Evren Aksoy, Geschäftsführer Beko Austria AG, im Porträt.

NEW BUSINESS - NR. 4, APRIL 2026
»Der einzige Weg, absolut keine Fehler zu machen, ist, ­überhaupt nichts zu tun. Entscheidend ist, aus ihnen zu lernen und sie nicht zu wiederholen.« © Beko

Das Puzzle des Erfolgs: Alles Stück für Stück zusammenfügen und sich der Vision nähern – Evren Aksoy hat den geschulten Blick fürs große Ganze.

Geboren und aufgewachsen ist Evren Aksoy, heute ­Geschäftsführer der Beko Austria AG, im lebendigen und vielfältigen Istanbul. „Einem Ort, an dem Kontinente und Kulturen aufeinandertreffen“, wie er sagt. Autos, Städte und urbanes Design faszinierten ihn schon als Kind, stundenlang baute er Miniaturstädte aus Matchbox-Autos und Legosteinen. Für ihn war das mehr als ein Spiel:

„Es war meine erste Entdeckung, wie verschiedene Elemente harmonisch zusammenwirken, um ein funktionierendes Ganzes zu schaffen.“ Diese kindliche Faszination für den Bau von Städten entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem tiefen Interesse an Systemdenken und Effizienz – und brachte ihn schließlich zum Studium des Wirtschaftsingenieurwesens. 

Der Bereich Wissensmanagement hatte es ihm dabei besonders angetan, und der offene, transparente und kooperative Umgang mit Wissen ist ihm bis heute ein großes Anliegen. Seine Begeisterung dafür gab er auch acht Jahre lang als Dozent an der Technischen Universität Istanbul weiter.

Schritt in ein neues Land
„Meine berufliche Reise in der Unternehmenswelt begann beim Koç-Konzern, dem größten Konglomerat der Türkei und unserem Mutterunternehmen, wo ich direkt nach dem ­Universitätsabschluss als Management-Trainee startete“, erinnert sich Aksoy. Seit 1997 ist er Teil dieses Konzerns und war in verschiedenen Führungspositionen in Bereichen wie Strategie, Planung und Vertrieb tätig. 2018 erhielt er das Angebot, nach Frankfurt zu wechseln und als Business Development and Direct Sales Director Verantwortung für Nordeuropa zu übernehmen. 

„Der Schritt von unserer Zentrale in Istanbul in ein neues Land bedeutete einen großen Sprung für mich und veränderte meine berufliche Perspektive grundlegend.“ Zunächst war er für die Benelux-Länder zuständig, bevor die Tochtergesellschaft in der Schweiz etabliert wurde. 

„Die Erfolge und das Wachstum in diesen Märkten ebneten mir direkt den Weg zu meiner heutigen Position als Geschäftsführer der Beko Austria AG. Heute leite ich Beko Europe für Österreich und die Schweiz – ein Unternehmen, das in Europa führend bei großen Haushaltsgeräten ist und 16 Marken im Portfolio hat, darunter ­Elektrabregenz, Beko, Bauknecht und ­Indesit“, erzählt der verheiratete Vater von zwei Töchtern stolz.

Gleichgewicht der Puzzleteile
Die Länder, für die er zuständig ist, bringen individuelle Ansprüche mit sich, die beachtet werden wollen: „Die Leitung von Österreich und der Schweiz ist eine duale Herausforderung: Wir nutzen Synergien auf der einen Seite, bewahren aber die absolute lokale Relevanz – wie bei unserer Marke Elektrabregenz – auf der anderen.“

Hinzu kommt, dass sich das Unternehmen in einer entscheidenden Phase nach der Fusion zu Beko Europe befindet – einem Joint Venture zwischen Beko und Whirlpool, an dem Beko 75 Prozent der Anteile hält. Aksoy dazu: „Wir arbeiten intensiv daran, die Organisationen zu integrieren und Prozesse länderübergreifend zu harmonisieren. Mein Ziel ist es, das Beste aus beiden Welten zusammenzuführen und ein effizienteres, einheitliches und wettbewerbsfähigeres Unternehmen zu schaffen.“ 

