Die Standortagentur Austrian Business Agency (ABA) hat im Vorjahr mit 309 Betriebsansiedelungen einen leichten Rückgang verzeichnet. 2023 waren es noch 325 Unternehmen, die sich in Österreich angesiedelt hatten. Stark gestiegen ist hingegen die Zahl der Beratungen. Nach rund 12.700 Beratungen 2023 gab die Agentur im Vorjahr rund 21.500 Mal ausländischen Unternehmen oder Arbeitskräften Auskunft. Die Ansiedelungen schufen laut der ABA 2.216 neue Arbeitsplätze.

Die ABA ist für die Vermarktung des Wirtschaftsstandorts Österreich zuständig und berät kostenlos internationale Unternehmen und Investoren, die an einer Betriebsansiedlung in Österreich interessiert sind. Sie ist eine Tochter des Arbeits- und Wirtschaftsministeriums und steht damit zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes. Sie ist in die Bereiche "Invest", "Film" und "Work" aufgeteilt.

In der Investitionssparte verzeichnete die Standortagentur 1,1 Mrd. Euro an Kapital, das die angesiedelten Unternehmen hierzulande investierten. "In einem Rezessionsjahr wie 2024 1,1 Mrd. Euro Investments zu erreichen und 309 Betriebsansiedelungen zu schaffen, ist angesichts der Rahmenbedingungen mehr als respektabel", sagte Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) am Donnerstag bei seiner ersten Pressekonferenz in seiner neuen Funktion als Wirtschaftsminister. Ansiedelungen gab es vor allem in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien (66), wirtschaftsnahe Dienstleistungen (44) sowie Einzelhandel (25). Die Branchen Gesundheit/BioTech (21) und Energie- und Umwelttechnik (17) bekamen auch Zulauf. Unter den angesiedelten Unternehmen waren 40 internationale Start-ups. Dennoch müsse man sich fragen, "wo wir die Stellschrauben haben, um für internationale Ansiedelungen attraktiver zu werden", so Hattmannsdorfer.

Ansiedelungen vor allem aus Deutschland und nach Wien

Von den 309 neuen Betriebsansiedelungen oder -erweiterungen kam fast ein Drittel (102) aus Deutschland. "Wir erhoffen uns jetzt natürlich durch die neue Situation in Deutschland, dass da der Motor wieder stärker anspringt, sodass wir auch in Zukunft aus Deutschland mit hohen Zahlen rechnen können", sagte René Tritscher, Geschäftsführer der ABA, angesichts des für Deutschland angekündigten 500 Mrd. Euro schweren Finanzpakets. Mit deutlichem Abstand folgten mit Italien (23) Schweiz und Ungarn (je 20) weitere Nachbarländer. Aus den Vereinigten Staaten kamen 13 Unternehmen nach Österreich, aus China waren es sieben.

Ein prominentes Beispiel für eine solche Ansiedelung ist das Anfang März beschlossene Joint Venture zwischen der teilstaatlichen österreichischen OMV und Adnoc aus Abu Dhabi. Die Borouge Group International, ein Zusammenschluss der beiden Petrochemie-Töchter Borealis und Borouge, soll ihren Sitz in Österreich haben.

Bei den ausländischen Unternehmen, die sich für einen Standort in Österreich entschieden, war Wien erneut sehr beliebt. Mit 178 Ansiedelungen machte die Hauptstadt den Großteil aus. Bei den restlichen Bundesländern waren die Ansiedelungen recht ausgeglichen. Den geteilten zweiten Platz belegten Nieder- und Oberösterreich mit je 21 neuen ausländischen Unternehmen, gefolgt von Salzburg und Tirol mit jeweils 19.

Fast 4.000 Beratungen zur Rot-Weiß-Rot-Karte

Auf einem ähnlichen Niveau blieb das Interesse an der Rot-Weiß-Rot-Karte. Die "Work in Austria"-Sparte unterstützt Unternehmen bei der Anstellung ausländischer Fachkräfte. Im Vorjahr führte die ABA 3.932 Beratungen zur Rot-Weiß-Rot-Karte und anderen Aufenthaltstiteln durch. Die "Film"-Sparte der ABA realisierte sieben Film- und Serienproduktionen, nach 29 Produktionen im Jahr davor.

Der starke Anstieg an Beratungen im Allgemeinen, rund 70 Prozent mehr als 2023, lasse sich insbesondere auf die Beratung von Arbeitskräften zurückführen, so Tritscher zur APA. Fast 16.000 der rund 21.500 Beratungen entfielen auf diese Gespräche.

(APA)