EZB-Präsidentin Lagarde bei Jahrestagung von IWF und Weltbank © APA - Austria Presse Agentur
Der jüngste Zinsanstieg am Anleihemarkt verteuert nach den Worten von EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Kreditaufnahme in der Eurozone und dämpft damit das Wirtschaftswachstum sowie die Inflation. Die Finanzierungsbedingungen hätten sich verschärft, da die langfristigen Zinsen seit der jüngsten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) spürbar gestiegen seien, sagte Lagarde am Samstag auf der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Bangkok.
Dies werde das Wachstum bremsen. Zudem dürfte es Unternehmen erschweren, höhere Kosten – etwa für Treibstoff infolge des Iran-Krieges – an die Konsumenten weiterzugeben. Die Renditen von Staatsanleihen waren zuletzt weltweit stark gestiegen, was die Zinsen für Kredite nach oben treibt. Als Gründe gelten Sorgen über die Staatsverschuldung und die Inflation sowie ein hoher Kapitalbedarf für Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). Die EZB hat die Leitzinsen in den vergangenen vier Monaten zweimal angehoben. Für Dezember wird eine weitere Erhöhung auf 2,75 Prozent erwartet. Ab diesem Niveau gilt die Geldpolitik als restriktiv, bremst also die wirtschaftliche Aktivität aus.
Der Präsident der deutschen Bundesbank Joachim Nagel deutete bei einer Veranstaltung der DZ Bank in der thailändischen Hauptstadt weitere Zinsschritte an. Der Kampf gegen die Inflation sei noch nicht vorbei, und die EZB müsse möglicherweise mehr tun, erklärte er. Der finnische Notenbankchef Olli Rehn betonte, die Währungshüter müssten wachsam gegenüber sogenannten Zweitrundeneffekten sein. Damit ist gemeint, dass steigende Energiepreise zeitverzögert zu höheren Lohnforderungen und in der Folge zu einer dauerhaft hohen Inflation führen. Bisher gebe es dafür zwar keine Anzeichen, sagte Rehn. Diese könnten sich jedoch leise wie auf Samtpfoten einschleichen.