OECD: Geopolitische Unsicherheiten verlangsamen Arbeitsmarkterholung © APA - Austria Presse Agentur
Die Industriestaatenorganisation (OECD) sieht für die Arbeitsmärkte der 38 Mitgliedsländer "neue Anzeichen für eine Abschwächung": Die Arbeitslosigkeit sei leicht gestiegen, die Beschäftigungsentwicklung habe sich abgeflacht und der strukturelle Arbeitskräftemangel bestehe weiterhin, schreibt die OECD in ihrem am Dienstag veröffentlichten jährlichen Beschäftigungsausblick. Weiters seien junge Berufseinsteiger zunehmend von Arbeitslosigkeit betroffen.
In vielen OECD-Ländern konnte die Gehalts- und Lohnentwicklung in den vergangenen Jahren nicht mit der Inflation Schritt halten. Der inflationsbereinigte Arbeitslohn (Reallohn) lag in einem Drittel der OECD-Länder immer noch unter dem Niveau von Anfang 2021, im Jahr 2022 gab es dann die Rekordinflation. Um die Reallohnentwicklung zu verbessern, müsse man "die Arbeitsproduktivität durch eine bessere Bildungspolitik, Weiterbildungsangebote für Erwachsene, berufliche Mobilität und den Einsatz neuer Technologien zu steigern", so OECD-Generalsekretär Mathias Cormann.
Reallöhne in OECD-Ländern stiegen seit 2021 um 1,2 Prozent
Im Median stiegen die Reallöhne in den OECD-Ländern im Zeitraum 1. Quartal 2021 bis 1. Quartal 2026 um 1,2 Prozent, in Deutschland um 0,9 Prozent und in Österreich um 2,6 Prozent. Rückläufig waren die inflationsbereinigten Arbeitslöhne etwa in Italien (-6,1 Prozent).
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet, dass geopolitische Unsicherheiten, hohe Zollsätze und erhöhte Energiekosten die Inflation erhöhen und damit die Erholung der Arbeitsmärkte sowie der Löhne weiter verlangsamen.
Die Industriestaatenorganisation ortet große regionale Beschäftigungsunterschiede in den Mitgliedstaaten. Der Wohnort bestimme die Beschäftigungsmöglichkeiten und den Lebensstandard, heißt es im Bericht. In mehr als der Hälfte der OECD-Staaten können die Beschäftigungsquoten je nach Region um mehr als 20 Prozentpunkte voneinander abweichen. Nur wenige Menschen würden von Regionen mit niedriger Beschäftigung in Gegenden mit besseren Arbeitsmarktaussichten umziehen.