Das Hochwasser im September hat Miraplast schwer getroffen. Das Unternehmen hat die Chance genutzt und in neue Maschinen investiert (v. l.): Mag. Markus Brunnthaler, sein Vater Gerhard Brunnthaler, Werner Sucharda vom Maschinenhersteller Engel. © Tobias Neumann
Das 60. Jubiläum von Miraplast wurde vom Jahrhunderthochwasser überschattet. Dank beispiellosem Engagement ist das Unternehmen aus Würmla auf bestem Weg zu neuer Stärke.
Die NEW BUSINESS Redaktion begleitet die ereignisreiche Geschichte des niederösterreichischen Kunststoffspezialisten Miraplast seit geraumer Zeit. Im Gespräch mit Geschäftsführer Markus Brunnthaler blicken wir diesmal unter anderem auf die Highlights des Jubiläumsjahres 2024, das von einem Jahr des Feierns zu einem der härtesten und arbeitsamsten Jahre in der Firmengeschichte geworden ist.
Herr Brunnthaler, wie hat Miraplast das 60. Jubiläum gefeiert?
Wir hatten ganz tolle Veranstaltungen und haben viel Lob und Anerkennung für unsere Arbeit bekommen. Im Juni haben wir unser Werk im Rahmen eines Tages der offenen Tür für Besucher geöffnet. Den ganzen Tag über konnte man das Werk besichtigen, etwas zur Geschichte der Firma erfahren, ausgiebig shoppen, und für das leibliche Wohl war natürlich auch gesorgt. An diesem Tag haben uns ungefähr 800 Leute besucht! Ein Fixpunkt sind für uns natürlich auch Betriebsbesichtigungen, die in diesem Jubiläumsjahr auch sehr zahlreich stattgefunden haben.
Das große Highlight waren zwei Veranstaltungen Anfang September. Zusammen mit dem Kunststoffcluster gab es eine Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit in der Kunststoffbranche samt Führung durch das Werk. In diesen Rahmen eingebettet haben wir unsere Festveranstaltung für die offiziellen Gäste aus Wirtschaft und Politik. Bei Kaiserwetter und ganz toller Stimmung, durften wir nicht nur viele Glückwünsche entgegennehmen, sondern gemeinsam mit unseren Gästen auch ein sehr schönes Fest feiern.
Tags darauf hat dann die Miraplast-Familie gefeiert! Zusammen mit unseren Mitarbeitern, deren Partnern sowie pensionierten Mitarbeitern. Hier sind Menschen unserer Einladung gefolgt, die schon 1971 für uns gearbeitet haben – sozusagen aus der Gründungszeit in Würmla.
Und dann kam eine Flut!?
Ja, zehn Tage nach unserem Fest haben die starken Regenfälle dazu geführt, dass der Ort Würmla und auch unser Werk unter Wasser standen. Ich war die ganze Nacht und den ganzen Tag im Werk und trotz der vielen getroffenen Vorkehrungen sind wir an einigen Stellen bis zu 70 cm überschwemmt worden. Alle Maschinen standen unter Wasser und führten zum totalen Stillstand der Produktion.
Wie haben sich die ersten Wochen nach der Katastrophe entwickelt?
Wichtig war es, einen kühlen Kopf zu bewahren und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Für mich war immer ganz klar, dass wir stärker zurückkommen werden als zuvor! Mit viel Unterstützung der Feuerwehr, des Militärs und natürlich unserer Mitarbeiter wurde sofort mit dem Wiederaufbau begonnen. Hilfsbereite Branchenkollegen haben uns Produktionskapazität zu Verfügung gestellt.
Auch unsere Maschinenlieferanten haben ihr Bestes gegeben, indem sie mit Leihmaschinen ausgeholfen und uns tatkräftig bei der Reparatur sowie den Neuanschaffungen unterstützt haben. Ende November sind die ersten neuen Anlagen geliefert worden. Mittlerweile sind wir nahezu wieder komplett.
Wie sieht die Situation heute aus?
Wir haben keinen Kunden verloren und konnten mit Verzögerung – bis auf einige Ausnahmen – alles liefern. Die Katastrophe hat auch die Stärke unseres Teams gezeigt! Die Leute waren unglaublich, ihr Engagement und der Zusammenhalt haben mich tief beeindruckt.
In Kürze wird unser Factory Shop wieder eröffnet und auch Exkursionen werden wieder möglich sein. Nach dem Geburtsfest im letzten Jahr planen wir heuer ein Comeback-Fest. Das wird zwar noch etwas dauern, aber die Vorfreude ist bereits groß.
Sie haben vorhin erwähnt, dass Miraplast stärker zurückkommen wird als zuvor. Können Sie diese neuen Stärken näher beschreiben?
Ein großer Teil unserer Maschinen waren Totalschäden und mussten durch neue Maschinen ersetzt werden. Hier haben wir Augenmerk auf mehr Energieeffizienz sowie höhere Fertigungsgenauigkeit gelegt. Wir werden also nicht nur Produkte mit einem besseren Carbon Footprint erzeugen können, sondern darüber hinaus Teile mit höherer Genauigkeit am Markt anbieten können. Gerade im Formenbau konnten wir Fertigungsschritte automatisieren. Das wird uns helfen, schneller und konkurrenzfähiger Formen bauen zu können.
Mit Blick auf die nächsten 60. Jahre – was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir Bedingungen, die es möglich machen, in Österreich zu produzieren. So schaffen wir Arbeitsplätze, sichern unseren Wohlstand und geben den Menschen eine positive Vision für die Zukunft. Dazu müsste wohl Unternehmertum geschätzt, Arbeit belohnt und Lernen attraktiv werden! (BO)