Hightech-Sortieranlage

NEW BUSINESS Innovations - NR. 06, JUNI 2023
V. l.: Martin Prieler (ARA), Landeshauptmann Thomas Stelzer, Kurt Bernegger (Bernegger-Gruppe), Vizekanzler Werner Kogler, Laurent Auguste (Der Grüne Punkt) © Hermann Wakolbinger

Im oberösterreichischen Ennshafen errichten Altstoff Recycling Austria (ARA), Bernegger und Der Grüne Punkt Europas modernste Sortieranlage für ­Leichtverpackungen ...

... die Anfang 2024 ihren Betrieb aufnehmen soll.

Am 3. März 2023 erfolgte der Spatenstich für Europas modernste Sortieranlage. Mit einer Sortierkapazität von 100.000 Tonnen pro Jahr ist die Anlage dreimal größer als bestehende Anlagen in Österreich. Die neue Sortieranlage kann 50 Prozent der österreichischen Sortierkapazität für Leichtverpackungen abdecken.

Die grenzübergreifende Recycling-Partnerschaft von ARA, Bernegger und Der Grüne Punkt ist somit ein wichtiger Schritt für die europäische Kreislaufwirtschaft und ein Meilenstein für das Kunststoffrecycling in Österreich. Die Sortierkapazität der Anlage ist wesentlich für die Erreichung der Recyclingquote bei Kunststoffverpackungen, die Österreich bis 2025 von aktuell 25 Prozent auf 50 Prozent verdoppeln muss. 

„Die adaptierten Recyclingziele des EU-Kreislaufwirtschaftspaketes erfordern eine grundlegende Steigerung der Sammlung sowie eine signifikante Verbesserung der Sortiertiefe. Mit dieser hochmodernen Sortieranlage sind wir für die zunehmenden Mengen an Abfall und Rohstoffen bestens gerüstet“, erklärt ARA-Vorstand Martin Prieler. „Wir begrüßen diese strategische grenzüberschreitende Partnerschaft mit unseren österreichischen Partnern, um zusätzliche Rohstoffe für mehr Recycling und Kreislaufwirtschaft zu gewinnen“, ergänzt Laurent Auguste, CEO Der Grüne Punkt. 

Die Ausbeute der gesammelten Leichtverpackungen kann in der neuen Sortieranlage stark gesteigert werden. Die aktuelle Anlageninfrastruktur in Österreich sorgt bei Kunststoffverpackungen für eine Sortiertiefe von 58 Prozent, die Anlage von ARA, Bernegger und Der Grüne Punkt soll 80 Prozent schaffen.

Investition von 60 Mio. Euro bringt Klimaschutz und regionale Wertschöpfung
Ausgestattet mit modernster Nahinfrarotsensorik, ist die neue Sortieranlage als zukunftssichere Investition zu verstehen, die voll digitalisiert Rohstoffe aufbereitet und unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz eine deutlich höhere Ausbringung bei gleichzeitig gesteigerter Qualität erzielt. Insgesamt 20 verschiedene Abfallfraktionen sollen die Sensoren erkennen, analysieren und sortenrein trennen, um die wertvollen Rohstoffe ohne Qualitätseinbußen für das Recycling vorzubereiten.

Betrieben durch eine eigene PV-Anlage und andere nachhaltige Energieträger, setzt die Hightech-Anlage auf nachhaltige und klimafreundliche Energieversorgung. „Der Bau der Sortieranlage im zukünftigen Rohstoffpark Enns bringt regionale Wertschöpfung und schafft 40 neue Green Jobs in Österreich“, so Kurt Bernegger von der Geschäftsleitung der Bernegger GmbH.

Mit einer Hallenhöhe von 25 Metern wird die neue Anlage im oberösterreichischen Ennshafen zu den höchsten in Europa zählen, sie sorgt damit für geringen Flächenverbrauch und einen effizienten Materialfluss. Der Standort ist logistisch nachhaltig geplant und ermöglicht durch den direkten Bahnanschluss für die gleichzeitige Entladung von bis zu fünf Ganzzügen einen emissionsarmen und klimafreundlichen Transport per Schiene.

Der Standort ist mit Blick auf die Novelle des österreichischen Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG) strategisch besonders günstig gelegen. Schließlich pusht die Novelle den emissionsarmen Transport per Bahn; schon in wenigen Jahren sind mehr als zehn Tonnen Abfall bereits ab 100 km über die Schiene zu transportieren.

Politik begrüßt das Innovationsprojekt
Das wegweisende Projekt sorgt auch in der Politik für großen Zuspruch: „Für einen modernen Wirtschaftsstandort ist der Umgang mit Ressourcen entscheidend. Diese innovative Anlage trägt dazu bei, Oberösterreich ein Stück weit ökologischer zu machen. Die Investition zeigt eindrucksvoll, dass Klimaschutz in Oberösterreich einen hohen Stellenwert hat. Wir sind allen Beteiligten dankbar für diese Initiative“, unterstreicht Landeshauptmann Thomas Stelzer.

Vizekanzler Werner Kogler ergänzt: „Wirtschaft und Umwelt unter einen Hut zu bringen, bringt auch viele Chancen. Österreichs Wirtschaft und Industrie stecken voller Innovationskraft, vor allem wenn es um die Entwicklung von grünen Technologien geht. Diese Kreislaufwirtschaft bringt zukunftssichere Arbeitsplätze für die Menschen in der Region und stärkt Österreichs Wirtschafts- und Innovationsstandort gleichermaßen. Das ist ein Gewinn für Umwelt und Klima sowie Wertschöpfung, vor allem für die Menschen in der Region.“ (BO)