Uniqa: Unwetter werden immer kleinteiliger und vehementer © APA - Austria Presse Agentur
Die UNIQA-Versicherung blickt auf ein operativ erfolgreiches erstes Halbjahr 2026 zurück. Dank eines zweistelligen Prämienwachstums und starker Finanzmärkte stieg das Ergebnis vor Steuern um 10,5 Prozent auf 327 Mio. Euro. Trotz des Gewinnsprungs zeigt sich CEO Andreas Brandstetter im APA-Gespräch für das zweite Halbjahr zurückhaltend. Grund dafür sind erwartete Marktvolatilitäten und bilanzielle Vorsorgen für mögliche schwere Unwetter im Herbst.
Obwohl die verrechneten Prämien konzernweit um 12,0 Prozent auf 4,9 Mrd. Euro kletterten, ging das gesamte versicherungstechnische Ergebnis um 4,9 Prozent auf 360 Mio. Euro zurück. Brandstetter führte den Rückgang unter anderem auf eine bilanzielle Vorsorge für mögliche Schäden in der zweiten Jahreshälfte zurück.
Dürreschäden und Vorsorge für Herbstunwetter
Von der extremen Hitze und den verheerenden Dürreschäden in der österreichischen Landwirtschaft ist die UNIQA hingegen finanziell nicht belastet. "Wir sind davon nicht direkt betroffen, weil wir die Deckungen, die Versicherungen, die eine Hagelversicherung der Landwirtschaft anbietet, nicht selber anbieten", stellte Brandstetter klar.
Indirekt spüre die UNIQA als größter Krankenversicherer des Landes die Hitzeperioden aber sehr wohl, da extreme Wetterereignisse die Gesundheit und die Arbeitsleistung der Menschen belasten würden.
Diese Klimarisiken und die Unsicherheit auf den Finanzmärkten sind auch der Grund für die betont vorsichtige Prognose für das Gesamtjahr 2026 von 540 bis 570 Mio. Euro vor Steuern, wovon zur Jahresmitte bereits knapp 60 Prozent erzielt wurden. "Es gibt zwei Gründe, warum wir hier vorsichtig sind", erklärte Brandstetter. Einerseits rechne man in der zweiten Jahreshälfte mit zunehmenden Volatilitäten auf den Kapitalmärkten. Andererseits würden historisch rund drei Viertel der wetterbedingten Schäden auf das zweite Halbjahr entfallen.
Brandstetter verwies auf das Jahr 2024, als erst im September der Sturm "Boris" späte Unwetterschäden und eine Nettobelastung von 80 Mio. Euro brachte: "Wir lernen, dass diese Unwetter immer kleinteiliger, immer vehementer werden."
Weiter hohe Nachfrage nach privater Krankenversicherung
Die Spartenverteilung der Prämieneinnahmen bei der UNIQA zeigt eine klare Struktur. "Wir haben ca. 60 Prozent ist Bereich Schaden/Unfall und dann je ca. 20 Prozent ist die Krankenversicherung und die Lebensversicherung", skizzierte der Konzernchef.
Die Krankenversicherung verzeichnete ein Prämienplus von 7,9 Prozent auf 875 Mio. Euro, während ihr Gewinn vor Steuern von 5 Mio. auf 24 Mio. Euro in die Höhe schnellte.
Neben dem klassischen Versicherungsgeschäft betreibt der Konzern auch sieben eigene Privatspitäler in Österreich und baut die Gesundheitsplattform Mavie im Bereich Telemedizin und Prävention weiter aus.
Bei der privaten Krankenversicherung verzeichne man in Österreich seit Jahren eine unverändert hohe Nachfrage, erklärte Brandstetter. "Die private Zusatzversicherung ist eines der stärksten nachgefragten Produkte in der österreichischen Versicherungswirtschaft generell."
