ÖBB-Zug "in motion" © APA - Austria Presse Agentur
Der Rechnungshof (RH) hat die ÖBB auf Angebots-, Flotten und Personalplanung geprüft. So gibt es mehr Angebot, Fahrgäste und Züge - aber trotzdem zu wenige Garnituren und auch mehr Mängel. Das geplante Angebot sei vielfach nur bei geringer Auslastung bei den Fahrgästen angekommen. Der RH empfiehlt bessere Planung. Die ÖBB verwiesen gegenüber der APA auf "Belastungsspitzen", wollen Kritikpunkte "gezielt adressieren". Die Pünktlichkeit erreichte 2024 den Wert von 93,6 Prozent.
Dieser Anteil pünktlicher Züge nach nah und fern entspricht laut RH einem Tiefstand gegenüber dem Planwert von 95,8 Prozent. Besonders stark waren die Zielabweichungen im Fernverkehr: 2024 sollte die Pünktlichkeit laut Plan 86,2 Prozent betragen, erreicht wurden 78,2 Prozent. Die Gründe dafür waren etwa ein sprunghafter Anstieg unpünktlicher Zugübergaben durch die Nachbarbahnen wie vor allem der kriselnden Deutschen Bundesbahn (DB), Baustellen, überfüllte Züge, Fahrzeugstörungen oder externe Ursachen wie etwa Unwetter.
Besserung im Fernverkehr wohl erst 2030
Trotz Gegensteuerungsmaßnahmen rechnete die ÖBB-Personenverkehr AG im Fernverkehr erst mittelfristig bis 2030 damit, dass sich die Zuverlässigkeit nachhaltig bessert. Zur Unpünktlichkeit im Nahverkehr trug hauptsächlich die Wiener S-Bahn-Stammstrecke bei - hauptsächlich wegen Materialmangels. Die Zuverlässigkeit der hiesigen Staatsbahn und Belastbarkeit der Fahrpläne in der Praxis litt auch unter einer eingeschränkten Verfügbarkeit der Züge, so der RH. 2024 fehlten wegen Lieferausfällen und Lieferverzögerungen im Nah- und Regionalverkehr über 80 Neufahrzeuge gegenüber der ursprünglichen Planung aus dem Jahr 2019. Die Angebotskilometer stiegen trotzdem kräftig.
ÖBB wollen nicht zu optimistisch geplant haben
Die ÖBB verwiesen auf "Belastungsspitzen", zu optimistisch geplant habe man aber nicht, wie das der Rechnungshof meint. "Grundlage der Angebotsplanung war stets die tatsächlich verfügbare Flotte." Es sei aber "in den vergangenen Jahren ist es bedauerlicherweise tatsächlich zu Einbußen gekommen, insbesondere durch pandemiebedingte Lieferverzögerungen, globale Lieferkettenstörungen, extreme Wetterereignisse und einen unerwartet raschen Nachfrageanstieg ab 2022". Diese "außergewöhnlichen Rahmenbedingungen" hätten sich schlussendlich so ausgewirkt, dass diese "auch unsere Fahrgäste gespürt haben. Dafür haben wir uns im Anlassfall entschuldigt und gleichzeitig umfassende Gegenmaßnahmen eingeleitet, um die gewohnten Qualitätsstandards so rasch wie möglich wiederherzustellen."
"Die vom Rechnungshof kritisierten Qualitätsmängel werden gezielt adressiert", hieß es in einer Reaktion der ÖBB gegenüber der APA. Die Pünktlichkeit sei im ersten Halbjahr 2025 wieder besser gewesen und sei bei rund 95 Prozent gelegen. Auch Sauberkeit, Schadenfreiheit und Fahrgastinformation würden systematisch verbessert. Unter anderem gebe es zusätzliche Kleinreparaturen, eine zentrale Mängeldatenbank sowie eine Harmonisierung von App, Bahnsteiganzeigen und Durchsagen. "Dass unser Beschwerdemanagement seit Jahren die Zielwerte erfüllt, zeigt zudem, dass Rückmeldungen der Fahrgäste direkt in Verbesserungen einfließen." Zudem verwies das Unternehmen auf die laufende Flottenoffensive und erinnerte daran, dass bis 2030 6,1 Mrd. Euro in neues Rollmaterial fließen.
Massive Angebotsausweitung
Die untersuchte ÖBB-Personenverkehr AG hat die Aufgabe, Verkehrsdienstleistungen auf der Schiene im Auftrag des Bundes und der Länder abzuwickeln. Sie erweiterte im überprüften Zeitraum 2019 bis 2024 das geplante Verkehrsangebot um 19 Prozent von 103,61 Millionen Angebotskilometern auf 123,80 Millionen. Durchschnittlich fuhren über 5.000 Züge an Werktagen. Die Anzahl der Fahrgäste erhöhte sich im selben Zeitraum um zwölf Prozent von 266,6 auf 298,6 Millionen. In zehn Jahren, von 2014 bis 2024, stieg die Zahl der Fahrgäste um 27 Prozent.
Viel mehr Ausfälle
Der Rechnungshof bemängelt auch die Zunahme von Zugausfällen, die die ÖBB im Kontext der genannten außergewöhnlichen Belastungen samt der ausgeweiteten Verkehrsleistung gesehen wissen will. Von 2019 bis 2024 haben sich die Totalausfälle mehr als verfünffacht (plus 446 Prozent) - 2024 fielen 22.183 Züge aus. Personalbedingte Zugausfälle waren im Vergleich zur gesamten Anzahl der Zugfahrten gering: Im Jahr 2023 standen den mehr als 1,8 Millionen Zugfahrten der ÖBB-Personenverkehr AG 1.174 personalbedingte Zugausfälle gegenüber.
Empfehlungen des Rechnungshofs an ÖBB und Politik
Angesichts der negativen Auswirkungen von Verspätungen und Zugausfällen auf die Fahrgäste empfiehlt der Rechnungshof den ÖBB, ein Angebot zu planen, das die Leistungsfähigkeit aller an der Leistungserbringung beteiligten Gesellschaften des gesamten Konzerns berücksichtigt. Bis 2024 seien Störungen "mangels geeigneter Simulations- und Planungstools nur näherungsweise in den Planungsprozess eingeflossen". Also, so der RH: "Das Angebot soll auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Flotte abgestimmt werden, um die für die vereinbarte Qualität der Leistungserbringung notwendige Verfügbarkeit der Fahrzeuge sicherzustellen."
Dem Infrastrukturministerium, zu dem die ÖBB ressortieren, empfiehlt der RH unter anderem einen raschen Beschluss zum "Zielnetz 2040". Es gehe um die Grundlage für das zukünftig von Eisenbahnverkehrsunternehmen bereitzustellende Personenverkehrsangebot.