Vor allem die Bauwirtschaft steckt in der Krise © APA - Austria Presse Agentur

Die kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) des Landes kommen trotz erster Erholungszeichen nicht aus der Krise. Zwar habe sich das Geschäftsklima-Barometer leicht verbessert, ein "nachhaltiger Aufschwung" sei jedoch bisher ausgeblieben und die "aktuelle Geschäftslage wird weiterhin überwiegend negativ beurteilt", heißt es in der Frühjahrsstudie des Gläubigerschutzverbands Creditreform. Auch in die Zukunft blickt die Mehrheit der 1.400 befragten Unternehmen pessimistisch.

"Die österreichische Wirtschaft befindet sich in einer Phase der fragilen Stabilisierung. Zwar sind erste Erholungszeichen erkennbar, doch dominiert weiterhin die Unsicherheit - insbesondere aufgrund des Nahostkonflikts und steigender Energiepreise", stellt Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer laut Aussendung fest. "Die erhoffte konjunkturelle Trendwende lässt weiter auf sich warten."

Sinkende Aufträge und Umsätze

Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen berichtete von sinkenden Auftragsbeständen, lediglich rund 14 Prozent meldeten Zuwächse. Auch für die kommenden Monate erwarten die Betriebe kaum Besserung: Mit steigenden Auftragseingängen rechnen lediglich 17,3 Prozent, mit Rückgängen 21,3 Prozent. "Nur im Dienstleistungssektor überwiegen mehrheitlich steigende Auftragserwartungen", heißt es weiter.

Zudem verzeichneten nur knapp 15 Prozent der Unternehmen Umsatzsteigerungen - ein im "historischen Vergleich niedriger Wert" -, während mehr als ein Drittel Umsatzeinbußen meldete. Im nächsten halben Jahr rechnen 19,6 Prozent im Mittelstand mit steigenden Umsätzen, 21,3 Prozent erwarten einen Rückgang - im Vorjahr waren es noch rund 30 Prozent. Besonders im Handel und Dienstleistungssektor überwiegen mittlerweile die positiven Erwartungen, im Bau und verarbeitenden Gewerbe hingegen die negativen.

Inflation und Stellenabbau

Die Inflation dürfte unterdessen wieder an Fahrt gewinnen: Rund 22 Prozent der mittelständischen Unternehmen planen Preiserhöhungen - ein Anstieg gegenüber den 19,1 Prozent im Vorjahr. Die gestiegenen Rohstoffkosten könnten die Inflationsrate erneut über die Zielmarke der Europäischen Zentralbank von rund zwei Prozent treiben.

Bei der Personalplanung ist weiterhin nicht mit steigenden Beschäftigtenzahlen zu rechnen. Während 13,1 Prozent der befragten Unternehmen einen Personalaufbau planen, beabsichtigen 16,3 Prozent weiterhin Stellenabbau. "Die verhaltenen Konjunkturaussichten bleiben ein wesentliches Hemmnis für eine stärkere Personalnachfrage", erklärt Weinhofer.

Kaum Investitionen

Ebenfalls zurückhaltend zeigte sich der Mittelstand bei Investitionen. Nur 30,9 Prozent der befragten Betriebe planen laut Studie Investitionen - deutlich weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und der zweitschlechteste Wert seit 1996. "Zwei Drittel davon planen aber nur Ersatzinvestitionen", heißt es weiter. Von dem Rückgang ist vor allem die Bauwirtschaft betroffen.

Als wichtigste wirtschaftspolitische Themen nennt der Mittelstand den Bürokratieabbau (79 Prozent), gefolgt von den Energiekosten (64,2 Prozent) und dem Fachkräftemangel (59,8 Prozent). Auch die Inflation wird zunehmend als zentrales Problem wahrgenommen, wobei 56,8 Prozent der Unternehmen verstärkt wirtschaftspolitisches Handeln fordern.