Freiheit ohne Lock-in

NEW BUSINESS Guides - IT- & DIGITALISIERUNGS-GUIDE 2026
Dieter Ferner-Pandolfi, Country Manager Austria von Red Hat, freut sich mit seinen Kunden über den gemeinsamen Erfolg auf Basis von Open-Source-Lösungen ohne Vendor-Lock-in. © RNF

Red Hat Austria Country Manager Dieter Ferner-Pandolfi über den ­Siegeszug der Open Hybrid Cloud, darüber, warum digitale Souveränität nichts mit Kontinenten zu tun hat ...

... und wie das Unternehmen mit Open­Shift den Markt für KI und Virtualisierung in Österreich aufmischt.

Red Hat setzt auf ein klares Versprechen: Innovation ohne Vendor-Lock-in. Mit zweistelligen Wachstumsraten und einer engen Verzahnung mit dem Partner-Ökosystem zeigt der Open-Source-Pionier, dass Souveränität und Skalierbarkeit keine Gegensätze sind, sondern die Basis für den Geschäftserfolg von morgen. Im Gespräch erzählt Dieter ­Ferner-Pandolfi, Country Manager Austria bei Red Hat, wie Unternehmen durch Open Source ihre Unabhängigkeit bewahren und warum das Jahr 2026 im Zeichen von KI-Projekten und moderner Virtualisierung stehen wird.

KI, digitale Souveränität und Open Source – wie hängen diese Begriffe zusammen, und welche Rolle spielt Red Hat in diesem Zusammenhang?
Digitale Souveränität ist nicht nur im Public- oder Defense-Umfeld wichtig, sondern ein Kernthema der Hybrid Cloud. „Open Hybrid Cloud“, wie wir es nennen, bedeutet: Der Kunde wählt frei, ob er Workloads, Applikationen oder Portale On-Premise im eigenen Datacenter, bei einem Hyperscaler oder in einer reinen Public-Cloud-Strategie betreibt.

Es ist ein „Best of Breed“-Mix, um den maximalen Business-Value zu generieren. ­Sensible Kundendaten bleiben im eigenen Rechenzentrum, während man für kurzfristige Spitzen – etwa im E-Commerce vor Weihnachten – die Skalierbarkeit eines Public-Cloud-Anbieters nutzt. Diesen Weg verfolgen wir seit Jahren sehr erfolgreich mit unserer Plattform OpenShift.

Warum kommt das so gut an? Weil wir durch den Open-Source-Gedanken nur Projekte initiieren, die als Impuls vom Kunden kommen. Wir programmieren nicht im Geheimen, um Produkte dann mit viel Marketing in den Markt zu drücken. Wir wählen aus zehntausenden Open-Source-Projekten die besten aus, härten sie für Security sowie Compliance und bringen sie als fertige Lösung auf den Markt. Davon profitiert am Ende jeder, der vor ähnlichen Herausforderungen steht. 

Gerade bei der Souveränität ist Open ­Source spannend, weil wir seit 30 Jahren die Wahlfreiheit forcieren: kein Vendor-Lock-in, sondern Skalierbarkeit genau dort, wo der Kunde sie für seinen Business-Case braucht.

Wie sieht es in Österreich aus? Suchen Unternehmen nach Alternativen, um sich von Anbietern aus den USA oder China unabhängig zu machen?
Ich würde das Thema digitale Souveränität nicht auf Kontinente beschränken. Souveränität brauche ich auch gegenüber dem Mitbewerb im eigenen Land: Ich muss sicher sein, dass meine Daten schnell, sicher und exklusiv für mich verfügbar sind. Das gilt besonders für Artificial Intelligence. Wir bieten mit unseren Lösungen die Möglichkeit, Large Language Models gezielt einzusetzen – „abgespeckt“ und auf die Daten fokussiert, die der Kunde wirklich benötigt. Da das Modell bereits trainiert ist, benötigt das Customizing kaum Rechenkapazitäten. Unsere Technologie ermöglicht es sogar, KI-Lösungen von Red Hat mit guter Response-Time auf einem gewöhnlichen Laptop zu ­betreiben. Man ist also nicht zwingend auf die immense Rechenpower der Public Cloud angewiesen.

