denn wir wollen die Versorgung mit heimischem Tiefkühlgemüse sichern." Bei dem Termin seien weitere Gespräche auf Eigentümerebene gefordert worden und das Management habe zugesichert, "diese Gesprächsforderung an die Eigentümer sofort weiterzuleiten": "Nun warten wir auf eine rasche Antwort."

Das Ardo-Management sei "keinen Millimeter auf unsere Angebote eingegangen", sagte Landesvize Pernkopf zur APA. Dass rechtswidrige Unterstützung angeboten worden sei, "lassen wir uns jedenfalls nicht vorwerfen". Das Unternehmen sei an einer Weiterführung oder einer Weitergabe der Anlagen nicht interessiert, dennoch bleiben die Unterstützungsangebote von Bundes- und Landesregierung aufrecht. "Wer ein Werk in dieser Art und Weise kalt abdreht und den Bauern nicht einmal die Produktionsmaschinen überlassen möchte, nur um rot-weiß-rote Konkurrenz zu verhindern, hinterlässt verbrannte Erde. Doch das werden sich weder die Bauern noch die österreichischen Konsumenten gefallen lassen."

Mayr sah "nicht nur eine Standortentscheidung", sondern einen "Schlag gegen die österreichische Lebensmittelproduktion". "Wenn durch solche Konzernentscheidungen künftig weniger österreichisches Gemüse verarbeitet wird und das AMA-Gütesiegel von den Verpackungen verschwindet, dann vertrauen wir darauf, dass viele Konsumentinnen und Konsumenten sehr genau hinschauen und bewusst zu jenen Produkten greifen, die von heimischer Herkunft sind", teilte er in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Landbauer mit Kritik an der Bundesregierung

Landesvize Udo Landbauer (FPÖ) ortete in einer Aussendung "eine Hiobsbotschaft" für die Gemüsebauern in der Region und die Beschäftigten. "Wenn die Regierung nicht schleunigst mit der Beschaffung günstiger Energie, mit Bürokratieabbau und Investitionsanreizen den Wirtschaftsmotor zum Laufen bringt, werden noch weitere Betriebsschließungen in Niederösterreich und im ganzen Land folgen", äußerte der Landesparteichef der Freiheitlichen Kritik in Richtung Bund.

Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Die belgische Ardo-Gruppe hatte Ende September angekündigt, den Standort 2027 zuzusperren. Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Nötige Investitionen von mehr als 100 Mio. Euro für die Modernisierung seien für einen "relativ kleinen heimischen Markt" zu hoch, wurden die Pläne begründet. Die Anlagen sollen an andere bestehende Standorte verlagert werden. Das Unternehmen hat 2025 in Niederösterreich seinen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.

Bei Spar übernimmt Schneider's Gemüseland weitere Produkte

Bei Spar wurde unterdessen nun fixiert, dass der bereits bisherige Partner Schneider's Gemüseland aus Groß-Enzersdorf ab Sommer 2027 einen weiteren Teil der bisher bei Ardo erzeugten Marchfelder Tiefkühlgemüseprodukte übernimmt. Aktuell stammen bereits um die 20 Produkte von Schneider's Gemüseland, fünf weitere seien fixiert worden, sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann zur APA. "Am Rest arbeiten wir." Im Zuge der Zusammenarbeit mit Spar investierte der niederösterreichische Betrieb laut einer Aussendung in neue Tiefkühl-Abfüllanlagen und ein vollautomatisiertes Tiefkühllager, wodurch die Lager- und Verarbeitungskapazitäten erweitert wurden.