Windkraft-Erzeuger versprechen mehr Energiesicherheit © APA - Austria Presse Agentur

Anlässlich des vierten Jahrestags des russischen Angriffs auf die Ukraine drängt die IG Windkraft auf einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. Die Branchenvertretung verwies am Montag auf den hohen Anteil an teuren Gasimporten im Winter und warnte vor neuen geopolitischen Abhängigkeiten. Um die strategische Autonomie zu stärken, müsse der Bau der aktuell 214 baureifen Windkraftanlagen rasch umgesetzt werden.

Laut IG Windkraft sind die heimischen Gasspeicher mit einem aktuellen Füllstand von rund einem Drittel gefährlich nahe an die Krisenjahre herangerückt. Gleichzeitig decke Österreich den erhöhten Energiebedarf in der kalten Jahreszeit noch immer zu über zwei Dritteln durch Gasimporte. "Zeitgleich hat Österreich den Ausbau von Winterstrom und die Flexibilisierung des Stromsystems noch zu wenig vorangetrieben", erklärte Josef Plank, Präsident der IG Windkraft. Derzeit seien Anlagen mit einer Leistung von 1.200 Megawatt fertig genehmigt, die 3 Terawattstunden (TWh) Winterstrom bereitstellen könnten.

Aufgrund der hinterherhinkenden Stromnetze und der volatilen Rahmenbedingungen schreite der Ausbau aber zu langsam voran, sagt die IG Windkraft und fordert für künftige Projekte schnellere Genehmigungsverfahren. Rasch wirksame Maßnahmen wären unter anderem eine bessere Ausstattung der Behörden und eine verbindliche Flächenausweisung für Standorte.

"Keine Sicherheit ohne Energiesicherheit"

Sicherheitsexperten flankieren die Forderung der Branchenvertretung. Durch den EU-Beschluss, bis 2027 aus russischem Erdgas auszusteigen, brechen bisherige Gewissheiten weg, während neue Abhängigkeiten von Flüssiggas (LNG) aus den USA oder Katar entstünden. Michael Zinkanell, Direktor des Austria Instituts für Europa- und Sicherheitspolitik, betonte: "Es gibt keine Sicherheit ohne Energiesicherheit." Energie werde zunehmend als geopolitisches Druckmittel genutzt. "Je weniger fossile Energie wir importieren müssen, vor allem aus Russland - aber auch aus den USA - desto weniger leicht sind wir erpressbar", so Zinkanell.

Die Branche argumentiert zudem mit den volkswirtschaftlichen Kosten. Österreich gebe derzeit jährlich rund 3 Mrd. Euro für Gasimporte aus. Für Franz Angerer von der Österreichischen Energieagentur steigt der Druck, den Wandel rasch zu vollziehen. "Die Zeit des vermeintlich billigen Pipelinegases ist vorbei", so Angerer. Die sofortige Umsetzung der baureifen Windkraftprojekte könne den nächsten Gaswinter abfedern.