Im Vordergrund steht für die Unternehmen gar nicht so sehr die Distanzierung von globalen Hyperscalern, sondern viel mehr das volle ­Ausschöpfen der eigenen Möglichkeiten. Das Ziel ist es, On-Premise alles „hardened“, sicher und compliant im Zugriff zu haben. Egal ob physisch, gespiegelt oder virtualisiert: Man behält souverän die volle Kontrolle über die eigenen Daten. 

Gleichzeitig bietet das Open-Hybrid-Cloud-Szenario die Freiheit zu skalieren und alles zu nutzen, was die Welt an Hyperscalern bietet. So spart man einerseits Infrastrukturkosten und muss sich andererseits keine Sorgen um die Sicherheit beim Datentransfer machen, da die sensiblen Daten ohnehin im Haus bleiben.

Das heißt, die Souveränität besteht darin, als Unternehmer unabhängig zu bleiben, statt sich von bestimmten Anbietern abzugrenzen?
Korrekt. Es geht um die Wahlmöglichkeit, für den jeweiligen Business-Case exakt die richtige Lösung einsetzen zu können.

Sind die österreichischen Kunden tatsächlich hauptsächlich mit Hype-Themen wie KI oder digitaler Souveränität beschäftigt – oder gibt es grund­legendere „Hausaufgaben“?
Ja, Artificial Intelligence ist in aller Munde. Das Thema interessiert unsere Kunden nicht nur technologisch, sondern vor allem auch geschäftlich. Dieser Hype wird in den nächsten Jahren auch nicht verschwinden; es bleibt spannend. Es geht um Workforce-Management, People-­Relations, Data-Privacy und letztlich darum, schneller am Markt zu sein und effizienter zu arbeiten. Red Hat bietet dafür die passenden Plattformen. 

Ein weiteres wichtiges Thema ist die bereits besprochene Data-Sovereignty. Es ist entscheidend, den Kunden hier die nötige Wahlfreiheit zu lassen. Zusätzlich sehen wir einen massiven Bedarf bei der Modernisierung von Datacentern. Dieser wird oft nicht nur intrinsisch durch den ­Kunden, sondern auch durch politische Entscheidungen anderer Hersteller getrieben – ich nenne hier das Schlagwort Virtualisierung.

Red Hat OpenShift bietet eine Lösung, die sowohl Kubernetes und Containerisierung als auch Virtualisierung abdeckt. Wenn ein Unternehmen überlegt, seine bestehende Plattform zu verlassen, ist das die einzige realistische, ­professionelle Alternative. Gemeinsam mit unseren Partnern decken wir diese Szenarien perfekt ab – ergänzt durch Artificial Intelligence und unsere Automatisierungsplattform Ansible sowie das Portfolio von HashiCorp, einer Akquisition von IBM.

Apropos: Red Hat gehört seit einigen Jahren zur „großen Mutter“ IBM. ­Dennoch wirkt das Unternehmen nach wie vor sehr eigenständig. Wie ist das Gefühl innerhalb der Organisation: Hat sich viel verändert?
An unserem Approach, Open Source als Kultur für unsere Produkte, Kunden und Partner zu leben, hat sich überhaupt nichts geändert. Das möchte IBM auch gar nicht variieren. Wir agieren als eigenständige Company innerhalb der IBM-Gruppe. Wir führen alle Services, Support-Organisationen und die Entwicklung selbstständig unter der Marke Red Hat.

Natürlich bieten wir Plattformen an, die IBM für ihre Hybrid-Cloud-Strategie nutzt. Dabei arbeiten wir mit IBM als Partner zusammen – so wie wir es mit vielen anderen Partnern auch tun. Es gibt für IBM kein Alleinstellungsmerkmal, keine Bevorzugung und keine Exklusivität. Die Zusammenarbeit ist seit vielen Jahren ausgezeichnet, übrigens nicht erst seit der Akquisition. An diesem Status quo hat sich bis heute nichts geändert.

Das heißt quasi Win-win. Auch Red Hat profitiert vom Ökosystem.
Absolut. Wir sind ein wichtiger Umsatzbringer und die „Growth-Engine“ bei IBM. Wenn man sich die Entwicklung des IBM-Aktienkurses ansieht, erkennt man deutlich, dass wir mit Red Hat und unseren Open-Source-Lösungen das Neugeschäft und die neuen Kunden bringen. Wir sind sehr stolz darauf, einen so wesentlichen Beitrag für den Erfolg von IBM leisten zu können.

