Momentum Insitut empfiehlt Umverteilung von Reich zu Arm © APA - Austria Presse Agentur
Die erhöhte Sparquote der Menschen in Österreich von zuletzt 11,8 Prozent ist angesichts der Rezession immer wieder Thema gewesen. Schließlich hilft Geld auf Sparbüchern der Wirtschaft kaum. Das Arbeiterkammer-nahe Momentum Institut hat nun Ansätze präsentiert, die aus seiner Sicht die Sparquote senken und die Wirtschaft ankurbeln. Dabei dreht es sich vor allem um eine Umverteilung von Reich zu Arm, um die Nachfrage der unteren Einkommen und somit die Ökonomie zu stützen.
Denn während "reiche Haushalte sehr viel sparen können", würden "die Ausgaben das Einkommen bei Armen übersteigen", heißt es in einer Momentum-Mitteilung. Die Sparquote stieg von 2023 auf 2024 hierzulande von 8,7 auf 11,8 Prozent an, während sie in der Eurozone im Vorjahr 8,4 Prozent betrug. Damit hätten die hiesigen Haushalte im Vorjahr mit fast 34 Mrd. Euro um gut 10 Milliarden mehr gespart als 2023. "Das zusätzlich gesparte Einkommen allein entspricht über zwei Prozent der Wirtschaftsleistung und fehlt im Konsum", so das Institut.
Einkommenszuwächse wanderten zuletzt direkt aufs Sparbuch
Die Sparquote misst, welchen Anteil des verfügbaren Nettoeinkommens Haushalte zur Seite legen. Gesamtwirtschaftlich betrachtet stiegen die Einkommen in Österreich 2024 preisbereinigt um 3,5 Prozent. Der Konsum hingegen ist laut Momentum lediglich um 0,1-Prozent gewachsen. "Die hiesige Bevölkerung sparte 2024 im Schnitt also fast all ihre Einkommenszuwächse aus dem Vorjahr."
"Das schadet der Konjunktur, denn anstatt, dass das Geld bei den Unternehmen landet und die Wirtschaft in Gang bringt, landet es am Sparkonto oder bei den besonders Reichen in Aktien und Fonds", so Momentum-Ökonomin Miriam Frauenlob. "Hierbei ist es aber wichtig, nicht alle Haushalte über einen Kamm zu scheren. Wer jetzt schon mehr ausgeben muss, um über die Runden zu kommen, dem kann man nicht die Schuld für die schleppende Wirtschaft in die Schuhe schieben, weil zu viel gespart würde."
Haushalte der unteren Einkommensstufen könnten kaum sparen. Die Ärmsten haben eine negative Sparquote, kämen mit dem verfügbaren Einkommen nicht aus. Reichere sparten mehr, das fehle bei Konsumausgaben. Erst ab dem vierten Zehntel könne in geringem Volumen von durchschnittlich 63 Euro im Monat gespart werden. Im Vergleich dazu spare ein Haushalt im obersten Zehntel mit mehr als 2.000 Euro 33-mal so viel.
Also gehören aus Sicht der arbeitnehmervertretungsnahen Ökonominnen und Ökonomen die einkommensärmeren Zehntel gestärkt. So treffe das Aussetzen der Valorisierung von Familienleistungen einkommensärmere Haushalte viel stärker. "Bei der unteren Einkommenshälfte geht de facto fast das ganze verfügbare Einkommen in den Konsum. Bleibt ihnen weniger, landet auch weniger bei den Unternehmen und schließlich auch weniger durch ausbleibende Steuereinnahmen beim Staat", so Frauenlob.
Vorschläge zur Senkung der Sparquote
Es gebe viele wirtschaftspolitische Maßnahmen, mit denen man die Sparquote reduzieren kann. "Allen voran würde eine Umverteilung nach unten die Sparquote fast schon automatisch senken, da die obersten Dezile (Zehntel, Anm.) eine niedrige Konsumneigung haben." Weiters könne "Vorsichtssparen" minimiert werden, "indem die Regierung die Angst vor Arbeitslosigkeit reduziert, etwa durch Kurzarbeit, Arbeitsstiftungen, Beschäftigungsinitiativen für Langzeitarbeitslose sowie einer Job-Garantie." Weiters sei eine Erhöhung der Nettoersatzrate für das Arbeitslosengeld von aktuell 55 auf 70 Prozent angebracht - eine Dauerforderung der AK und der Gewerkschaft.
Statt Familien- und Sozialleistungen einzufrieren, sollten Vermögen- und Erbschaftssteuern wiedereingeführt werden, meint das Momentum Institut. Damit könne man die Konsumnachfrage von Einkommensärmeren und Familien erhalten und gleichzeitig die Sparquote von den Reichsten reduzieren.
Die Kapitalertragssteuer gehöre erhöht. So lasse sich eine Progressivität in der Steuer erzielen. Hebt man den Steuersatz wie in Schweden auf 30 Prozent, könnten 560 Millionen Euro pro Jahr an Mehreinnahmen generiert werden. Die Körperschaftssteuer (KöSt) gehöre wieder rückerhöht. Dafür müssten Einmalzahlungen und Überförderungen abgeschafft und Subventionen abgebaut werden.