Das reichste Zehntel besitzt über 70 Prozent- © APA - Austria Presse Agentur
Das Finanzvermögen der heimischen Privathaushalte hat erstmals die Billionengrenze überschritten. Im zweiten Quartal 2026 stieg es auf 1.011 Mrd. Euro, wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Donnerstag mitteilte. Den größten Anteil daran haben Einlagen (34 Prozent), gefolgt von Beteiligungen und Wertpapieren (je 24 Prozent). Von dem Vermögen profitieren jedoch nicht alle gleichermaßen: Rund 70 Prozent entfallen auf die vermögendsten zehn Prozent der Haushalte.
In den vergangenen zehn Jahren legte das Finanzvermögen der Haushalte um 60 Prozent zu, hieß es in dem OeNB-Bericht weiter. Während Bankeinlagen mit 341 Mrd. Euro weiterhin den größten Anteil ausmachen, gewinnen Beteiligungen und Wertpapiere an Bedeutung.
"Der Wertpapierbestand hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt", sagte Edeltraud Stiftinger, Vize-Gouverneurin der OeNB, am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Zwischen dem zweiten Quartal 2016 und dem zweiten Quartal 2026 stieg er um 117 Prozent auf 242 Mrd. Euro. 87 Prozent der Wertpapiere werden allerdings vom reichsten Zehntel gehalten.
Sparquote rückläufig
Trotz eines Rückgangs auf 9,7 Prozent blieb die Sparquote 2025 dank geopolitischer Unsicherheiten, schwacher Konjunktur und höherer Zinsen relativ hoch. Heuer dürfte sie jedoch weiter auf 8,4 sinken, prognostiziert die OeNB. Was nicht gespart wird, fließt in den Konsum. Der Konsum dürfte heuer mit 3,8 Prozent etwas stärker steigen als die Inflation. Für 2026 prognostiziert das Wifo ein Einkommenswachstum von 2,4 Prozent. "Da der Konsum damit schneller zunimmt als das Einkommen, geht die Sparquote weiter zurück", so Stiftinger.
Die Finanzverpflichtungen der österreichischen Haushalte beliefen sich im Vorjahr auf 213 Mrd. Euro und sind damit leicht um 1 Prozent gestiegen. Die Wohnbaukredite stagnierten in diesem Zeitraum, nahmen aber im ersten Halbjahr 2026 wieder Fahrt auf, so die OeNB.
Verschuldung unter Durchschnitt des Euroraums
Die Verschuldung lag im Juni 2026 bei 214 Mrd. Euro. In Relation zum Finanzvermögen ist die Verschuldung österreichischer Haushalte mit 21 Prozent im Vergleich zum Euroraum (26 Prozent) geringer und hat im Jahresvergleich sogar abgenommen, da das Finanzvermögen stärker wuchs als die Kredite.
Das Wissen zum Thema Finanzen ist laut OeNB in Österreich auf gutem Niveau, allerdings gebe es Lücken bei Personen mit niedrigem Bildungsabschluss, geringem Einkommen, jungen Menschen sowie Personen in Singlehaushalten. Nach wie vor bestehe auch ein Gender Gap. "Alte Muster, wie, dass Männer sich um die Finanzen kümmern, bleiben leider bestehen", sagte OeNB-Direktor Josef Meichenitsch. Auch das Einkommen spielt eine Rolle. Bei Personen mit hohem Einkommen sei die Tendenz stärker, in Wertpapiere zu veranlagen. Wer über Wertpapiere spart, habe wiederum tendenziell ein höheres Finanzwissen.