An der Werksschließung dürfte kein Weg vorbeiführen © APA - Austria Presse Agentur
Nachdem sich die belgische Ardo-Gruppe in einem Antwortbrief an die Bundesregierung zu einem Hilfs- und Subventionspaket ablehnend gezeigt hat, scheint das Aus für das Tiefkühlwerk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich besiegelt. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) möchte nun "eine Perspektive schaffen", für "die Bauern bis hin zu den Konsumenten", sagte der Ressortchef am Montag am Rande des Treffens der EU-Umweltministerinnen und -minister in Luxemburg.
Totschnig bezeichnete es als "sehr enttäuschend", dass der Iglo-Zulieferer Ardo das Angebot auf Unterstützung bzw. Übernahme des Werks in Groß-Enzersdorf ausgeschlagen habe. Bereits in der Vorwoche hatte das Unternehmen nach einem Treffen mit der Politik angekündigt, an der Schließungsentscheidung festhalten zu wollen. Es brauche einen "Schulterschluss" von Bauern, Verarbeitern und Konsumenten, betonte der Umweltminister. Gemeinsam mit der niederösterreichischen Landesregierung, allen Stakeholdern und den betroffenen Bauern müsse an einer Perspektive gearbeitet werden, alle sollten an einen Tisch geholt werden. Für finanzielle Hilfen für die Gemüsebäuerinnen und -bauern würden Möglichkeiten geprüft. "Es gibt Gespräche mit den verschiedensten Persönlichkeiten", hielt Totschnig zu Übernahmemöglichkeiten von Efko fest.
Totschnig: "Bei den Zahlen haben wir andere Einschätzungen"
Im übermittelten Schreiben erkannte Ardo zwar die Bemühungen von Bundes- und Landesregierung inklusive Hilfsangeboten an. Verwiesen wurde aber auch darauf, dass der Betrieb in Groß-Enzersdorf seit 2023 jährlich im Schnitt Verluste in Höhe von fünf Millionen Euro verursacht habe - dabei habe man seit der Übernahme des Werks 2008 an die 50 Mio. Euro in Groß-Enzersdorf investiert. "Bei den Zahlen haben wir andere Einschätzungen", hielt Totschnig am Montag fest. "Wir wollen heimisches Tiefkühlgemüse auch weiterhin anbieten können in Österreich."
Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Von der für Ende August 2027 geplanten Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Ardo hat 2025 in Niederösterreich eigenen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.
Iglo betonte am Montag auf APA-Anfrage, "aktiv nach Wegen" zu suchen, um die Verarbeitung von Marchfeld-Gemüse "so weit wie möglich in der Region aufrechtzuerhalten": "Erste Gespräche haben bereits stattgefunden." Die Billa-Mutter Rewe hob in einer schriftlichen Stellungnahme hervor, dass die Versorgung von Kundinnen und Kunden mit österreichischem Tiefkühlgemüse aktuell gesichert sei. "Gleichzeitig prüfen wir laufend neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit alternativen Lieferanten aus Österreich, um auch langfristig eine verlässliche und hochwertige Versorgung sicherzustellen."