v.l. Christian Helmenstein, Vorstand des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica, Martin Madlo, Präsident der Austrian Datacenter Association, und Yves Zischek, Managing Director Digital Realty Schweiz & Österreich © Georg Krewenka
Rechenzentren entfalten laut einer Studie Multiplikator- sowie Spillover-Effekte.
Rechenzentren sind ein bedeutender Wachstumsmotor für die österreichische Wirtschaft. Sie entfalten nicht nur in der Bau- und Betriebsphase starke Multiplikator-Effekte, sondern bewirken auch hohe Spillover-Effekte auf Mikro- und Makroebene. Das zeigt die Studie "Ökonomische Effekte von Rechenzentren", die das Wirtschaftsforschungsinstitut Economica im Auftrag der Austrian Datacenter Association (ADCA) und mit Unterstützung der Digital Realty erstellt hat. "Rechenzentren verfügen über das Potenzial, die Volkswirtschaft nachhaltig zu stärken", sagt Prof. Christian Helmenstein, Vorstand des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica, und führt weiter aus: "Die Multiplikatoren sowohl in der Bau- als auch in der Betriebsphase liegen bei 1,6 bis 2,1." Martin Madlo, Präsident der Austrian Datacenter Association, betont: "Rechenzentren spielen eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche, digitale und technologische Zukunft Österreichs, gleichzeitig werden einzelne Projekte oft verkürzt und emotional diskutiert. Wir wollen mit der Studie transparent zeigen, welchen Mehrwert die Branche schafft."
Die Bauphase wirkt sich auf Baudienstleister, Architektur, Behörden, technische Ausstattung und Infrastrukturanbindung aus. Der laufende technische Betrieb betrifft Energie, Kühlung, Brandschutz, Sicherheit und Verwaltung. Hinzu kommen Dienstleistungen wie der IT-Betrieb und die Abwärmenutzung. "Rechenzentren skalieren hochspezialisierte Aufgaben, vertiefen die Arbeitsteilung zwischen Unternehmen und ermöglichen auf diese Weise neue Geschäftsmodelle, Kostenreduktionen und Umsatzwachstum sowie – vor allem – Produktivitätszuwächse als Wohlstandsquelle. Die ökodigitale Dividende des wirtschaftlichen Strukturwandels baut hauptsächlich auf der Verfügbarkeit von Rechenzentren auf", erläutert Helmenstein. In der Bauphase kommt ein Rechenzentrum auf einen Beschäftigungsmultiplikator von 1,7 bis 2,2, in der Betriebsphase erhöht sich dieser auf 1,6 bis 4,5, was den hochspezialisierten Charakter der Rechenzentrumsleistungen unterstreicht.
Nachhaltige Investitionstätigkeit: 40 Mio. Euro in 5 Jahren
In Österreich gibt es rund 50 Rechenzentren mit einem Energieverbrauch von ca. 1,4 TWh. 46 Prozent der heimischen Datacenter sind in Wien und Wien-Umgebung angesiedelt. Das größte Datacenter betreibt Digital Realty. "Das erste Rechenzentrum wurde vor über 20 Jahren errichtet. In den letzten fünf Jahren haben wir einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in den Standort investiert. Das zeigt, dass Datacenter-Projekte keine Einmal-Investitionen sind, sondern eine nachhaltige Investitionstätigkeit in den Standort bedeuten", erläutert Yves Zischek, Managing Director Digital Realty Schweiz & Österreich.
1 Cloud-Euro 1,45 Euro BIP-Effekt
"Rechenzentren sind Voraussetzung für Cloud und KI. Sie ermöglichen Cloud-Computing und moderne KI-Modelle", betont Madlo. Cloud leistet zwischen 2024 und 2030 einen ökonomischen Beitrag von 50 Milliarden Euro. Wenn das EU-Ziel der Cloudnutzung von 75 Prozent erreicht werden kann, würde sich dieser Wert um 9 Milliarden Euro erhöhen. "Der gesamte ökonomische Beitrag der Cloud-Nutzung in Österreich hat im Jahr 2023 mit 6,2 Milliarden Euro 1,3 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprochen. Mit einer Ausgabe von 1 Euro für die Cloud geht ein BIP-Effekt von 1,45 Euro einher", erläutert Helmenstein.
Verdreifachung der Nachfrage
"KI wirkt wie ein Turbo auf die Nachfrage. Im Jahr 2030 werden global rund 70 Prozent der gesamten Nachfrage nach Rechenzentrumskapazität auf KI-Anwendungen zurückgehen. In Deutschland werden in fünf Jahren etwa 40 Prozent aller Rechenzentren KI-Rechenzentren sein. Der AI Continent Action Plan sieht eine Verdreifachung der EU-Rechenzentrumskapazitäten in den nächsten fünf bis sieben Jahren vor", betont Madlo. "Das KI-Potenzial in Österreich liegt bei 18 Prozent der Bruttowertschöpfung. Um dieses Potenzial zu heben, müssen wir Rechenzentren entwickeln können. Von Seiten der Politik brauchen wir dafür nationale und regionale Standortkonzepte, priorisierten und planbaren Netzanschluss, wettbewerbsfähige Energieversorgung und priorisierte Genehmigungsverfahren", erklärt Madlo. Yves Zischek ergänzt abschließend: "Das ökonomische Wachstum ist an die Digitalisierung gebunden. Der nächste Wachstumsboom kommt von KI." (red.)
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