Wegen Renovierung geschlossen: Zur Feier seines 150-Jahr-Jubiläums nimmt sich das Café Central bis zum Herbst eine Auszeit. © Laura Schröder/VERKEHRSBUERO
Das Café Central setzt im Rahmen eines großen Renovierungsprojekts unter anderem auf Fernkälte von Wien Energie und spart damit 50 Prozent der CO₂-Emissionen ein.
Kühl, klimafreundlich und bereit für die Zukunft: Das geschichtsträchtige Café Central in der Wiener Herrengasse wird umfassend renoviert und mit Fernkälte von Wien Energie klimatisiert. Damit setzt der Betreiber Verkehrsbuero Hospitality ein Zeichen für ökologische Verantwortung und denkmalgerechte Gebäudetechnik im Palais Ferstel. Das Projekt zeigt, wie nachhaltige Technologie in historischer Architektur umgesetzt werden kann – ressourcenschonend, klimafreundlich und im Einklang mit den Anforderungen des Denkmalschutzes. Für die Stadt Wien ist die flächendeckende Kälteversorgung über ein eigenes Fernkältenetz ein wichtiger Baustein ihrer Klimastrategie.
Klimafreundliche Renovierung
„Mit der behutsamen Renovierung und Modernisierung des traditionsreichen Hauses wollen wir das Café Central mit seiner einzigartigen Wiener Kaffeehauskultur klimafreundlich und langfristig bewahren“, sagt Martin Winkler, Vorsitzender des Verkehrsbuero-Vorstands. „Durch die Umstellung auf Fernkälte nutzen wir eine zukunftsweisende Technologie, die höchsten ökologischen Standards entspricht. Als Betreiber des Café Central und von insgesamt 14 Hotels in Wien haben wir bereits 2023 das Hotel Astoria Vienna, Curio Collection by Hilton, an das Fernkältenetz angeschlossen. Auch bei künftigen Projekten, wie der geplanten Renovierung des Hotel Europa Wien, evaluieren wir den Einsatz dieser energieeffizienten Kühlung“, so Winkler weiter.
Fernkälte wird mit großen, effizienten Maschinen in sogenannten Fernkältezentralen hergestellt. Zu den Gebäuden kommt die Kühlung über ein Leitungssystem in Form von kaltem Wasser. Verglichen mit konventionellen Klimaanlagen spart die Fernkälte etwa 50 Prozent der CO₂-Emissionen ein. „Im Sommer 2024 gab es in der Wiener Innenstadt mit mehr als 50 Hitzetagen und Tropennächten Rekordwerte“, sagt Michael Strebl, Vorsitzender der Geschäftsführung von Wien Energie. „Gerade in dicht verbauten Städten ist daher effiziente Kühlung entscheidend. Mit der Fernkälte haben wir die beste Lösung: Sie spart rund 50 Prozent CO₂, verhindert Hitzeinseln und sorgt für spürbare Entlastung im städtischen Klima. Deswegen investiert Wien Energie bis 2030 90 Millionen Euro in den Ausbau der Fernkälte.“
Mit der Anbindung an das Fernkältenetz treibt Verkehrsbuero Hospitality den Einsatz nachhaltiger Gebäudetechnik weiter voran. „Durch den Einsatz von Fernkälte wird keine Abwärme an die Umgebung abgegeben. Zudem kommt unsere neue Anlage ohne klimaschädliche Kältemittel aus. So können wir den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen deutlich senken“, erklärt Kay Fröhlich, Geschäftsführer von Verkehrsbuero Hospitality.
Restaurierung der historischen Substanz
Die letzte große Renovierung des Café Central und des Palais Ferstel erfolgte in mehreren Etappen zwischen 1978 und 1986. Für die aktuelle Renovierung nehmen sich das Café Central und die Eventräumlichkeiten des Palais Ferstel eine Auszeit. Das im Jahr 1876 eröffnete Traditionskaffeehaus ist seit Mitte März 2026 temporär für etwa ein halbes Jahr geschlossen, ebenso wie die Veranstaltungssäle des Palais Ferstel. Die Ferstel-Passage ist davon allerdings nicht betroffen. Nach der Umstellung auf Fernkälte folgt der Umbau.
Die historische Bausubstanz und das Interieur des Café Central, das als Wiener Kaffeehaus zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählt, werden renoviert. Im Zuge der Modernisierung werden sämtliche Leitungen sowie die Gebäudetechnik des historischen Palais Ferstel umfassend erneuert. Auch modernste Küchenbereiche, inklusive der vielfach ausgezeichneten Patisserie des Café Central, sind Teil des Projekts.
Ein wesentlicher Bestandteil ist die behutsame Restaurierung der historischen Substanz. Thonet-Stühle werden aufgearbeitet, Stoffe des Traditionsunternehmens Backhausen erneuert oder originalgetreu nachgefertigt, historische Luster durch spezialisierte Werkstätten restauriert. Wo Elemente aus den 1980er-Jahren nicht mehr dem historischen Erscheinungsbild entsprechen oder technisch überholt sind, werden sie sensibel ersetzt.
Da aus früheren Bauphasen nur eingeschränkte Originalunterlagen vorliegen, erfolgt die Rekonstruktion vielfach auf Basis historischer Recherchen. Die baulichen Maßnahmen sind technisch anspruchsvoll. Lüftungssysteme werden im Boden verlegt, neue Leitungsführungen durch bestehende Fundamentbereiche integriert, zusätzliche Lagerflächen durch eine bauliche Verbindung zum benachbarten Palais Hardegg geschaffen.
Sämtliche Materialien müssen durch bestehende Zugangssituationen transportiert werden, was eine präzise logistische Planung erfordert. Gleichzeitig wird das Gebäude energetisch optimiert, um Ressourcenverbrauch und Emissionen nachhaltig zu reduzieren. Verantwortlich für Planung und Umsetzung ist Architekt Peter Klein von A.C.C. Ziviltechniker, der bereits im Jahr 2002 an einer Renovierung des Palais Ferstel beteiligt war und nun als Generalplaner zurückkehrt.
Um die Wartezeit bis zur Wiedereröffnung zu überbrücken, übernimmt das Pop-up DECENTRAL auf der Freyung als moderne Dependance in bewährter Kaffeehausqualität. (RNF)
INFO-BOX
Über das Café Central
Seit seiner Eröffnung 1876 im Palais Ferstel prägt das Café Central die Wiener Kaffeehauskultur wie kaum ein anderer Ort. Das von Heinrich von Ferstel als Nationalbank- und Börsengebäude entworfene Palais beherbergte zunächst die Wiener Börse, bevor sich das Café Central um 1900 zum geistigen Zentrum der Wiener Moderne entwickelte. Bis heute steht das Café Central für jene Wiener Kaffeehauskultur, die von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist.