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Land im Energiewandel.

NEW BUSINESS - NR. 6, JUNI 2026
Zahlreiche Projekte verdeutlichen, wie regionale Initiativen den Ausbau erneuerbarer Energien, moderner Netze und neuer Speicherlösungen vorantreiben. © Adobe Stock/Andrii

Von Windkraft über Großspeicher bis zu Energiegemeinschaften: Österreich sucht nach Wegen zu mehr Versorgungssicherheit und weniger Abhängigkeit am Energiemarkt.

Die Energiewende ist längst mehr als ein Klimaprojekt. Sie ist zu einer Frage von Versorgungssicherheit, Standortpolitik und wirtschaftlicher Stabilität geworden. Spätestens die geopolitischen Krisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie abhängig Europa von internationalen Energiemärkten bleibt. Entsprechend groß ist der Druck, erneuerbare Energien schneller auszubauen, Stromnetze zu modernisieren und neue Speicherlösungen zu schaffen. Im Mittelpunkt der Konferenz der Landesenergiereferent:innen am 21. und 22. Mai 2026 in Rust standen daher genau diese Fragen: Wie kann Österreich seine Energieversorgung absichern, Genehmigungsverfahren beschleunigen und gleichzeitig die Klimaziele erreichen?

Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG), leistungsfähige Netze und regionale Energieprojekte spielten dabei eine zentrale Rolle. „Damit die Energiewende rasch vorankommt, braucht es klare, praktikable und rechtssichere Rahmenbedingungen. Nur wenn Ziele verbindlich und klar sind und Verfahren effizient gestaltet werden, können Projekte schneller umgesetzt werden und gleichzeitig Akzeptanz und Rechtssicherheit gewährleistet bleiben. Die Energiewende braucht dabei nicht nur Beschleunigung, sondern auch ausreichend ambitionierte Ziele über 2030 hinaus“, sagt Gastgeberin Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner mit Blick auf das EABG.

Staatssekretärin Zehetner ergänzt die Bedeutung gemeinsamer Lösungen zwischen Bund und Ländern: „Energiepolitik ist kein Bereich, in dem eine Ebene allein alles lösen kann. Der Bund kann Gesetze vorlegen, Rahmenbedingungen schaffen und europäische Interessen vertreten. Die Länder spielen eine zentrale Rolle bei Raumordnung, Verfahren, Akzeptanz, konkreter Umsetzung und regionaler Energieplanung. Genau deshalb braucht es hier ein gutes Zusammenspiel aller Ebenen. Wir haben im Bund mit dem EABG einen Vorschlag vorgelegt. Jetzt geht es darum, gemeinsam weiterzuarbeiten und einen energiepolitischen Schulterschluss zustande zu bringen. Für die notwendige Zweidrittelmehrheit braucht es Verantwortung und Gesprächsbereitschaft. Unsere Hand ist ausgestreckt.“

Wie unterschiedlich die Energiewende in der Praxis umgesetzt wird, zeigt der Blick in die Bundesländer. Zahlreiche Projekte verdeutlichen, wie regionale Initiativen den Ausbau erneuerbarer Energien, moderner Netze und neuer Speicherlösungen vorantreiben.

Neue Windräder
Die Steiermark hat klare Ziele. Das Regierungsprogramm sieht einen Zubau von 400 Megawatt (MW) Windleistung bis 2030 vor. Derzeit speisen 122 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 324 MW ins Netz ein. Damit sind die bestehenden Vorrang- und Eignungszonen weitgehend ausgeschöpft. Durch die noch in Umsetzung befindlichen Projekte wird sich die installierte Leistung auf rund 600 MW erhöhen. Die Energiestrategie Steiermark 2030 Plus definiert darüber hinaus den Ausbau auf mindestens 1.000 MW installierte Gesamtleistung als Zielsetzung.

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, hat die Steiermärkische Landesregierung insgesamt 18 neue bzw. erweiterte Vorrang- und Eignungszonen mit einer Gesamtfläche von 4.800 Hektar über 29 Standortgemeinden für den Bau von Windrädern ausgewiesen. In den Zonen sind zwischen 105 und 164 neue Windenergieanlagen mit einer potenziellen Mindestleistung von 530 MW (im besten Szenario bis über 700 MW) möglich. Gespräche mit allen beteiligten Gemeinden wurden bereits im Jänner und Februar 2026 geführt.

Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv. In den definierten Vorrangzonen sollen die Windenergieanlagen räumlich konzentriert errichtet werden. Dafür wird kein eigenes Widmungsverfahren der örtlichen Raumordnung mehr erforderlich sein. Die neuen Standorte wurden außerdem besonders auf ihre Eignung geprüft. Es wurde darauf geachtet, dass die geografischen und meteorologischen Voraussetzungen gegeben sind und die notwendige Netzkapazität für die Einspeisung des zusätzlich erzeugten regionalen Stroms vorhanden ist.

„Die aktuellen geopolitischen Krisen zeigen deutlich, wie verletzlich unsere Energieversorgung ist. Umso wichtiger ist es, die Steiermark unabhängiger zu machen und konsequent auf heimische Ressourcen wie Wasser, Sonne, Wind, Biomasse oder Geothermie zu setzen. Mit der Novelle des Sachprogramms Windenergie 2026 schaffen wir dafür die Grundlage: klare Regeln, gezielte Ausbauzonen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Landschaft. Die geplanten Vorrang- und Eignungszonen gehen mit bis zu 700 Megawatt zusätzlicher Leistung sogar über die ursprünglich im Regierungsprogramm ver­ankerten Ziele hinaus und sind ein großer Schritt hin zu mehr Versorgungssicherheit, leistbarer Energie und regionaler Wertschöpfung. Damit stärken wir nicht nur unseren Wirtschaftsstandort, sondern sichern auch nachhaltig die Energiezukunft der Steiermark“, sagt Energielandesrätin Simone Schmiedtbauer.

Parallel zur Ausweisung neuer Windenergieflächen soll auch der Schutz sensibler Bereiche konsequent erweitert werden. Die sogenannte Ausschlusszone, in der keinerlei Windenergieanlagen errichtet werden dürfen, wächst um rund 40.000 Hektar. Damit sind künftig rund 27 Prozent der steirischen Landesfläche als Ausschlusszone definiert. Alle neu festgelegten Vorrangzonen wurden einer strategischen Umweltprüfung unterzogen. Berücksichtigt wurden dabei unter anderem ornithologisch sensible Gebiete, Lebensräume für Raufußhühner sowie Schutzgebiete der Alpenkonvention. 

Während die Steiermark neue Windkraftflächen im eigenen Bundesland schafft, geht Tirol einen anderen Weg: Dort setzt man lieber auf Beteiligungen an Windparks außerhalb der Landesgrenzen. Strom aus Windkraft: ja – Windräder vor der eigenen Haustür: eher nein. Der Tiroler Energieversorger Tiwag übernimmt in einer Kooperation mit der niederösterreichischen Windkraft Simonsfeld AG die Bewirtschaftung von insgesamt vier Windparks in Niederösterreich. Drei Anlagen mit elf Windrädern stehen in den Gemeinden Poysdorf, Wilfersdorf und Hauskirchen. Bis Jänner 2027 soll der vierte Windpark mit weiteren sechs Windrädern kommen. Die übernommenen Windkraftanlagen haben eine Gesamtleistung von 48 MW und sollen laut Plan 120 GWh produzieren können. Damit können rund 34.000 Haushalte versorgt werden. Der Strom wird in das Tiwag -Portfolio integriert und steht damit künftig auch den Tiroler Kund:innen zur Verfügung.

