Wifo rechnet mit Rückgang von 2,3 Prozent im heimischen Fahrzeugbau © APA - Austria Presse Agentur
Die neuen US-Zölle treffen in Österreich vor allem die Industrie. Im Fahrzeugbau könnten die Zölle laut einer Wifo-Analyse vom Freitag zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 2,3 Prozent führen. Die gesamte heimische Wirtschaftsleistung dürften sie kurzfristig um 0,23 Prozent nach unten drücken und zugleich die Inflation abschwächen. Auch bei Raiffeisen Research und in der Österreichischen Nationalbank (OeNB) versuchen sich Ökonomen an Folgenabschätzungen.
Das Minus im Fahrzeugbau entspreche einem Verlust von 616 Millionen Euro, schreibt der Wifo-Ökonom Hendrik Mahlkow. In der Eisen- und Stahlindustrie falle der Rückgang mit 2,5 Prozent noch deutlicher aus. In absoluten Zahlen entspreche dies einem Minus von 422 Mio. Euro an Wertschöpfung.
Die erwartbar sinkende US-Nachfrage nach österreichischen Produkten führe zu einem negativen Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,23 Prozent. In weiterer Folge verstärke sich der Gesamteffekt auf 0,33 Prozent. Hier seien auch mittelfristige Effekte wie zum Beispiel eine nachlassende Weltkonjunktur einberechnet, erklärt der Wifo-Ökonom Harald Oberhofer gegenüber der APA.
Auch Inflationsentwicklung gebremst
Durch die geringere Nachfrage werde auch die Inflation ausgebremst. Beim Wifo rechnet man hier mit einem um 1,1 Prozent niedrigeren Preisniveau. Allerdings seien die Preiseffekte schwer vorherzusagen, da die Zölle auch zu Verschiebungen bei den weltweiten Wechselkursen führen würden, so Oberhofer.
Für die USA selbst rechnet der Wifo-Ökonom Mahlkow mit einem negativen BIP-Effekt um 1,7 Prozent. Die Inflation in dem Land soll dann auf satte 7,3 Prozent steigen.
Raiffeisen Research senkt Prognosen für Euroraum
Die Wirtschaftsexperten von Raiffeisen Research gehen dann für die europäischen Staaten von negativen BIP-Effekten zwischen 0,2 und 0,9 Prozent je nach Land aus. Ihre Wachstumsprognose für die Eurozone im laufenden Jahr 2025 senken sie von 1,2 auf 1,0 Prozent. 2026 sollen es dann 1,5 statt 1,7 Prozent sein. In der vorherigen Prognose war bereits ein Zoll "im Bereich von 10 %" einkalkuliert.
Aufgrund von Ausnahmen für bestimmte Produkte gehen die Raiffeisen-Ökonomen davon aus, dass das Zollregime so gewählt worden sei, dass die USA dieses eine Zeit lang aufrechterhalten könne. "Der Fokus auf die Handelsbilanzdefizite legt zudem nahe, dass es hier nicht nur um die Schaffung von Verhandlungsmasse für Zollsenkungen geht, sondern eine nachhaltige Änderung von globalen Handelsströmen und Wertschöpfungsketten, strukturell geringere US-Importe sowie Produktionsverlagerungen in die USA angestrebt werden." Man rechne daher mit "zähen Verhandlungen".
OeNB analysiert Rolle des US-Dollars
Auch bei der OeNB analysierte man am Freitag die Strategie hinter den US-Zöllen und schaute sich Pläne des Trump-nahen Ökonomen Stephen Miran an, die auf Ende der strukturellen Überbewertung des US-Dollars mit dem langfristigen Ziel einer Reindustrialisierung der USA abzielten. "Durch die Rolle des US-Dollars als globaler Reservewährung profitieren die USA - indem sie es leichter haben, Länder zu sanktionieren oder ihre Staatsschulden günstiger finanzieren können. Die permanente Nachfrage nach US-Dollar zur Reservehaltung führt aber auch zu einer Überbewertung der Währung und damit zu anhaltenden Leistungsbilanzdefiziten der USA, da sie amerikanische Exporte verteuert und Importe verbilligt", heißt es in einem Blog-Eintrag der Nationalbank. "In diesem Kontext ist auch die Idee einer strategischen Bitcoin-Reserve der US-Regierung zu sehen: Würden mehr Staaten Bitcoin statt US-Dollar als Reserve halten, könnte der US-Dollar-Wechselkurs nachgeben."