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Philipp Herzig, CTO von SAP SE © SAP SE/Sylviane Brauer

Wie SAP mitgeteilt hat, will es die KI-Unternehmen Dremio und Prior Labs übernehmen.

SAP ist auf KI-Einkaufstour. Wie jetzt mitgeteilt wurde, sind dabei die Unternehmen Dremio und Prior Labs im "Warenkorb" des Unternehmens gelandet. Der Abschluss der Übernahmen steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und wird in beiden Fällen für das dritte Quartal 2026 erwartet.

SAP- und Nicht-SAP-Daten nahtlos integrieren
Mit der geplanten Übernahme von Dremio will SAP gezielt seine SAP Business Data Cloud stärken und die Grundlage dafür schaffen, SAP- und Nicht-SAP-Daten nahtlos zu integrieren, um agentische KI in Unternehmen schneller und wirkungsvoller nutzbar zu machen. Denn viele KI-Initiativen in Unternehmen bleiben hinter den Erwartungen zurück – nicht wegen der Technologie selbst, sondern weil die zugrunde liegenden Daten fragmentiert sind, in proprietären Formaten vorliegen und der geschäftliche Kontext fehlt, der KI erst wirksam macht. Das Ergebnis: Pilotprojekte lassen sich nicht skalieren, neue Datenquellen nur langsam integrieren und doppelte technische Aufwände sowie Compliance-Risiken nehmen zu, insbesondere dort, wo KI-Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind. Dremio setzt genau hier an.  Die Plattform hilft, Datenfragmentierung zu beseitigen und Integrationshürden zu reduzieren.

"Unternehmens-KI scheitert nicht an den Modellen, sondern an den Daten", sagt Philipp Herzig, CTO von SAP SE. "Solange Geschäftsdaten fragmentiert und ohne Kontext bleiben, können KI-Agenten ihr Potenzial nicht entfalten. Dremio beseitigt genau diesen Engpass. In Kombination mit SAP Business Data Cloud ermöglichen wir unseren Kunden, systemübergreifend zu vereinheitlichen und in vertrauenswürdige, KI-fähige Entscheidungsgrundlagen auf einer offenen Plattform zu verwandeln." 

Mit der geplanten Übernahme von Dremio entwickelt SAP die SAP Business Data Cloud weiter zu einem Apache-Iceberg-nativen Enterprise-Lakehouse. Damit sollen SAP- und Nicht-SAP-Daten auf einer gemeinsamen, offenen Grundlage zusammengeführt werden können, um agentische KI im Unternehmensmaßstab nutzbar zu machen. Apache Iceberg hat sich als ein branchenweit etablierter offener Standard für große Datenmengen durchgesetzt. SAP Business Data Cloud wird dieses Open-Table-Format künftig nativ unterstützen.

Mit Dremio will SAP zudem einen universellen, offenen Datenkatalog bereitstellen, der auf Apache Polaris und der offenen Apache-Iceberg-REST-Catalog-API basiert. Dieser Katalog fungiert den Angaben zufolge innerhalb der SAP Business Data Cloud als zentrale Zugriffs- und semantische Schicht und bietet allen angebundenen Systemen – SAP wie Nicht-SAP – einen gemeinsamen Zugang zu einem konsistenten Kontext. Dazu zählen geschäftlicher Kontext, Beziehungen, Zugriffsrechte und Datenherkunft. Der offene Katalog bildet zugleich die Grundlage für den SAP Knowledge Graph. Er verankert geschäftliche Zusammenhänge, organisatorische Hierarchien, regulatorische Klassifizierungen sowie systemübergreifende Datenabstammung als native Eigenschaften und schafft damit die Voraussetzung für skalierbare, erklärbare und vertrauenswürdige agentische KI.

KI für strukturierte Daten
Mit der Übernahme von Prior Labs will SAP seine Fortschritte im Bereich Tabellarische Foundation Models (TFMs), der mit RPT-1 begonnen hat, beschleunigen. SAP verpflichtet sich, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, und will damit Prior Labs zu einem weltweit führenden Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten ausbauen – jene Daten, auf denen die Geschäfte der Welt basieren.

Der Hintergrund: Große Sprachmodelle (LLMs) haben Schwierigkeiten, genaue Vorhersagen zu strukturierten Geschäftsdaten zu treffen, da sie nur über ein rudimentäres Verständnis von Tabellen, Zahlen und Statistiken verfügen. Im Gegensatz zu LLMs sind TFMs speziell für diese Art von Daten konzipiert und können auf der Grundlage tabellarischer Daten wie Zahlungsverzögerungen, Lieferantenrisiken, Upselling-Möglichkeiten, Kundenabwanderungsrisiko und mehr Geschäftsergebnisse genau vorhersagen. Prior Labs zählt zu den weltweit führenden Forschungsteams für tabellarische Foundation Models.

"SAP hat schon früh erkannt, dass die größte ungenutzte Chance in der Unternehmens-KI nicht in großen Sprachmodellen liegt, sondern in KI, die für die strukturierten Daten entwickelt wurde, auf denen die Unternehmen weltweit basieren", sagt SAP-CTO Herzig. "Wir haben RPT-1 entwickelt, um diese Überzeugung in Bezug auf Unternehmensdaten zu untermauern. Prior Labs hat ein führendes TFM auf Basis öffentlicher Benchmarks entwickelt und verfügt über eines der weltweit führenden Forschungsteams auf diesem Gebiet. Die Verbindung der innovativen Modellarbeit von Prior Labs mit Enterprise-Daten sowie der globalen Kundenbasis von SAP stellt einen vielversprechenden Ansatz dar, um diese Kategorie international anzuführen."

"In den letzten 18 Monaten hat Prior Labs ein unglaubliches Team aufgebaut und die Entwicklungsgeschwindigkeit bei tabellarischen Grundmodellen gesteigert", so Frank Hutter, CEO von Prior Labs. "Der geplante Beitritt zur SAP-Familie verschafft uns die Ressourcen, die Datenumgebung und die Kundenreichweite, um das volle Potenzial dieser Kategorie auszuschöpfen."

Prior Labs wird auch nach Abschluss der Übernahme weiterhin als eigenständige Einheit operieren, während SAP langfristige Investitionen und einen direkten Weg zur Umsetzung in Produkte im gesamten SAP-Portfolio bereitstellt – mit SAP AI Core, SAP Business Data Cloud sowie der agentischen Ebene mit Joule. (rnf)