Der IWF blickt optimistisch ins kommende Jahr © APA - Austria Presse Agentur
Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet erst im nächsten Jahr wieder mit einem stärkeren Wachstum der Weltwirtschaft. Für dieses Jahr hob die Finanzorganisation ihre Prognose minimal auf 3,1 Prozent an, wie der IWF am Dienstag in Bangkok mitteilte. Für Österreich prognostiziert der IWF heuer ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent und von 0,9 Prozent im kommenden Jahr.
Die Teuerung bleibt in Österreich aber hoch. Die Inflationsrate soll hierzulande im laufenden Jahr 3,1 Prozent betragen und im kommenden Jahr noch auf 3,3 Prozent steigen, geht aus dem aktuellen "World Economic Outlook" des IWF hervor.
KI-Investitionen stützen Weltwirtschaft
2025 wuchs die Weltwirtschaft um 3,5 Prozent. Für 2027 prognostiziert der Fonds unverändert einen Zuwachs von 3,4 Prozent, sofern sich die Lage im Nahen Osten wie erwartet normalisiert. Die hohen Energiepreise belasteten die Weltwirtschaft, fügte der IWF hinzu. Zugleich stützten aber hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) die Wirtschaft. Indientraut der IWF ein deutlich höheres Wachstum zu, Deutschland ebenfalls, vor allem für dieses Jahr. Wachstumstreiber sind zudem die USA und China.
Die Weltwirtschaft habe sich im Jahresverlauf bisher besser geschlagen als gedacht. Es gibt laut IWF neben den Kriegen in Nahost und der Ukraine aber zahlreiche weitere Risiken. Handelsstreitigkeiten lägen wie eine dunkle Wolke über der Weltwirtschaft. Die Energiepreise seien nicht nur höher, sondern auch schwankungsanfälliger. Die Verschuldung sei auch in großen Ländern hoch und steige weiter an. Für Ausgleich sorge der KI-Boom. Der Anteil des Handels mit KI-Hardware sei exponentiell gestiegen. Die USA und China sind in hier besonders aktiv.
IWF besorgt über hohe Staatsverschuldung
Die neue Chefökonomin des IWF, Silvana Tenreyro, sagte Journalisten in der thailändischen Hauptstadt, KI kurbele auch das Wachstum in Indien und anderen asiatischen Ländern an. Ohne den KI-Schub wäre der Welthandel weitaus langsamer gewachsen. Er habe zwischen 2023 und 2025 um 8,3 Prozent zugelegt, während es bei KI-Bezug 29 Prozent waren. Tenreyro betonte aber auch, der IWF sei weiterhin besorgt über die hohe Verschuldung und fordere die Länder nachdrücklich auf, mit Haushaltskürzungen zu beginnen, um die Defizite abzubauen.
Der von den USA begonnene Iran-Krieg hat zu Einschränkungen bei Öl- und Gaslieferungen durch die Straße von Hormus geführt. Der IWF geht davon aus, dass sich die Lage in der wichtigen Meerenge am Persischen Golf 2027 schrittweise bessert. Bis Oktober 2027 dürfte die Schiffsroute weitgehend wie vor dem Krieg wieder genutzt werden. Trotzdem dürfte die Unsicherheit hoch bleiben, ebenso wie die Energiepreise. Das hat Folgen für die weltweite Inflation. Sie dürfte 2026 auf 4,7 Prozent (2025: 4,1 Prozent) steigen. 2027 wird sie nach Schätzung des IWF zwar wieder bei 4,1 Prozent liegen, das sind aber 0,2 Punkte mehr als bisher angenommen.
Irland und Spanien wachsen im EU-Vergleich besonders stark
In Europa werden wahrscheinlich Irland und Spanien besonders hohe Wachstumsraten ausweisen können. Aber auch Deutschland traut der IWF mehr zu - 2026 ein Plus von 1,3 Prozent, 2027 dann 1,1 Prozent. Damit wurde die Schätzung für 2026 um 0,6 Punkte angehoben, für 2027 um 0,1 Punkte. Führende Forschungsinstitute und die deutsche Bundesregierung hatten ihre Prognosen zuletzt ebenfalls deutlich angehoben. Getrieben wird das Wachstum vor allem von schuldenfinanzierten Investitionen des Staates, zudem von den Exporten. Viele Unternehmen zögern aber mit Investitionen hierzulande, auch der Konsum ist schwach.
Den USA sagt der IWF für 2026 und 2027 jeweils ein Wachstum von 2,3 Prozent voraus, getragen vom privaten Konsum, den hohen Staatsausgaben sowie Technologieinvestitionen. China dürfte um 4,5 und 4,0 Prozent zulegen, einen Tick weniger als bisher geschätzt. Indien werden jeweils 7,0 Prozent zugetraut. Das sind 0,6 und 0,3 Punkte mehr als bisher angenommen. Insgesamt werden 95 Prozent des weltweiten Wachstums von nur 32 Ländern getragen, im April waren es noch 54 Staaten. Für den Zeitraum 2028 bis 2031 rechnet der IWF nur mit einem durchschnittlichen Wachstum von 3,2 Prozent pro Jahr. Von 2000 bis 2019 waren es noch 3,7 Prozent.
Schrumpfende Wirtschaft in Golf-Region
Die Golf-Staaten werden wegen des Krieges in unmittelbarer Nachbarschaft in Mitleidenschaft gezogen. Die Wirtschaft Saudi-Arabiens dürfte dieses Jahr um 3,3 Prozent schrumpfen. Im Juli wurde noch ein Wachstum von 1,7 Prozent erwartet. Auch für den Iran, den Irak, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate werden jeweils tiefe Rezessionen prognostiziert.