++ ARCHIVBILD ++ Die Menschen kaufen gezielter ein © APA - Austria Presse Agentur
Jeder dritte Euro, der hierzulande für Lebensmittel ausgegeben wird, fließt mittlerweile in Rabattware. Angesichts steigender Preise bzw. höherer Lebenshaltungskosten suchen immer mehr Menschen "bewusst die Aktion", so AMA-Marketing-Chefin Christina Mutenthaler-Sipek bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Außerdem "überlegen sich Konsumenten genau, was sie brauchen, Spontankäufe nehmen ab". Qualität und Herkunft würden dabei dennoch nicht an Bedeutung verlieren.
Laut aktuellen Daten der AMA-Marketing gaben die Österreicherinnen und Österreicher im ersten Halbjahr generell weniger Geld für Lebensmittel aus. Im Vergleich zur Vorjahresperiode sanken die Ausgaben um 3,2 Prozent, mengenmäßig gab es einen Rückgang von 4,6 Prozent. Insbesondere Familien mit Kindern achten demnach verstärkt auf ihr Haushaltsbudget. Im gesamten von der AMA-Marketing erhobenen Warenkorb stiegen die Ausgaben für Aktionsware von 33,4 Prozent auf 34,3 Prozent, bei Fleisch und Wurst ist der Anteil an den Gesamtausgaben für Lebensmittel mit über 40 Prozent besonders hoch.
Menschen kaufen bewusster ein, Bio-Anteil hoch
Die Gründe für den verstärkten Fokus auf Rabatte liegen laut Mutenthaler-Sipek nicht nur in knapperen Kassen. Generell kauften die Menschen bewusster und gezielter ein. Das zeige sich darin, dass sie flexibler würden und bereit seien, unterschiedliche Supermärkte für ihren täglichen Bedarf aufzusuchen, wie die Erhebung zum Einkaufsverhalten ergeben habe. Außerdem steige das Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung, was auch den Handel immer mehr dazu bewege, Produkte in Aktion anzubieten. Und: Der Bio-Anteil im Lebensmittelhandel war mit 12,6 Prozent in der ersten Jahreshälfte weiterhin hoch - für die AMA-Marketing-Chefin ein Zeichen, dass "gesunde Ernährung und regionale Herkunft den Menschen trotz der Preise weiterhin wichtig sind".
Klara Fichtenbauer vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov ortet eine "scheinbare Diskrepanz" bzw. einen scheinbaren "Zwiespalt zwischen Preispragmatismus und dem Bedürfnis nach Genuss". So führe die wirtschaftliche Dauerkrise dazu, dass die Menschen sehr genau darauf achteten, was sie kaufen, und nur jene Käufe tätigten, die notwendig seien, was sich in den geringeren Kaufmengen zeige. Durch genaue Planung via Einkaufslisten und damit einhergehend weniger Spontankäufen stehe das aber nicht zwangsläufig im Widerspruch zum Wunsch, zu genießen und qualitativ hochwertige Ware zu kaufen, so Fichtenbauer.
Es geht nicht nur um den Preis
Ähnlich sieht das Micaela Schantl von der AMA-Marketing. Preise und Angebote seien naturgemäß ein wesentlicher Treiber für das Einkaufsverhalten. Es drehe sich aber nicht alles nur um Preise, selbst wenn diese aufgrund des Iran-Kriegs unlängst gestiegen seien. Vielmehr stellten sich die Menschen die Frage, wo sie sparen könnten, um nicht eine geringere Qualität kaufen zu müssen, meinte die Marktforscherin mit Verweis auf den hohen bzw. stabilen Bio-Anteil.
Die Senkung der Mehrwertsteuer für bestimmte Lebensmittel ab Juli ist in den AMA-Marketing-Daten noch nicht enthalten. Ob das Einfluss auf das Kaufverhalten nehme, können sie daher noch nicht sagen, so Mutenthaler-Sipek. Mit wesentlichen Verschiebungen aufgrund der Senkung sei allerdings nicht zu rechnen.