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KI-Tools können ihre Stärken nur dann ausspielen, wenn man damit umzugehen versteht. © unsplash/Vitaly Gariev

Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz brauchen wir nicht weniger, sondern radikal mehr Investitionen in Köpfe statt in Codes.

KI ersetzt keine Qualifikation – sie verändert sie. Warum Österreichs Wirtschaft bei der Fortbildung spart – und damit ihre Zukunft aufs Spiel setzt. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz brauchen wir nicht weniger, sondern radikal mehr Investitionen in Köpfe statt in Codes.

Heimische Chefetagen haben ein neues Lieblingsspielzeug: KI-Lizenzen. Millionen fließen in Software-Abos, während die Qualifizierung jener Menschen, die diese Systeme bedienen sollen, chronisch unterfinanziert bleibt. Dieses Ungleichgewicht ist kein vernachlässigbarer Rechenfehler – es ist ein systemisches Versagen. Für eine exportorientierte Nation wie Österreich, die außer hohen Lohnkosten und klugen Köpfen wenig Ressourcen hat, wird dieses Versäumnis zum strategischen Suizid auf Raten.

Die Illusion der Effizienz 
Die Zahlen der Boston Consulting Group sind eine schallende Ohrfeige für das Management: Nur fünf Prozent der Unternehmen erzielen mit KI-Initiativen echten Wert. Ganze 60 Prozent generieren kaum messbare Ergebnisse. Das Problem sitzt nicht in den Servern, sondern vor den Bildschirmen. Wer glaubt, Technologie allein schaffe Wertschöpfung, produziert lediglich "Workslop": minderwertigen digitalen Ausschuss, der mehr Probleme verursacht, als er löst. 70 Prozent des wirtschaftlichen Erfolgs von KI entstehen durch Menschen und Prozesse – nicht durch den Algorithmus selbst.

In Österreich verschärft sich die Lage durch die kleinteilige Wirtschaftsstruktur. Während Großkonzerne eigene Akademien hochziehen, stehen KMU vor einer Wand. Ihnen fehlen Zeit und Geld für systematisches Upskilling. Wenn der ohnehin drückende Fachkräftemangel auf technologische Überforderung trifft, leistet sich die Wirtschaft einen doppelten Verlust: Wir verlieren Produktivität und gleichzeitig die Motivation unserer Talente.

Ein Markt der falschen Signale 
Das Weltwirtschaftsforum warnt, dass sich bis 2030 fast 40 Prozent aller beruflichen Anforderungen fundamental verändern werden. Die österreichische Realität hinkt hinterher: Drei Viertel der Beschäftigten spüren den Umbruch, aber nicht einmal die Hälfte erhielt bisher eine entsprechende Schulung. Diese Lücke ist brandgefährlich.

Dabei ist der ökonomische Wert von Kompetenz messbar. Wer KI-zertifiziert ist, verdient im Schnitt 23 Prozent mehr. Diese Lohnprämie ist kein Zufall, sondern ein Knappheitssignal. Ohne eine staatliche und betriebliche Weiterbildungsoffensive droht uns eine digitale Klassengesellschaft: auf der einen Seite die souveränen Anwender, auf der anderen die technologisch Marginalisierten.

 

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Über ETC – Enterprise Training Center
ETC ist Österreichs führender Anbieter für digitale Weiterbildung und schult jährlich über 15.000 Teilnehmer*innen. Mit mehr als 1.200 Trainings und Zertifizierungen – von IT-Basics bis Spezialkursen – bietet ETC flexible Formate: vor Ort, online, hybrid und inhouse. 
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Kritikfähigkeit statt Knöpfchendrücken 
Das größte Missverständnis der aktuellen Debatte: KI-Kompetenz wird oft mit der Bedienung von Tools verwechselt. Doch erfolgreiche Integration ist kein technischer Roll-out, sondern Change-Management. Es geht nicht darum, den richtigen "Prompt" zu kennen. Es geht darum, algorithmische Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, Einsatzszenarien selbst zu entwerfen und Arbeitsprozesse völlig neu zu denken.

Kritisches Denken und Problemlösungskompetenz sind schwieriger zu automatisieren als jede technische Fertigkeit. Daten von PwC zeigen das ungenutzte Potenzial: Wer generative KI täglich nutzt, berichtet fast durchgehend von Produktivitätssprüngen. Doch nur 14 Prozent tun dies tatsächlich. Der Flaschenhals ist die Angst vor dem Neuen und eine Führungsebene, die "Digitalisierung" zwar auf Folien schreibt, aber im Alltag nicht vorlebt. Teams, die Prozesse gemeinsam mit KI neu gestalten, übertreffen ihre Umsatzziele doppelt so häufig.

Das österreichische Dilemma 
Österreichs Modell gerät unter Druck. Unser duales Ausbildungssystem ist weltweit ein Vorbild, doch seine Trägheit kollidiert nun mit der Rasanz der technologischen Entwicklung. Die Sozialpartnerschaft könnte hier zum entscheidenden Hebel werden, doch die Umsetzungsgeschwindigkeit ist zu gering. Wenn ab 2028 weltweit täglich 150.000 Arbeitsplätze transformiert werden, ist "lebenslanges Lernen" keine wohlfeile Phrase mehr, sondern eine nackte ökonomische Notwendigkeit.

Die entscheidende Schnittstelle liegt zwischen menschlicher Urteilskraft und maschineller Rechenpower. KI ist ein Verstärker: Sie macht produktive Prozesse effizienter, aber schlechte Prozesse nur schneller schlecht. Wer weiter primär in Lizenzen statt in Menschen investiert, hat das Spiel bereits verloren. Der Algorithmus ist nur so wertvoll wie der Verstand desjenigen, der ihn steuert. (PR)

 

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