Infografik "Wohnungsbau: Baubewilligungen 2006 bis 2025" © VÖB
Jahreshauptversammlung des Verbandes Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB) – weniger Baubewilligungen als in der Krise 2009.
Die Hausaufgaben sind gemacht, allein das wirtschaftliche Umfeld hat sich verdüstert. Dennoch wollen die Unternehmen des Verbandes Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB) ihre umfassenden Nachhaltigkeitsmaßnahmen weiter vorantreiben, wie auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung in Linz betont wurde.
"Mit einem Anteil von rund acht Prozent am BIP gehört die Baubranche aus volkswirtschaftlicher Sicht zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen Österreichs. Unsere Betriebe sind vorsichtig optimistisch ins neue Jahr gestartet", erklärt VÖB-Vorsitzender Michael Wardian. Laut dem zuletzt veröffentlichten VÖB-Konjunkturbarometer rechneten fast 90 % der Befragten für das erste Halbjahr 2026 mit einem gleichbleibenden (73,5 %) oder steigenden (14,7 %) Umsatz. "Zwar waren die ersten beiden Monate des Jahres durch Dauerfrost und Schneefall ein wetterbedingter Dämpfer für die Bauwirtschaft, dennoch war die Hoffnung groß, dass wir den Tiefpunkt hinter uns gelassen haben. Für Optimismus sorgten vernünftige Energiepreise und mäßige Zinsen. Das amerikanisch-israelische Abenteuer im Nahen Osten hat vor allem im Hochbau jegliche Hoffnung zunichte gemacht. Die ursprünglichen Prognosen für die Konjunkturerholung scheinen kaum mehr erreichbar", sagt Wardian.
Selbst in Krise mehr Baubewilligungen
Wie dramatisch die Lage vor allem im Wohnbau ist, zeigt ein Blick in die Statistik. 2017, am Höhepunkt der letzten Baukonjunktur, wurden fast 87.000 neue Wohnungen baubewilligt, im Jahr 2025 waren es nur 47.636. Ein Rückgang von 45 %, wobei die Anzahl an baubewilligten Wohnungen in Neubauten sogar um 56 % zurückgegangen ist. "Selbst im Jahr 2009, inmitten der Wirtschafts- und Finanzkrise, gab es in Österreich mehr Baubewilligungen für neue Wohnungen als im Vorjahr", erklärt VÖB-Geschäftsführer Anton Glasmaier: "Nicht zuletzt deshalb fordern wir als VÖB schon seit einiger Zeit die Einführung eines Bauministeriums, welches sich um wichtige Themen wie die Ankurbelung des Wohnbaus, die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes und den Umweltschutz kümmern soll."
Doch nicht nur im Wohnungsbau drückt der konjunkturelle Schuh, auch zahlreichen Gemeinden mangelt es an Geld für dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen in der Kanalisation oder bei Kindergärten. Der Industrie wiederum fehlen angesichts der schwachen Konjunktur die Anreize für Investitionen in neue, nachhaltig gebaute Gebäude. "Eine geradezu toxische Mischung für unsere Betonfertigteilbranche", wie Michael Wardian anlässlich der Jahreshauptversammlung des VÖB festhält.
Neue Gesichter und ein immenser Beitrag zur regionalen Wertschöpfung
Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung kam es zudem zu einer Verjüngung des Teams rund um den VÖB-Vorsitzenden Michael Wardian. An seine Seite traten als stellvertretende Vorsitzende Simone Oberndorfer, Geschäftsführerin der Franz Oberndorfer GmbH & Co KG, und Sebastian Eder, Geschäftsführer der Systembau Eder GmbH. Abgehalten wurde die Jahreshauptversammlung übrigens an einem geradezu symbolträchtigen Ort: in der Raiffeisen Arena auf der Gugl in Linz, die seit 2023 wieder Heimstätte des aktuellen österreichischen Fußball-Bundesliga-Meisters und ÖFB-Cupsiegers LASK ist. Errichtet wurde das Stadion, das einer Studie zufolge jährlich 128,8 Millionen Euro an regionalwirtschaftlichen Effekten generiert, Großteils aus Betonfertigteilen eines oberösterreichischen Unternehmens. "Dadurch, dass Betonfertigteile nahezu immer in der Nähe des jeweiligen Bauvorhabens gefertigt werden, liefert unsere Industrie nicht nur einen immensen Beitrag zur Wertschöpfung in den Regionen, sondern entlastet durch die kurzen Transportwege auch die Umwelt", sagt Anton Glasmaier.
F&E-Projekte für die nachhaltige Transformation des Bauwesens
Um die Transformation des Bauwesens in Richtung Nachhaltigkeit zu unterstützen, beteiligt sich der VÖB an einer ganzen Reihe von Forschungs- und Entwicklungsinitiativen. So soll etwa im Rahmen des Projektes "agileTragwerksplanung" der Material- und Energieeinsatz durch verbesserte Planungs- und Berechnungsmethoden reduziert werden. Schlankere Bauteile, optimierte Querschnitte und eine bessere Abstimmung zwischen Planung, Produktion und Montage führen zu wirtschaftlicheren und ressourcenschonenderen Fertigteilkonstruktionen. Mit dem Projekt "LZinfra" wird ein standardisiertes Lebenszyklustool zur Nachhaltigkeitsbewertung von Verkehrsinfrastrukturen entwickelt. Ziel ist es, eine einheitliche, transparente und praxisnahe Bewertungsmethodik zu etablieren, die ökologische und ökonomische Aspekte eines Bauwerkes über den gesamten Lebenszyklus hinweg berücksichtigt. Das Projekt "EcoTwin" wiederum kombiniert digitale Zwillinge mit Nachhaltigkeitsbewertungen und Monitoringdaten, um Infrastrukturbauten über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu optimieren.
Zusätzlich hat der VÖB Branchen-EPDs (Environmental Product Declaration, Umweltproduktdeklaration) am Markt positioniert. "Ein EPD liefert umfassende Daten über die Umweltauswirkungen eines Bauprodukts über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg. Er ist damit die Grundlage für den gesamtheitlichen Ökobilanzvergleich eines Bauwerkes", erklärt Anton Glasmaier. (red.)