Wenn wir schon über Umsätze sprechen: Wie hat sich der Markt in Österreich aus Ihrer Sicht entwickelt, seit Sie an Bord sind?
Ich habe damals definitiv auf das richtige Pferd gesetzt. Als ich vor vier Jahren zu Red Hat kam, brachte ich bereits einen Open-Source-Hintergrund mit; das Thema hat mich einfach gereizt, weil ich wusste, dass ich hier für Kunden und Partner in Österreich viel bewegen kann.

Um ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern: Wir haben den Umsatz von Red Hat Österreich in meiner Zeit verdoppelt und jedes Jahr ein zweistelliges Wachstum erzielt. Wir wachsen über dem Marktschnitt, was bedeutet, dass wir Marktanteile dazugewinnen. Global wie lokal liegen wir bei etwa 70 bis 80 Prozent Marktanteil. 

Wir werden von den Kunden mit offenen Armen empfangen, weil wir ihnen die Wahlfreiheit lassen, eine extrem hohe Produktqualität bieten und für maximale Security sorgen. Wir greifen nicht in das operative Business ein, ­sondern erleichtern es unseren Kunden, damit sie sich voll auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Vor vier Jahren wussten die Unternehmen natürlich bereits, was Open Source ist. Hat sich trotzdem in der Zwischenzeit das Verständnis auf Kundenseite verändert?
Open Source ist kein Thema mehr, das ich auf Geschäftsführerebene groß erklären muss. Es ist bekannt, und die Vorteile kommen mittlerweile über die IT direkt im Business an. Wir beobachten auch, dass Budgets immer seltener in den IT-Abteilungen, sondern direkt im Business entschieden werden. Mit unseren Lösungen decken wir genau diese geschäftsrelevanten Punkte ab: Es geht um Time-to-Market und Innovation.

Warum ist das so? Wir bieten nicht einfach nur eine Lösung an, sondern wir ermöglichen es dem Kunden, sich voll auf seine Innovationen zu konzentrieren. Security, Compliance, Skalierbarkeit, Effizienz und Geschwindigkeit sind bei uns bereits „eingebaut“. So halten wir den Kunden den Rücken frei für ihr eigentliches Kerngeschäft.

Vielleicht ein kurzer Überblick: Wie sieht das Angebot aus? Red Hat ist ja einer der wenigen Open-Source-Anbieter mit einem kompletten Stack. Welche Kundenbedürfnisse werden abgedeckt?
Wenn wir von Stacks sprechen, gibt es die Hardware und das Netzwerk. Alles, was darüber auf der Betriebssystemebene ansetzt, können wir abdecken. Die Basis bildet nach wie vor RHEL – Red Hat Enterprise Linux. Darauf setzt OpenShift auf, was mittlerweile eine ­riesige Suite inklusive AI-Capabilities ist. Mit Open­Shift Virtualization bilden wir zudem den kompletten Virtualisierungs-Stack im Rechen­zentrum ab.

Darüber hinaus bieten wir alle erdenklichen Orchestrierungs- und Automatisierungsebenen an. Unser Automatisierungstool Ansible ist hier extrem erfolgreich. Gerade wenn es um Data-Privacy, Souveränität und Compliance geht, ist das die perfekte Kombination, um eine Hybrid Cloud effizient zu managen.

Was sind Ihre Ziele für 2026 und ­darüber hinaus? Was muss passieren, damit Sie in einem Jahr sagen: „Ich bin ­zufrieden“?
2026 wird das Jahr der „AI Project Delivery“. Wir haben bereits extrem viele Proof-of-Concepts umgesetzt; Österreich liegt bei Realtime-AI-Lösungen innerhalb der EMEA-Region sogar an der Spitze. Darauf sind wir sehr stolz. Wir sind mit diesem Thema bei unseren Kunden und Partnern richtig gut unterwegs.

Das zweite große Thema ist definitiv die Virtualisierung. Wir haben die Lösung bei den Kunden positioniert, und 2026 wird nun exekutiert und geliefert. Wir haben viel Zeit investiert und durch Referenzprojekte bewiesen, dass wir die richtige Virtualisierungslösung für die Modernisierung im Rechenzentrum haben. Jetzt geht es darum, gemeinsam mit unseren Partnern genau das auszurollen.

Ich werde dann zufrieden sein, wenn wir im nächsten Jahr 50 Virtualisierungsprojekte in Österreich erfolgreich abgeschlossen haben. Wir haben ein ausgezeichnetes Partnernetzwerk, und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das liefern werden. (RNF)