OMV steigert Gasproduktion in Österreich © APA - Austria Presse Agentur
Der Öl- und Gaskonzern OMV hat am Montag im niederösterreichischen Wittau offiziell mit der Förderung von Erdgas begonnen. Das Vorkommen östlich von Wien gilt mit geschätzten 48 Terawattstunden (TWh) als das bedeutendste des Landes seit vier Jahrzehnten. Das Projekt soll die heimische Gasproduktion stärken und in der ersten Phase den Bedarf von rund 100.000 Haushalten decken und die Eigenversorgung mit Erdgas in Österreich auf 10 Prozent steigern.
Vertreter aus Politik und Wirtschaft lobten die Erschließung des Gasvorkommens als zentralen Schritt zur Reduktion der Importabhängigkeit. In der ersten Phase sollen über zehn Jahre 11 Terawattstunden (TWh) Gas für Österreichs Versorgung gefördert werden.
OMV-Generaldirektor Alfred Stern betonte bei der Eröffnungszeremonie die Relevanz des Projekts für den Standort: "Heimische konventionelle Gasproduktion ist kein Widerspruch zur Dekarbonisierung. Sie ist ein Signal für den Standort Österreich. Eine funktionierende Energie- und Wärmewende braucht Verlässlichkeit, Planbarkeit und stabile Übergangslösungen". OMV-Vorstand Berislav Gašo verwies auf die schnelle Realisierung des 150 Mio. Euro teuren Projekts nach dem Fund 2023: "Wittau ist kein abstraktes Zukunftsversprechen. Wittau zeigt, was möglich ist, wenn Strategie und Umsetzung zusammenkommen."
Stocker: Verbot der CO2-Speicherung aufheben
Für Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat das Gasfeld strategische Bedeutung. Es sei besser, "österreichische Ressourcen unter österreichischen Umwelt- und Sozialstandards" zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen, "als dass wir neue Abhängigkeiten gegenüber wem immer aufbauen". Zudem forderte der Kanzler einen offeneren Umgang mit neuen Technologien: "Ich halte es auch für richtig, das Verbot der Speicherung von CO2 endlich aufzuheben. Wer Industrieproduktion und Wertschöpfung in Österreich behalten will, darf Zukunftstechnologien nicht ideologisch blockieren."
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sah in dem Förderstart ein wichtiges Signal für die Wettbewerbsfähigkeit der Republik und die in der neuen Industriestrategie formulierten Ziele: "Wir wollen wieder aufsteigen zu den Top 10 Industrienationen dieser Welt. Wir haben den ganz klaren Anspruch, wir wollen den BIP-Anteil der Industrie von 16 Prozent wieder auf 20 Prozent steigern". Dafür sei die Preisstabilität von Energie und die Verdopplung der heimischen Gasversorgung durch Projekte wie Wittau eine Grundvoraussetzung.
Auch die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) forderte in der Energiepolitik "Verantwortungssinn", "Realitätssinn" und "Verlässlichkeit". "Solange wir Gas brauchen, ist es besser, es heimisch zu fördern, als die Abhängigkeit vom Ausland zu erhöhen", erklärte die Landeshauptfrau. Das Feld im Marchfeld soll die inländische Gasproduktion der OMV um 50 Prozent steigern und den Anteil an der gesamten Eigenversorgung Österreichs im Endausbau auf bis zu 14 Prozent anheben.
Kritik von Greenpeace
Anders sieht das die Umweltschutz-Organisation Greenpeace, die die Nutzung von Erdgas prinzipiell ablehnt. "Statt in dringend benötigten Klimaschutz investiert die OMV lieber in den Ausbau ihres klimaschädlichen Öl- und Gasgeschäfts", kritisierte Marc Dengler von Greenpeace Österreich laut Mitteilung. Das sprengt nicht nur das hauseigene Klimaziel, sondern lässt auch Österreichs Klimaneutralität in weite Ferne rücken. Nur mit Erneuerbaren kann unsere Energieversorgung langfristig unabhängig, sicher und krisenfest werden..