++ ARCHIVBILD ++ LNG-Tanker in Deutschland, von wo aus auch Gas nach Österreich fließt © APA - Austria Presse Agentur
Am Dienstag hat in Wien die neue "Taskforce Versorgungssicherheit" getagt, die am Montag im Gefolge des Iran-Krieges beim Wirtschaftsministerium eingerichtet worden ist. Die Versorgungssicherheit ist demnach sowohl bei Gas als auch bei Öl "gegeben", die Preisentwicklung werde weiter beobachtet, hieß es danach vom zuständigen Minister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Gremiumsmitglied, Wifo-Ökonom Harald Oberhofer. Die Taskforce treffe sich täglich zur neuen Lagebewertung.
Der Einrichtung gehören auch die E-Control und das Lieferketteninstitut ASCII an. 18 Indikatoren werden bei jeder Sitzung analysiert. Daraus werden Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung abgeleitet, so Hattmannsdorfer, der insgesamt um Beruhigung bemüht war. Man dürfe sich "nicht von kurzfristigen Volatilitäten treiben lassen". Die aktuellen Preisausschläge lägen auch "in der Natur der Märkte", sagte Oberhofer.
Mehrfach betonten der Politiker und auch Oberhofer beim Pressegespräch, dass die aktuellen Preisausschläge bei Öl und Gas bisher keineswegs an Anstiege der vergangenen drei Jahre heranreichen, dass sich die Lage auch recht rasch wieder beruhigen könne. Denn kein Staat der Welt, weder die gegen den Iran kriegsführenden USA noch das Hauptabnehmerland der islamischen Republik, China, habe Interesse an einer volatilen, hohen Preislage für Energie.
Mögliche Auswirkungen auf heimische Inflation
Aber: "Wie sich das alles entwickelt, wird man erst in den nächsten Wochen beurteilen können", sagte Hattmannsdorfer etwa angesprochen aufs hiesige Inflationsziel von 2 Prozent, das zuletzt im Jänner erstmals seit vielen Monaten erreicht wurde (Februar vorläufig 2,2 Prozent). Oberhofer rechnete auf Nachfrage vor: Nehme man einen Preis für ein Barrel Rohöl von 90 bis 110 Dollar über sechs Wochen an, so liefere dies einen Beitrag zur Inflation in Österreich von 0,2 bis 0,3 Punkten.
Sollte der Iran Energieinfrastruktur in arabischen Ländern relevant treffen, die er als Revanche derzeit beschießt, dann sinke das globale Angebot, so Oberhofer. Weniger Angebot bedeutet höhere Preise. Im weltweiten Vergleich sei die iranische Produktion alleine weniger relevant.
Zugleich sei der Iran kein bedeutender Lieferant für Österreich. Auch beim Flüssiggas LNG sei der Hauptlieferant mittlerweile die USA. Laut Hattmannsdorfer seien zuletzt nur etwa 15 Prozent des LNG, das in die Alpenrepublik gelangt, aus Katar durch die Straße von Hormuz verschifft worden. Der Politiker sprach auch davon, dass die Spritpreise an den heimischen Zapfsäulen beobachtet würden.
Strategische Reserven
Er betonte, dass Österreich über ausreichende strategische Reserven bei Gas und Öl verfüge, die es andernorts nicht gebe und warnte vor "falschem Alarmismus, dass Börsen reagieren ist klar". Zudem sei die Lage auch nicht mit jener vergleichbar, als Russland in die Ukraine einmarschierte und Österreich sehr abhängig vom russischen Gas war. Nun sei man "diversifiziert aufgestellt".
Beim Gas betrage die Reserve 20 TWh, dazu kämen "dann auch noch Reserven für Gaskraftwerke", so Hattmannsdorfer. Das ist Gas für etwa zwei sehr kalte Wintermonate. Beim Öl belaufe sich die Notstandsreserve auf 2,65 Mio. Tonnen Erdöleinheiten oder ein Viertel des Jahresbedarfs. "Die aktuelle Situation veranlasst nicht, dass Reserven eingesetzt werden", sagte der Wirtschaftsminister.
Preisrelationen
Wifo-Forscher Oberhofer verwies auf die Relationen bei den Preisen. Ein Barrel Brent kostete am Dienstagvormittag 82 Dollar und damit gleich viel wie im Jänner 2025. Im Vorjahr gab es Rückgänge, jetzt sei man wo man vor einem Jahr stand. Nachdem Russland die Ukraine überfiel, waren es im Mai 2022 120 Dollar je Barrel gewesen.
Energiepreiseingriff nicht in Sicht
Einen Grund, hierzulande in die Preise einzugreifen, sieht Hattmannsdorfer aktuell nicht. Der Energiekrisenmechanismus werde auf Basis seiner Regeln aktiviert - und da braucht es monatelange preisliche Verwerfungen und Überschreitungen von Grenzwerten, die sich auch auf die Endkunden auswirken. Im Fall des Falles sei ein Strompreis von 10 Cent je KWh vorgesehen.