„Die Wasserkraft ist das zentrale Standbein der Energieproduktion in Tirol. Es ist sinnvoll und wichtig, den Ausbau der Wasserkraft – insbesondere mit Speicherkapazitäten – voranzutreiben und das Portfolio mit winterlastigen Erzeugungsprofilen wie der Windkraft zu erweitern“, steht für Tiwag-Vorstandsdirektor Michael Kraxner fest: „Jede Region soll dabei ihre Stärken nützen. Tirol ist aufgrund des Wasservorkommens und der Höhenunterschiede prädestiniert für die Wasserkraft. Tiwag hat in diesem Bereich eine hundertjährige Expertise aufgebaut. Bei der Windkraft bietet sich hingegen die Zusammenarbeit mit Profis an, zumal Tiwag in Sachen Windkraft bis dato keine Erfahrung hat.“ Markus Winter, Technikvorstand der Windkraft Simonsfeld AG, ergänzt: „Wir haben mit anderen Energieversorgern schon ähnliche Modelle umgesetzt. Wind und Wasserkraft sind starke Partner der Energiewende, da sich die Saisonalität der Erzeugung ideal ergänzt und flexible Speicherkraftwerke gut geeignet sind, Schwankungen in der Winderzeugung auszugleichen.“ Michael Kraxner schließt daher weitere Windkraftprojekte nicht aus und ergänzt, dass die hier gewonnenen Erkenntnisse auch in mögliche Kooperationen bei tragfähigen Projekten in Tirol einfließen können.

Ohne Speicher keine Energiewende
Aktuell mangelt es Österreich nicht an Strom. Allerdings ist er ein Just-in-Time-Produkt, bei dem sich Angebot und Nachfrage in jeder Sekunde im Gleichgewicht befinden müssen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien, deren Produktion wetterbedingt schwankt, steigen die Herausforderungen an das überregionale Stromnetz. Da Strom im Netz kaum speicherbar ist, müssen Erzeugung und Verbrauch jederzeit ausgeglichen sein. Eine Steigerung der installierten Leistung aus erneuerbaren Energien schafft nur dann echten Mehrwert, wenn auch die notwendige Infrastruktur für Verteilung und Speicherung im gleichen Tempo mitwächst. Genau das ist im derzeitigen System jedoch nicht ausreichend gegeben.

Für die Volkswirtschaft entstehen erhebliche Kosten, wenn ein gefördertes Gut wie Strom aus PV-Anlagen zu Spitzenzeiten – etwa zur Mittagszeit – keine Abnehmer findet oder sogar zu negativen Preisen gehandelt werden muss. So konnte im vergangenen März das Potenzial der Erneuerbaren nicht vollständig genutzt werden. Die Produktion musste, um Netzüberlastungen abzuwenden, im Umfang von 9 GWh abgeregelt werden. Nachdem PV-Anlagen nur im geringen Umfang ansteuerbar sind und somit laufend Strom einspeisen, war von diesen Stopps primär die Laufwassererzeugung betroffen, die in Österreich einen großen Teil der erneuerbaren Erzeugung ausmacht.

„Mit geeigneten Rahmenbedingungen, die den zügigen Ausbau von Netzen und Speichern ermöglichen, ließe sich dieses Problem deutlich entschärfen. Der erzeugte Strom könnte gespeichert und zeitversetzt bedarfsgerecht bereitgestellt werden – und würde dadurch seinen wirtschaftlichen Wert nachhaltig behalten. Aus Sicht der APG ließe sich klar bestimmen, wo Speicher systemdienlich platziert und betrieben werden sollten“, betont Gerhard Christiner, Vorstandssprecher des unabhängigen Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG). 

Wie solche Speicherlösungen künftig aussehen können, zeigen erste Großprojekte in den Bundesländern. Im burgenländischen Oberpullendorf wurde das bestehende Biomassekraftwerk um einen Batteriespeicher erweitert. Neben der Wärmeerzeugung wird der Standort künftig Strom aus den Wind- und PV-Anlagen speichern. Dazu wurde ein Batteriespeicher mit einem Speichervolumen von fünf Megawattstunden errichtet und Mitte Mai in Betrieb genommen. Bis Mitte 2027 sollen von der Burgenland Energie weitere große Batteriespeicher mit einem gesamten Speichervolumen von rund 700 Megawattstunden errichtet werden. Mit dem Speicher in Oberpullendorf soll auch die Blackout-Fähigkeit der Region massiv gestärkt werden.

„Wir haben erst im Februar im Südburgenland erlebt, was es bedeutet, wenn es zu einem Blackout kommt und Menschen in unserer Region keine Stromversorgung haben. Mit den großen Batteriespeichern haben wir erstmals im Burgenland Kraftwerke, die es uns ermöglichen, im Blackout-Fall in der jeweiligen Region den Netzwiederaufbau und damit die Stromversorgung wieder herzustellen. Denn diese großen Batteriespeicher können, wie bei PV-Heimspeichern, ohne Strom aus dem öffentlichen Netz, Strom liefern“, erläuterte Stephan Sharma, CEO der Burgenland Energie.