Rund 40 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher seien inzwischen privat zusatzversichert. Damit sei das Produkt "längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen". Hauptmotive seien der Ärztemangel und die Sorge vor langen Wartezeiten im öffentlichen System, um im Akutfall "gleich dranzukommen", wobei sich die UNIQA als Ergänzung zum staatlichen System verstehe und nicht als Konkurrent.
Lebensversicherung mit stabiler Risikoabsicherung
In der Lebensversicherung stiegen die verrechneten Prämien im ersten Halbjahr inklusive der Sparanteile um 2,6 Prozent auf 886 Mio. Euro, während der Vorsteuergewinn der Sparte auf 126 Mio. Euro zulegte. "Wir sind im ersten Halbjahr um 2,6 Prozent gewachsen. In Österreich sind wir leicht gesunken, um etwa 4 Prozent, aber international dafür deutlich gewachsen", sagte der UNIQA-Chef.
Trotz Konkurrenz durch alternative Anlageformen wie ETFs betonte er die Stärke des Produkts: "Die Lebensversicherung hat Zukunft und wir sind mit diesem Wachstum von 2,6 Prozent zufrieden. Es gibt kein anderes Produkt, wo ich eine Risikoabsicherung so treffsicher kaufen kann."
Insgesamt verwaltet die UNIQA ein Anlagevolumen von 24 Mrd. Euro. "Davon sind mehr als 10 Prozent grün, also wirklich grün, mit einer steigenden Tendenz." Die Versicherungsbranche insgesamt sei der größte institutionelle Investor in ganz Europa. Über alle Sparten hinweg verwalte die europäische Versicherungswirtschaft rund 11 Billionen Euro an Vermögenswerten.
Polen als "Tiger" in Zentral- und Osteuropa
Die CEE-Region bleibt der wesentliche Wachstumstreiber der UNIQA-Gruppe. Während das Prämienwachstum im Heimatmarkt Österreich im ersten Halbjahr bei 4,2 Prozent lag, legte das internationale Geschäft um 6,9 Prozent zu. "Polen ist, wenn wir uns die BIP-Entwicklung anschauen, generell der Tiger, der Wachstumsmotor in Osteuropa", betonte Brandstetter. Die UNIQA hat "alleine in Polen fast 8 Millionen Kundinnen und Kunden" und bedient damit dort den kundenmäßig größten Markt, gefolgt von Österreich auf Platz zwei.
Das Aufholpotenzial sei nach wie vor enorm: Während in Österreich pro Kopf jährlich im Schnitt 2.300 Euro für Versicherungen ausgegeben würden, seien es in Polen lediglich rund 500 Euro.
Im ungarischen Kernmarkt hofft das Unternehmen mittelfristig weiterhin auf eine Entlastung bei den staatlichen Sondersteuern, die den Konzern jährlich einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag kosten.
Brandstetter berichtete von ersten Gesprächen mit Vertretern der neuen ungarischen Regierung von Peter Magyar: "Wir hatten die Gelegenheit, uns mit der neuen ungarischen Regierung auszutauschen und haben hier sehr viel Verständnis für unsere Themen vorgefunden, aber haben gleichzeitig auch erkannt, dass es wohl noch etwas dauern wird, bis die neue ungarische Regierung, die wir sehr schätzen, entsprechende Maßnahmen setzen wird. Also ganz offen gesagt, ob das kommt und falls ja, wann, das ist für mich zumindest derzeit nicht konkret absehbar."
Kapitalstärke und Dividendenpolitik
Mit einer regulatorischen Solvency-II-Kapitalquote von 271 Prozent verfügt die UNIQA, die insgesamt 18 Millionen Kunden in 14 Ländern Europas betreut, über ein robustes Kapitalfundament. An der Ausschüttungspolitik will Brandstetter festhalten. "Wir haben ja eine Philosophie oder eine Strategie, die wir kommuniziert haben, wo wir 50 bis 60 Prozent unserer Erträge auch an die Aktionäre ausschütten wollen." Die Ausschüttung an die Anteilseigner soll dabei weiterhin "auf Basis einer jährlich steigenden Dividende pro Aktie" erfolgen.