EU um Gespräche im Zollstreit bemüht © APA - Austria Presse Agentur

Vor dem Hintergrund des Zollstreits mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump reist EU-Handelskommissar Maros Sefcovic am Montagnachmittag nach Washington. Sefocvic werde am Dienstag US-Handelsminister Howard Lutnick und Trumps Handelsbeauftragten Jamieson Greer treffen, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission am Montag mit. Unterdessen wurde gemutmaßt, dass die für Anfang April angekündigten weiteren Zölle womöglich weniger drastisch ausfallen als bisher erwartet.

Der Besuch sei "eine Fortsetzung unserer Zusammenarbeit mit der US-Regierung", erklärte die Kommissionssprecherin. Mitte März waren Trumps Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumprodukte in Kraft getreten. Es sind die ersten Zölle seiner zweiten Amtszeit, von denen die EU und ihre Mitgliedsländer direkt betroffen sind. Die Kommission reagierte umgehend mit der Ankündigung mehrerer Gegenzölle ab dem 1. April, verschob die Aufschläge in der vergangenen Woche aber um zwei Wochen.

Neue Aufschläge "noch im Fluss"

Ein US-Regierungsmitarbeiter sagte am Montag der Nachrichtenagentur AFP, dass noch keine Entscheidung darüber gefallen sei, ob ganze Branchen mit Importaufschlägen belegt werden sollen. Dass die für den 2. April angekündigten Zölle ganze Wirtschaftssektoren treffen, "mag passieren oder nicht passieren". Die Lage sei derzeit "noch im Fluss".

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter berichtet, dass die Zölle zielgerichteter und wenig umfassend sein könnten als bis jetzt angenommen. Ferner könnten manche Länder oder Ländergruppen ganz ausgespart werden. Auch das "Wall Street Journal" berichtete, das Weiße Haus habe seinen Fokus bei den Zöllen eingeengt und werde "wahrscheinlich" nicht ganze Wirtschaftssektoren mit Zöllen belegen.

Trump hatte zu einem früheren Zeitpunkt noch signalisiert, dass Anfang April Zölle gegen ganze Branchen im Ausland wie die Auto-, Pharma- und Halbleiterindustrie verhängt werden könnten.

Die von Trump ebenfalls angekündigten "reziproken Zölle" sollen aber am 2. April kommen, wie der Regierungsmitarbeiter der AFP sagte. Dabei soll ein Importprodukt eines Landes in den USA mit ebenso hohen Aufschlägen belastet werden wie sie für ein gleiches US-Produkt in diesem Land gelten. Allerdings wollen die USA dabei nicht nur die Zölle der anderen Länder, sondern auch sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse wie etwa Subventionen oder Regularien in die Kalkulation mit einbeziehen.

Dass die neuen Zölle gleichwohl womöglich weniger umfassend sein werden als zuvor angenommen, beflügelte am Montag zu Handelsbeginn die US-Börsen. Der Leitindex Dow Jones stieg um 1,2 Prozent, der Technologieindex Nasdaq um rund 1,9 Prozent.

Weitere Beratungen über Gegenzölle

Der Aufschub verschaffe der Kommission "zusätzliche Zeit für Gespräche mit der US-Regierung", hatte ein Sprecher das Vorgehen begründet. Brüssel will zudem mit den EU-Mitgliedsländern über weitere mögliche Gegenzölle beraten. Geplant sind derzeit Aufschläge auf Jeans, Whiskey oder Motorräder, wie sie bereits in Trumps erster Amtszeit eingeführt worden waren. Zudem erwägt die Kommission, zusätzliche Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte sowie weitere Textil- und Lederwaren, Rindfleisch und Zucker.

Ein Grund für die Verschiebung dürfte allerdings auch Trumps Androhung von Zöllen in Höhe von 200 Prozent auf alkoholische Getränke wie Wein und Champagner sein. Besonders getroffen davon würden Weinbauern und Hersteller von Spirituosen wie Cognac. Aus EU-Kreisen hieß es, Frankreich, Spanien und Italien hätten die EU-Kommission dazu gedrängt, die EU-Zölle zu verschieben.

Bisherige Berechnung für US-Aufschläge bei 28 Mrd. Dollar

Die US-Aufschläge betreffen laut EU-Berechnungen Exporte im Wert von 28 Milliarden Dollar (26 Mrd. Euro). Die Gegenzölle sollen bei US-Produkten im selben Umfang greifen.

In Europa fürchtet zum Beispiel die Autobranche neue Zölle der USA. Auch Halbleiter- und Pharma-Betriebe könnte es treffen. Trump will ab April "reziproke" Zölle einführen, also Unterschiede bei der Erhebung von Zöllen ausmerzen. In den USA hatten sich die drei größten US-Automobilhersteller aber schon gegen sektorspezifische Belastungen gestellt.