Dass Batteriespeicher zunehmend als Teil kritischer Infrastruktur verstanden werden, zeigt auch ein neues Projekt in Salzburg. Mit dem Spatenstich für den ersten Stand-alone-Großbatteriespeicher im Bundesland am 6. Mai in Oberndorf ist der Startschuss für ein zentrales Infrastrukturprojekt der Salzburger Energiewende gefallen. Das oberösterreichische Unternehmen Blackvolt Energy errichtet die Anlage, die im ersten Quartal 2027 in Betrieb gehen soll.

Großbatteriespeicher übernehmen eine wichtige Rolle für die Stabilität des Energiesystems. Sie reagieren innerhalb von Millisekunden auf Netzschwankungen, gleichen Unterschiede zwischen Stromerzeugung und Verbrauch aus und erleichtern die Integration erneuerbarer Energien. Großbatteriespeicher stellen damit genau jene Flexibilität bereit, die ein zunehmend erneuerbares Stromsystem benötigt. Der Batteriespeicher mit einer Leistung von 18 Megawatt und einer Kapazität von 36 Megawattstunden kann Energie zwischenspeichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen. Dadurch werden Schwankungen ausgeglichen und erneuerbare Energien effizienter nutzbar gemacht. „Salzburg liegt als Schnittstelle im Energiesystem – gerade hier braucht es leistungsfähige Speicherlösungen, um die Energiewende effizient voranzutreiben.

Angesichts der zunehmenden Volatilität an den europäischen Strommärkten und des raschen Ausbaus erneuerbarer Energien werden Batteriespeicher zu einer zentralen Infrastruktur für die Stabilität des Energiesystems. Wir haben unsere Plattform so aufgebaut, dass wir Projekte auf höchstem Niveau entwickeln, vollständig genehmigt sowie netzseitig abgesichert. Besonders wichtig ist uns dabei die gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen Beteiligten – vom Land Salzburg über die Gemeinde bis hin zu weiteren Projektpartnern. Dass hier der erste Stand-alone-Großbatteriespeicher entsteht, ist ein starkes Signal für die Innovationskraft der Region“, erklärt Gregory Green, Gründer und CEO von Blackvolt Energy.

Doppelte Nutzung, doppelter Nutzen
Der Ausbau erneuerbarer Energien verschärft zunehmend auch die Frage nach verfügbaren Flächen. Neben klassischen Freiflächenanlagen gewinnen daher Konzepte an Bedeutung, die Energieerzeugung mit bestehender Infrastruktur oder landwirtschaftlicher Nutzung kombinieren. Letztes nennt sich Agri-PV. Diese ermöglicht eine gleichzeitige Nutzung von Flächen für landwirtschaftliche Produktion und Stromerzeugung. Abhängig von Ausführung und Kultur können Pflanzen von teilweiser Beschattung profitieren, etwa durch geringere Verdunstung oder Schutz vor Extremwetter­ereignissen. Die landwirtschaftliche Nutzung bleibt erhalten.

„Agri-PV ist ein enormes Zukunftsmodell, weil es Energieproduktion und Landwirtschaft zusammenbringt, statt sie gegeneinander auszuspielen. Richtig umgesetzt, kann diese Doppelnutzung sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile bringen“, erklärt Christoph Großsteiner, Geschäftsführer der Produktions GmbH der oekostrom AG. Für landwirtschaftliche Betriebe entstehen dadurch zusätzliche, langfristig planbare Einnahmen, die ihre wirtschaftliche Resilienz stärken. Die besten und ertragreichsten Böden sollen dabei weiterhin uneingeschränkt der Lebensmittelproduktion zur Verfügung stehen. Gerade deshalb braucht Agri-PV besonders sorgfältige Planung, technisches Know-how und enge Abstimmung mit den landwirtschaftlichen Betrieben. 

