Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist weiblich © APA - Austria Presse Agentur

Die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt bleibt weiterhin angespannt. Ende April waren 398.342 Menschen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos oder in Schulung gemeldet. Das entspricht einem Anstieg von 1,5 Prozent beziehungsweise 5.711 Menschen gegenüber dem Vorjahresmonat. Die nationale Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent. Der Zuwachs betrifft laut AMS-Daten im April ausschließlich Frauen.

Die Zahl der vorgemerkten Frauen inklusive Schulungsteilnehmerinnen stieg um 4,9 Prozent, bei den Männern gab es hingegen einen Rückgang von 1,6 Prozent.

AMS-Vorstand Johannes Kopf begründete im Ö1-"Mittagsjournal" die steigende Frauenarbeitslosigkeit im Detail: Der Handel leide unter Konsumzurückhaltung und der Konkurrenz durch den Online-Handel. Das Plus im Gesundheits- und Pflegebereich sei zudem teils auf statistische Umstrukturierungen (wie Ausgliederungen von Krankenhäusern) und eine hohe Jobwechselrate bei gleichzeitig starkem Beschäftigungswachstum zurückzuführen.

Mehr als 103.000 Menschen finden lange keinen Job

Die derzeit größte Herausforderung stellt die Langzeitbeschäftigungslosigkeit dar. Ende April waren 103.322 Menschen längerfristig ohne Job, was einem deutlichen Plus von 13,3 Prozent entspricht. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit hat sich um 10 Tage auf 134 Tage verlängert.

Laut Kopf hat der Iran-Krieg bereits direkte Auswirkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Wegen der gestiegenen Ölpreise werde für heuer nun einen Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet statt eines Rückgangs um 5.000 Arbeitslose. Gemischt beurteilte der AMS-Chef die budgetären Pläne der Regierung: Während er die Senkung der Lohnnebenkosten als wichtigen Impuls für die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung lobte, übte er Kritik an den höheren Abgaben für über 60-Jährige, da dies deren ohnehin schwierige Einstellungschancen weiter verschlechtere.

Auch die höheren Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für Geringverdiener nannte er eine "wirklich schlechte Nachricht" für armutsgefährdete Personen, wenngleich die bisherige Ausnahme-Regelung de facto eine systemwidrige Förderung von Teilzeitbeschäftigung dargestellt habe.

Erste Anzeichen einer Konjunkturerholung

Neben den Arbeitslosenzahlen gibt es parallel auch erste Anzeichen einer Konjunkturerholung. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich im Jahresvergleich schätzungsweise um 23.000 auf knapp 3,96 Millionen Verhältnisse. Der Zugang an neuen offenen Stellen wies mit einem Plus von 5,9 Prozent ebenfalls Zeichen einer leichten Belebung auf. Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) will trotz des allgemeinen Spardrucks gezielt auf Offensivmaßnahmen ​für den Arbeitsmarkt setzen. "Niemand darf zurückgelassen werden", so die Ministerin laut Mitteilung.

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch verwies auf Mittel im geplanten Doppelbudget sowie auf die "Aktion 55 Plus" für ältere Arbeitsuchende. Gewerkschaftsbund (ÖGB) und Arbeiterkammer (AK) warnten vor Einsparungen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik. ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth und AK-Präsidentin Renate Anderl forderten stattdessen Investitionen in Qualifizierungsmaßnahmen, um den Wirtschaftsstandort zu sichern und Menschen nicht dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt zu drängen.

Industrie lobt Senkung des FLAF-Beitrags

Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, begrüßte die in den Budgetverhandlungen geplante Senkung des FLAF-Beitrags als essenziell für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Kritisch bewertete er jedoch, dass die Gegenfinanzierung durch neue FLAF-Beiträge für Ältere, die Verlängerung der Bankenabgabe sowie eine höhere Körperschaftssteuer erneut die Wirtschaft belaste.

WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger sah durch die anhaltend schwierige Lage die Notwendigkeit einer Lohnnebenkostensenkung um einen Prozentpunkt bestätigt. Dies sei ein Gebot der Stunde, um angesichts hoher Energiekosten und geopolitischer Unsicherheiten die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und Jobs zu sichern. Den generellen Beschäftigungszuwachs bei Frauen bewertete Danninger hingegen positiv: Dies zeige, dass die Anhebung des Frauenpensionsalters wirke und Betriebe die Erfahrung älterer Mitarbeiterinnen zunehmend schätzen würden.

Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf verwies auf die auf über 163.000 offene Stellen im Wirtschaftsbund-Stellenmonitor und forderte die rasche Umsetzung der Lohnnebenkosten-Senkungen.

Kritik von der Opposition

Kritik an der Regierung kam von der Opposition. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch bezeichnete die Regierungslinie als "unsozialen Raubzug", der durch Einsparungen bei Geringverdienern und höhere Lohnnebenkosten für über 60-Jährige gezielt die Schwächsten treffe. Der Arbeitssprecher der Grünen, Markus Koza, machte wiederum Kürzungen im Sozialbereich und die Abschaffung der Bildungskarenz für die gestiegene Frauenarbeitslosigkeit verantwortlich. Er forderte zur Stärkung der sozialen Infrastruktur Erbschaftssteuern für Millionäre statt der Lohnnebenkostensenkung.