Die Beratungen sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden © APA - Austria Presse Agentur

Mit Blick auf die mögliche Freigabe von Teilen der nationalen Ölreserven wegen des Iran-Kriegs wurde nach französischer Darstellung noch keine Entscheidung getroffen. "Soweit sind wir noch nicht", sagte Frankreichs Finanzminister Roland Lescure in Brüssel nach einem Gespräch der Finanzminister der G7-Länder. "Worauf wir uns geeinigt haben, ist, wenn nötig alle notwendigen Mittel zu nutzen, um den Markt zu stabilisieren - die mögliche Freigabe von Reserven eingeschlossen."

Laut französischem Finanzminister wird die Arbeit in den kommenden Tagen fortgeführt. Man werde die Situation genau beobachten. Bei dem Gespräch der G7-Gruppe führender westlicher Industriestaaten war auch der Chef der Internationalen Energieagentur IEA, Fatih Birol, anwesend. Die IEA teilte mit, sie habe über die sich verschlechternden Bedingungen auf den globalen Ölmärkten berichtet. Man habe über alle vorhandenen Optionen gesprochen, auch über die Freigabe von Ölreserven. Die 32 IEA-Mitgliedsländer verfügten über 1,2 Mrd. Barrel Notreserven Öl. Hinzu kämen 600 Mio. Barrel Industrievorräte.

Freigabe von Reserven seltenes Mittel

Ihre strategischen Ölreserven geben Volkswirtschaften jeweils in Krisensituationen frei, um den Ölmarkt zu stabilisieren oder auf Versorgungsengpässe zu reagieren. Zu diesem Mittel wird selten gegriffen. Das Treffen fand laut einem Bericht der "Financial Times" vor dem Hintergrund des Drucks auf US-Präsident Donald Trump statt, den steilen Anstieg des Rohölpreises seit Kriegsbeginn zu stoppen. Der durchschnittliche Benzinpreis in den USA ist zuletzt deutlich gestiegen.

Der Ölpreis hatte am Montag im frühen Handel seinen Höhenflug wegen der sich weiter verschärfenden Lage im Nahen Osten fortgesetzt. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordsee-Sorte Brent stieg in der Nacht um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar (103,80 Euro). Im Laufe des Tages stabilisierten sich die Preise aber wieder etwas.

EU: Hohe Energiepreise machen uns mehr Sorgen als Versorgung

Die EU-Mitgliedstaaten verfügen trotz der durch den Krieg im Nahen Osten unterbrochenen Lieferketten über ausreichende Öl- und Gasvorräte, wie die EU-Kommission mitteilte. "Wir sind weit weniger besorgt über die Versorgungssicherheit als über die hohen Energiepreise", sagt EU-Kommissionssprecherin Anna-Kaisa Itkonen vor Journalisten in Brüssel. Die EU-Mitglieder verfügten über Ölvorräte oder Äquivalente, die bis zu 90 Tage reichen würden, und es gebe keine Anzeichen für eine Notsituation.