Im städtischen Raum macht diese Art der mehrfachen Flächennutzung keinen Sinn. Dafür bieten sich etwa Dachflächen für die Errichtung einer PV-Anlage an. Im Rahmen der gemeinsamen Photovoltaik-Offensive errichtet etwa die Wien Energie bereits seit sechs Jahren Solarkraftwerke auf den Dächern von U-Bahn-Stationen und Betriebsgebäuden der Wiener Linien. 2026 verzeichnet dabei einen neuen Ausbaurekord: Bis Ende Dezember werden an 15 Standorten neue PV-Anlagen errichtet.

Damit soll es bis Jahresende 44 Photovoltaikanlagen auf den Dächern der U-Bahn-Stationen und Betriebsgebäude der Wiener Linien geben. Bis zu 7,7 Millionen Kilowattstunden werden dort jährlich an Strom produziert. Das entspricht einer Fahrleistung der Wiener U-Bahnen von rund 550.000 Kilometern oder fast 14 Erdumrundungen. Damit steigert Wien die bestehende Photovoltaikleistung auf Wiener-Linien-Dächern um rund ein Drittel.

Die Energiewende im Grätzl
Zum Abschluss zeigt sich, dass die Energiewende nicht nur durch große Infrastrukturprojekte oder milliardenschwere Investitionen geprägt wird. Parallel dazu entstehen neue Modelle, die Energieversorgung regionaler, gemeinschaftlicher und unabhängiger organisieren wollen. Energiegemeinschaften gelten dabei zunehmend als Möglichkeit, erneuerbare Energie direkt vor Ort zu nutzen und Verbraucher:innen stärker in das Energiesystem einzubinden.

„Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sich unabhängig von großen Energiekonzernen zu machen und Teil einer starken Gemeinschaft zu werden“, sagt Roland Kuras, Geschäftsführer der PowerSolution Energieberatung GmbH, die die Energiegemeinschaft Grätzl Energie in Wien gegründet hat und seither betreut. „Mit der Grätzl Energie bieten wir ein Modell, das auf Nähe, Fairness und Transparenz setzt – und das speziell für die Bedürfnisse der Wiener Stadtbewohner:innen entwickelt wurde.“

In einer Energiegemeinschaft wird Strom gemeinschaftlich produziert und geteilt. Mitglieder müssen ihren bestehenden Vertrag bei einem Stromversorger nicht kündigen – sie können zusätzlich der Energiegemeinschaft beitreten. Ein Teil der Energieversorgung wird dann von der Grätzl Energie übernommen. „Der größte Vorteil: Man weiß, woher der eigene Strom kommt, macht sich unabhängiger von großen Energiekonzernen und profitiert von fairen, transparenten Konditionen“, ergänzt Kuras.

Die Grätzl Energie ist keine anonyme Plattform, sondern eine Energiegemeinschaft mit Wiener Wurzeln und Identität. Mitglieder können zwar auch außerhalb Wiens sitzen, doch der Mehrwert entsteht durch das regionale, gemeinschaftliche Modell und die Nähe zur Wiener Community. Zu den aktuellen Stromversorgern der Grätzl Energie gehören u. a. Bäckerei Felber, Rohrdorfer sowie W. A. Richter & Söhne, die als Mitglied der ersten Stunde dabei sind.

Zusätzlich speisen viele Privatpersonen überschüssige Energie in die Grätzl Energie ein. Diese Kombination aus regional verankerten Unternehmen und privaten Einspeiser:innen stärkt die Identität und Flexibilität der Grätzl Energie. „Unser Anspruch ist es, Energieversorgung wieder zu einer gemeinschaftlichen Aufgabe zu machen. Miteinander und füreinander – das ist der Kern der Grätzl Energie. Jede und jeder kann einen Beitrag leisten und gleichzeitig profitieren“, betont Kuras abschließend.

Die Energiewende entscheidet sich damit nicht nur in Kraftwerken, Ministerien oder auf internationalen Energiemärkten. Sie wird zunehmend dort sichtbar, wo Energie erzeugt, gespeichert und direkt vor Ort genutzt wird – in Regionen, Städten und zunehmend auch innerhalb lokaler Gemeinschaften. (BS)