Das Stahlwerk in Duisburg könnte an indische Jindal gehen © APA - Austria Presse Agentur
Thyssenkrupp könnte seine Stahlsparte Insidern zufolge in mehreren Schritten an Jindal Steel International aus Indien verkaufen. Beide Seiten ringen eine praktikable Lösung für das komplexe Geschäft, sagten drei mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. In einem ersten Schritt könnte Jindal 60 Prozent an Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) übernehmen. Abhängig vom Sanierungsfortschritt könnten später zwei weitere Tranchen von je 20 Prozent folgen.
Eine andere Person sprach von zwei Stufen - 60 und 40 Prozent. Eine solche Transaktion könnte es der deutschen Thyssenkrupp ermöglichen, die Absicherung von Pensionslasten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zu strecken, sagte eine der Personen. Diese seien bei früheren Verkaufsversuchen ein großes Hindernis gewesen. Die Prüfung der Bücher laufe jedoch noch, die Details einer möglichen Vereinbarung könnten sich noch ändern.
Thyssenkrupp erklärte, vertrauliche Gespräche mit Jindal Steel International und den Arbeitnehmervertretern über einen möglichen Verkauf der Stahlsparte zu führen. "Alle relevanten Parameter – einschließlich Bewertung, Verpflichtungen und künftiger Investitionen – werden im laufenden Due-Diligence-Prozess sowie in etwaigen Vertragsverhandlungen direkt zwischen den Parteien adressiert." Zu einzelnen Aussagen, die zum jetzigen Zeitpunkt lediglich einen Zwischenstand darstellen könnten, werde sich der Konzern nicht äußern. Von Jindal Steel International war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Delegation aus Indien kommt zu Begutachtung nach Deutschland
Die Inder nehmen Europas zweitgrößten Stahlhersteller seit Oktober unter die Lupe. Zuvor hatte das Unternehmen ein unverbindliches Angebot für Thyssenkrupp Steel Europe vorgelegt. Einer der Insider sagte, eine Delegation von Jindal werde im Jänner zu einer technischen Bewertung des Duisburger Werks in Deutschland erwartet. Thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez hatte im vergangenen Monat gesagt, Jindal sei ein optimaler Partner für TKSE. Ein weitreichender Sanierungsplan mit Stellen- und Kapazitätsabbau sei der Grund für das Interesse des indischen Unternehmens gewesen. Lopez hatte damals zudem erklärt, Thyssenkrupp habe einen Plan B für den Fall eines Scheiterns der Gespräche mit Jindal.