Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich © Ludwig Schedl
Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich, über künstliche Intelligenz, Europas Chancen im KI-Wettbewerb, 40 ereignisreiche Jahre SAP in Österreich und vieles mehr.
Herr Wagner, SAP Österreich feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen. Welche Rolle spielt dieses Jubiläum für Sie?
Das 40-jährige Jubiläum ist für uns ein wichtiger Meilenstein. Seit vier Jahrzehnten sind wir Digitalisierungspartner der österreichischen Wirtschaft, für Unternehmen aus allen Branchen und in jeder Größe. Wir begleiteten die Einführung der ersten ERP-Systeme in den 80ern über den Sprung in die Cloud und unterstützen Betriebe jetzt beim optimalen Einsatz von KI. Unsere Aufgabe ist und bleibt es, österreichische Unternehmen voll am technologischen Fortschritt teilhaben zu lassen, damit sie das volle Potenzial ihrer Geschäftsmodelle ausschöpfen können.
Und nehmen österreichische Betriebe derzeit dieses Angebot an?
Ja, wir verzeichnen insbesondere im Mittelstand eine starke Nachfrage. Das ist besonders wichtig, denn diese Unternehmen bilden das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft – ihre digitale Ausstattung und ihr Erfolg sind mitentscheidend für Wachstum und Wohlstand in diesem Land.
Ein wichtiger Faktor bei unserer Unterstützung für diese Betriebe ist unser integriertes Portfolio, das technologische und betriebswirtschaftliche Anforderungen verbindet. Unternehmen vertrauen darauf, dass wir sie ganzheitlich unterstützen können.
Welche Bedeutung hat künstliche Intelligenz in Ihrem Portfolio?
Wir gehen "All-in" bei KI, sie ist ein zentraler Bestandteil unserer Lösungen. Mittlerweile bieten wir rund 130 generative KI-Anwendungen und ermöglichen die Integration verschiedenster Sprachmodelle, von ChatGPT über Mistral AI und Gemini. Diese Technologie kann jedes Unternehmen produktiver machen, und wir sorgen dafür, dass österreichische Betriebe voll davon profitieren können, vom Weltkonzern bis zum KMU.
Welche Rolle spielen KI-Agenten in diesem Kontext?
KI-Agenten, die eigenständig komplexe Aufgaben in allen Geschäftsbereichen übernehmen können, sind ein entscheidender nächster Schritt. Sie entlasten die Beschäftigten und geben ihnen mehr Zeit für das, was Menschen besser können als jede Maschine: Kreativität, Strategie und Beziehungsarbeit.
Dafür setzen wir auf starke Partnerschaften – etwa mit Nvidia, Microsoft oder OpenAI –, um Innovationen schnell in marktreife Lösungen zu überführen.
Europa gilt im KI-Wettbewerb als Nachzügler. Wo sehen Sie dennoch Chancen?
Europa hat immenses Potenzial in der Anwendung von KI, allein schon wegen des Datenschatzes: Jährlich werden hier 35 Zettabyte an Daten produziert, eine Zahl mit 21 Nullen. Damit könnte man hoch spezialisierte KI-Agenten trainieren. Aber dafür müssen wir noch einige Hürden aus dem Weg räumen.
© Atelier Schulte
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"Wir begleiteten die Einführung der ersten ERP-Systeme in den 80ern über den Sprung in die Cloud und unterstützen Betriebe jetzt beim optimalen Einsatz von KI."
Andreas J. Wagner, Geschäftsführer SAP Österreich
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Wie wichtig ist digitale Souveränität in diesem Zusammenhang?
Sie ist essenziell. Digitale Souveränität bedeutet Kontrolle über Daten und Infrastrukturen. Doch die großen Chiphersteller, Hardwarehersteller und Softwareunternehmen kommen entweder aus den USA oder aus Asien. Außerdem werden 75 Prozent der weltweiten KI-Rechenleistung in den USA produziert. Diese Abhängigkeiten werden mittlerweile auf Vorstandsebenen diskutiert.
Deshalb investieren wir massiv in eine souveräne europäische Cloud, die höchsten Sicherheitsanforderungen entspricht – insbesondere auch für den öffentlichen Sektor.
Entscheidend ist auch, dass europäische Unternehmen vorhandene Technologien stärker in ihren Geschäftsalltag integrieren. Um das voranzutreiben, kann Europa bei Standards und Regulierung eine führende Rolle einnehmen – etwa durch einheitliche Qualitätsnormen, die Vertrauen gleichermaßen fördern.
Wie beurteilen Sie den Digitalisierungsgrad österreichischer Unternehmen?
Vor allem im KMU-Sektor besteht weiterhin Aufholbedarf. Wie erwähnt, freuen wir uns über einen wachsenden Kundenstamm in diesem Segment, aber da ist noch Luft nach oben. Das ist auch entscheidend für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts. Wir sind eine Exportnation, die Betriebe konkurrieren global. Doch in anderen Ländern ist etwa die KI-Nutzung schon wesentlich weiter fortgeschritten. Damit unsere Unternehmen an der Spitze bleiben, müssen sie die digitale Transformation jetzt angehen. Wir stehen als Berater und Partner bereit.
Viele Unternehmen zögern dennoch bei Investitionen. Wie lässt sich das ändern?
Durch konkrete Beispiele und messbare Ergebnisse. Unternehmen müssen sehen, welchen Mehrwert KI im Alltag bringt. Das merken wir immer wieder in Beratungsgesprächen. Gleichzeitig braucht es mehr Austausch zwischen Wirtschaft und Politik, auch auf europäischer Ebene, um Best Practices zu teilen. KI entwickelt sich rasend schnell, da müssen alle Akteure über das bestmögliche Verständnis verfügen und sich gegenseitig unterstützen.
Was sind die Voraussetzungen für erfolgreiche KI-Projekte?
Ein klar definierter Anwendungsfall ist entscheidend. KI sollte immer ein konkretes Problem lösen und nicht Selbstzweck sein. Ebenso wichtig ist, die Technologie für Menschen zugänglich zu machen – durch Schulung, Kommunikation und transparente Prozesse.
Wie verändert KI den Arbeitsmarkt?
Viele Tätigkeiten werden sich verändern, mancherorts kann es Einsparungen geben. Wir sehen das differenziert, denn es gibt gleichzeitig einen massiven Mangel an IT-Fachkräften in der Entwicklung oder in der Beratung. KI hilft eher, diesen Mangel zu kompensieren. Gleichzeitig entstehen neue Berufsbilder.
Wichtig ist, die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine sinnvoll zu gestalten. KI kann Produktivität steigern und hilft damit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Menschen werden in ihrem Geschäftsalltag von Routineaufgaben entlastet und können sich auf andere Bereiche konzentrieren, wie strategische Entscheidungen oder den Aufbau von Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und Partnern.
Welche Rolle spielt Weiterbildung in diesem Wandel?
Eine zentrale. Unternehmen müssen gezielt in Qualifizierung investieren. Wir bieten beispielsweise umfangreiche Weiterbildungsprogramme und Zertifizierungen an. Ziel ist es, Mitarbeitende eng in den Transformationsprozess einzubinden und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Jede Technologie ist nur so gut wie die Menschen, die sie einsetzen.
Gleichzeitig müssen wir womöglich Alternativen zu den klassischen Junior-Rollen finden, etwa durch Traineeprogramme. Denn langfristig brauchen wir weiterhin Expertinnen und Experten, die nicht nur KI bedienen, sondern auch in der Lage sind, Ergebnisse zu bewerten und zu hinterfragen. Außerdem bleiben menschliche Skills wie Kreativität und Empathie weiterhin entscheidend, und zwar in jeder Branche. (BO)
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