Steigende Chip-Nachfrage ist ein guter Frühindikator für Weltwirtschaft © APA - Austria Presse Agentur
Angetrieben von der boomenden Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz (KI) haben Taiwans Exporteure im vergangenen Jahr so viele Aufträge erhalten wie nie zuvor. Das Neugeschäft legte im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent auf 743,73 Milliarden Dollar (634 Milliarden Euro) zu, wie das Wirtschaftsministerium am Dienstag in Taipeh mitteilte.
Allein im Dezember wuchsen die Bestellungen um 43,8 Prozent. Analysten hatten nur mit einem Plus von 36,3 Prozent gerechnet. Dies war bereits der elfte monatliche Anstieg in Folge.
Gute Vorzeichen für das Gesamtjahr
Die Aufträge bei taiwanischen Technologie-Unternehmen wie dem weltgrößten Chip-Auftragsfertiger TSMC gelten als Frühindikator für die weltweite Nachfrage in der Branche. TSMC hatte vergangene Woche mit einem Gewinnsprung von 35 Prozent im vierten Quartal die Prognosen übertroffen. Das Ministerium rechnet damit, dass sich die Dynamik bis weit ins Jahr 2026 fortsetzen könnte, da neue Bereiche wie KI und Hochleistungsrechnen weiter expandierten.
Für Jänner wird ein Anstieg der Exportaufträge zwischen 45,7 und 49,9 Prozent im Jahresvergleich erwartet. Unsicherheiten wie die Handelspolitik und geopolitische Risiken belasteten jedoch weiterhin die weltweite Handelsdynamik, hieß es weiter.
Nachfrage aus China stieg um 15 Prozent
Im Detail zeigten die Zahlen für Dezember einen Anstieg der Aufträge für Telekommunikationsprodukte um 88,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Bestellungen für elektronische Produkte wuchsen um 39,9 Prozent. Regional betrachtet stiegen die Aufträge aus den USA um 55,3 Prozent, nach einem Plus von 56,1 Prozent im Vormonat. Die Bestellungen aus Europa legten um 47 Prozent zu, während die aus Japan um 26,3 Prozent zunahmen. Die Nachfrage aus China zog um 15 Prozent an.
Taiwan ist auch für Deutschland wichtig. Das Berliner Mercator Institut für Chinastudien (Merics) warnte kürzlich angesichts zunehmender Spannungen in Ostasien vor erheblichen Konsequenzen auch für Deutschland. China betrachtet Taiwan als Teil des eigenen Staatsgebietes und schließt eine militärische Eroberung nicht aus. "Jegliche politische, wirtschaftliche oder sogar militärische Eskalation in der Region und speziell um Taiwan könnte der deutschen Wirtschaft erheblich schaden", sagte Merics-Expertin Claudia Wessling der Nachrichtenagentur Reuters. Die Straße von Taiwan sei eine der wichtigsten Wasserstraßen für die globale Containerschifffahrt.
"Ein Konflikt in der Region würde weltweit Lieferketten unterbrechen, was natürlich auch Deutschland treffen würde." Hinzu komme, dass Tausende deutsche Unternehmen in der Volksrepublik China und Hunderte in Taiwan präsent seien, die im Falle eines Konflikts mit Unterbrechungen ihrer Markt- und Handelstätigkeit rechnen müssten.