Lebensmittelpreise könnten nochmals deutlich steigen © APA - Austria Presse Agentur
Die Stimmung in der heimischen Wirtschaft hat sich zum Start in die zweite Jahreshälfte aufgehellt, liegt aber immer noch im negativen Bereich. "Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Juli auf minus 0,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit den Verwerfungen infolge des US-Angriffs auf den Iran und die Blockade der Straße von Hormuz", betonte Chefökonom Stefan Bruckbauer am Freitag.
Die Hoffnung auf ein dauerhaftes Abkommen zwischen dem Iran und den USA sowie eine Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormuz hätten die Stimmung im Juli gehoben.
Pessimismus überwiegt
Insgesamt überwiege aber weiterhin der Pessimismus. Im zweiten Quartal hatten die Auswirkungen des Iran-Kriegs der österreichischen Wirtschaft noch eine Delle verpasst. Anhaltende geopolitische Spannungen begrenzen den Angaben zufolge die Konjunkturverbesserung.
Die Inflation dürfte heuer mit im Schnitt voraussichtlich 3,2 Prozent wieder höher als in der Eurozone mit prognostizierten 2,9 Prozent ausfallen. Die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) sind rund 2 Prozent.
Inflationsdruck bleibt stark
Im Zeitraum Jänner bis Juli lag die heimische Inflation im Schnitt bei 2,9 Prozent. Doch der Inflationsdruck bleibe in den kommenden Monaten erhöht - darauf deute die weiterhin über 3 Prozent liegende Kerninflation hin, betonten die Konjunkturexperten der Bank.
"Neben der starken Preisdynamik im Dienstleistungssektor bestehen Risiken stärkerer Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln infolge hitzebedingter Ernteausfälle", teilte die Bank Austria weiters mit. Auch die Energiepreise dürften demnach weniger stark sinken als ursprünglich erwartet, "da Raffinerieengpässe die Weitergabe der gesunkenen Rohölpreise verzögern".
Im Juli sank die heimische Inflation infolge der Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel erstmals seit Ausbruch des Iran-Konflikts wieder unter 3 Prozent und erreichte vorläufigen Schätzungen zufolge 2,7 Prozent - ihren Höchststand im bisherigen Jahresverlauf hatte sie im Mai mit 3,7 Prozent markiert.
Iran-Krieg prägt auch 2027
Das Wirtschaftswachstum soll heuer laut Bank Austria 0,8 Prozent erreichen und im kommenden Jahr dann 1,2 Prozent. Auch das Jahr 2027 dürfte nach Einschätzung der Ökonomen noch von den Nachwirkungen des Iran-Kriegs geprägt sein. Insbesondere Lieferkettenstörungen und höhere Energiekosten dürften die Aussichten weiterhin dämpfen.
Ein stabileres geopolitisches Umfeld und die Normalisierung der Energiemärkte sollten jedoch die Erholung über eine stärkere Inlandsnachfrage festigen.
Derzeit wird die Kauflust der Bevölkerung unter anderem durch Unsicherheiten und hohe Preise gebremst. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte die Leitzinsen laut Bank Austria heuer im September nochmals um 25 Basispunkte anheben. Der Einlagensatz würde damit auf 2,5 Prozent steigen, erklärte Bruckbauer. Auch Kredite würden sich dadurch verteuern.
Arbeitsmarkt "robust"
Der heimische Arbeitsmarkt zeige sich "weiterhin robust" - die Zahl der Arbeitssuchenden sei seit Jänner um rund 4.000 Personen nur moderat gestiegen. "Nach dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf durchschnittlich 7,5 Prozent im Jahr 2026 sollte die wirtschaftliche Belebung 2027 zu einer allmählichen Entspannung beitragen", hielt Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl fest. "Im Jahresdurchschnitt erwarten wir eine Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent."
Seit dem Frühjahr verharre die saisonbereinigte Arbeitslosenquote bei 7,6 Prozent. Der anhaltende Fachkräftemangel und das nur noch langsam wachsende Arbeitskräfteangebot stützten die Nachfrage nach Beschäftigten.
"Trotz der jüngsten Aufhellung blieb die Stimmung in allen Wirtschaftssektoren im pessimistischen Bereich und lag teilweise deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt - die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Österreich war zudem bereits den fünften Monat in Folge schwächer als im Euroraum", berichtete Pudschedl.