Durch den Krieg im Iran werden steigende Energiepreise befürchtet © APA - Austria Presse Agentur

Peter Weinelt, der Generaldirektor der Wiener Stadtwerke, sieht noch keine Anzeichen für steigende Energiepreise durch den Krieg im Iran. Er hält diese aber für möglich. "Wenn der Konflikt länger andauern sollte, ist es nicht auszuschließen, dass es zu gewissen Preiswellen kommen kann. Aber das werden wir erst sehen. Das ist noch viel zu früh", sagte er im Klub der Wirtschaftspublizisten. Kundinnen und Kunden der Wien Energie müssten sich noch keine Sorgen machen, befand er.

Die Mehrzahl davon habe eine einjährige Bindungsfrist, gab er zu bedenken. Hier liefere man zum vereinbarten Preis. "Wir haben entsprechend vorgesorgt, Gas eingespeichert, auch entsprechenden Strom eingekauft oder abgesichert", sagte der Stadtwerke-Chef. Bei Krisensituationen hänge das immer von der Intensität und Dauer ab. Derzeit sei die Versorgung aber nicht in Gefahr. "Also es ist natürlich viel passiert, das würde ich jetzt nicht kleinreden, aber wir haben überhaupt kein physikalisches Thema momentan."

Versorgung gesichert

Günstig sei auch, dass nun die wärmere Jahreszeit komme und der Gasverbrauch damit geringer sei. Die Gasspeicher seien zwischen 25 und 30 Prozent befüllt. "Das ist vollkommen normal für diese Jahreszeit." Weinelt verwies darauf, dass Katar zwar der zweitgrößte Lieferant für das Flüssiggas LNG ist, dieses aber vor allem nach Asien exportiert werde.

Europa sei inzwischen hier breiter aufgestellt. Der Hauptlieferant sei nicht mehr Russland, sondern die USA. "Wir werden die Lage jetzt genau beobachten und dann entsprechend handeln", versprach er. Man habe bereits eine Taskforce unter anderem mit Energiehändlern eingerichtet. Auch die Berichtsintervalle seien verdichtet worden.

Einen Krisenmechanismus samt Strompreisdeckelung auszulösen hält der Stadtwerke-Chef für nicht nötig, wie er versicherte. Die Situation würde dies noch nicht erfordern. "Das Wichtigste im Energiegeschäft ist die wirklich ruhige Hand und der kühle Verstand, um sachlich zu analysieren, was passiert."

Abhängigkeit von Gas soll reduziert werden

Der Ausbau erneuerbarer Energiequellen ist laut Weinelt jedenfalls wichtiger denn je. Er verwies hier unter anderem auf die Übernahme des Ökostrom-Anbieters ImWind. Es sei unerlässlich, sich aus der Abhängigkeit von Gas heraus zu investieren. Windenergie biete hier eine große Chance, da es auch ein regionales Produkt sei. Er erinnerte hier auch an das Jahr 2022, als nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine nicht nur die Preise gestiegen sind, wie er betonte. Auch die Versorgung selbst sei in Gefahr gewesen.

Dies habe ihn damals "sehr lange nicht schlafen lassen", verriet er. Denn die zentrale Frage sei gewesen: "Schaffen wir es, genug Gas nach Österreich zu bekommen, dass der Winter 22/23 funktioniert?" Funktioniert habe dies nicht zuletzt deswegen, weil der Winter sehr mild gewesen sei, erläuterte Weinelt.

In seiner Vision gebe es Nachfolgerinnen oder Nachfolger in den Stadtwerken, die so wie er am Wochenende eine Analyse aus der Energiewirtschaft erhalten, in der auch die Entwicklung des Gaspreises aufgelistet wird - und die sich dann denken: "Das ist mir wurscht."