++ ARCHIVBILD ++ Experten halten weitere Preisanstiege bei Gas für möglich © APA - Austria Presse Agentur
Ein Produktionsstillstand für Flüssigerdgas in Katar hat den europäischen Gaspreis Montagmittag weiter steigen lassen. Bereits in der Früh hatte die Furcht vor Versorgungsengpässen wegen des Iran-Krieges und der Einschränkung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormuz, einem Nadelöhr für Öl- und Gastransporte, die Gasnotierungen nach oben schnellen lassen. Am frühen Nachmittag wurde bekannt, dass die Produktion von Flüssigerdgas und verwandten Produkten eingestellt wurde.
Das geschah aufgrund eines Angriffs auf die Anlagen von QatarEnergy in der Industriezone Ras Laffan und im Industriegebiet Mesaieed, teilte die staatliche katarische Nachrichtenagentur Qatar News Agency via X mit. An der Börse in Amsterdam zog daraufhin der Preis für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung im Mai auf zuletzt 45,32 Euro je Megawattstunde (MWh) an.
Das sind etwa 44 Prozent mehr als am Freitag. Eigentlich sollte Katar ab 2026 reichlich Erdgas nach Deutschland liefern, auch wenn es hierbei zuletzt einige Unstimmigkeiten gab. Aktuell sind die deutschen Gasspeicher nach dem kalten Winter deutlich weniger gefüllt als vor einem Jahr zum gleichen Zeitpunkt.
Am Wochenende hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer des Landes Ayatollah Ali Khamenei getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte außerdem den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz ein, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels.
Weitere Preisanstiege möglich
Marktbeobachter sehen das Risiko weiterer Preisanstiege und halten Dimensionen wie damals beim Einmarsch Russlands in die Ukraine für möglich, falls der Konflikt länger andauert und weiter eskaliert. Zwar wird ein Großteil des Erdgases aus der Region am Persischen Golf nach Asien geliefert. Eine Unterbrechung der Lieferungen von Flüssiggas durch die Straße von Hormuz dürfte aber den Wettbewerb um alternative Bezugsquellen verschärfen und die Preise weltweit, auch in Europa, in die Höhe treiben.
In Europa sind die Gasvorräte nach dem Winter vergleichsweise niedrig, und die Region muss in diesem Sommer große Mengen an Flüssiggas importieren, um sie vor dem nächsten Winter wieder aufzufüllen. Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs wollen einen weiteren Anstieg des Gaspreises nicht ausschließen. Sollte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz für einen Monat eingestellt werden, könnte sich der europäische Gaspreis nach Einschätzung von Goldman Sachs mehr als verdoppeln.