Die Wirtschaft in Mittel-, Ost- und Südosteuropa dürfte sich 2026 trotz globaler Unsicherheiten robust entwickeln. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) prognostiziert für die EU-Mitglieder der Region ein Wachstum von durchschnittlich 2,6 Prozent. Damit expandieren diese Staaten fast doppelt so stark wie die Eurozone. Österreichs Konjunktur profitiert stärker von der Region als von Deutschland oder den USA.
In den östlichen EU-Mitgliedstaaten vollzieht sich derzeit ein struktureller Wandel. Der bisherige Wachstumstreiber, der private Konsum, verliert an Dynamik, wodurch Investitionen an Bedeutung gewinnen. Da die exportorientierte Industrie Ostmitteleuropas durch gestiegene Lohnstückkosten an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat, steht das Modell der verlängerten Werkbank westlicher Konzerne zur Disposition. Spitzenreiter beim Wachstum bleibt in der EU Polen mit prognostizierten 3,7 Prozent für das laufende Jahr, gefolgt von Litauen (3,0 Prozent) und Kroatien (2,8 Prozent). Auch die Türkei dürfte mit 3,9 Prozent kräftig wachsen.
Risiken durch Trump und Defizite
Als größtes Abwärtsrisiko sieht das wiiw mögliche handelspolitische Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump. Zwar sind die direkten Handelsströme überschaubar, doch könnte eine sinkende US-Nachfrage nach westeuropäischen Industrieprodukten die eng verflochtene Region indirekt treffen. Ein weiteres Risiko stellen hohe Budgetdefizite in Ländern wie Rumänien, Ungarn, Polen und der Slowakei dar. Sollte es zu Turbulenzen an den Anleihenmärkten kommen, wären wachstumsdämpfende Sparmaßnahmen die Folge.
Kriegsfolgen: Ukraine und Russland
Die Aussichten für die Ukraine haben sich weiter eingetrübt. Das wiiw revidierte die Prognose für 2026 um 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent nach unten. Zerstörte Energieinfrastruktur und Arbeitskräftemangel belasten die Wirtschaft. Ein "Diktatfrieden" ohne glaubwürdige Sicherheitsgarantien würde Investoren abschrecken und die Erholung gefährden. Für Russland wird heuer ein schwaches Wachstum von 1,2 Prozent erwartet, gebremst durch hohe Leitzinsen von aktuell 16 Prozent, Arbeitskräftemangel und niedrige Investitionen.
Österreich profitiert überdurchschnittlich
Für die österreichische Wirtschaft bleibt Osteuropa der wichtigste Wachstumsmotor. Die 23 untersuchten Staaten werden 2026 voraussichtlich 0,14 Prozentpunkte zum heimischen BIP-Wachstum beitragen. Damit ist der Einfluss der Region auf die österreichische Konjunktur deutlich größer als jener von Deutschland (0,07 Prozentpunkte) oder den USA (0,08 Punkte). Chancen für österreichische Unternehmen sieht das wiiw besonders bei der Automatisierung der Fertigung sowie beim Wiederaufbau der Ukraine, etwa im Bauwesen und bei der Infrastruktur.
(APA)