Genau das ist es, was ihn an seiner Aufgabe fasziniert: neue Herausforderungen zu meistern und Lösungen zu finden. „Übergänge wie unsere aktuelle Fusion gleichen einem komplexen Puzzle: Stück für Stück alles zusammenzufügen und so unserer Vision näherzukommen, motiviert mich enorm.“

Die eingeschlagene Richtung stimmt. „Wir sind stolz darauf, dass Beko Europe heute der führende Anbieter von Haushaltsgroßgeräten und die Nummer 1 in Europa ist. Unser Erfolg basiert auf globaler Verantwortung: Unsere Muttergesellschaft wurde zum siebten Mal in Folge als Branchenführer im Dow Jones Sustainability Index ausgezeichnet. Mit Platz 17 auf der TIME/Statista-Liste 2025 der nachhaltigsten Unternehmen weltweit setzen wir den Benchmark für eine grüne Zukunft – bis ins kleinste Detail“, sagt Evren Aksoy.

Der „Winning Spirit“
Das Team steht für ihn immer im Vordergrund. Denn was das Unternehmen seiner tiefsten Überzeugung nach auszeichnet, sind die Begeisterung und der Ehrgeiz seiner Mitarbeitenden: „Der ‚Winning Spirit‘ ist unser entscheidender Vorteil. Ich sage meinem Team stets: Dieser Spirit ist unser wertvollstes Kapital; ihn zu verlieren, würde uns tiefer treffen als jede wirtschaftliche Herausforderung. Er treibt unser Wachstum und unsere Widerstandskraft an.“

Das findet sich auch in seinem Führungsstil wieder. „Ich verstehe mich als wissensvermittelnder Leader. Ich halte keine Informationen zurück, sondern teile aktiv meine Erfahrung und Analysen, damit mein Team komplexe Herausforderungen souverän meistern kann“, so Aksoy. Er führt weiter aus: „Besonders in der aktuellen Phase der Fusion ist mir wichtig, dass mein Team agil bleibt, offen für neue Ansätze ist und jede Herausforderung als neues Puzzle betrachtet, das gelöst werden will.“

Risiken eingehen und lernen
Selbstverständlich kann nicht immer jedes Puzzle auf Anhieb gelöst werden. Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf. Dazu hat der Beko-Geschäftsführer eine gesunde Einstellung: „Ich sehe Fehler als unverzichtbare Lernchancen. Der einzige Weg, absolut keine Fehler zu machen, ist, überhaupt nichts zu tun. Entscheidend ist, aus ihnen zu lernen und sie nicht zu wiederholen. Ich ermutige mein Team aktiv, Risiken einzugehen und die Erfahrungen aus den Ergebnissen zu nutzen.“ (RNF)


7 FRAGEN AN EVREN AKSOY

Was wollten Sie als Kind werden?
Ursprünglich dachte ich, ich würde Architekt werden, weil ich es liebte, Miniaturstädte zu bauen. Schon bald erkannte ich jedoch, dass mein eigentliches Interesse den Systemen und der Logik galt, die das Funktionieren dieser ­Städte bestimmten. 

Was bedeutet Glück für Sie?
Glück bedeutet für mich Gesundheit und Erfolg in der Familie. Es heißt, zu wissen, dass es meinen Liebsten gut geht und dass sie ihren eigenen Weg zu Erfolg und Erfüllung finden.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Ich habe kürzlich eine Reihe von Romanen von Matt Haig beendet, darunter „The Midnight Library“ (Die Mitternachtsbibliothek), „How to Stop Time“ (Wie man die Zeit anhält) und „The Life Impossible“ (Die Unmöglichkeit des Lebens). 

Diese Bücher teilen ein zentrales Thema der Selbstfindung und ­erkunden die tiefgehende Reise, sich selbst durch ­abenteuerliche und oft fantastische Umstände zu ­entdecken. Sie sind wie Fabeln zur Heilung, die ­Elemente des magischen Realismus nutzen, um zu zeigen, wie das Betreten des Unbekannten jemanden aus einem Zustand von Trauer oder Stillstand zurück in ein Leben voller lebendiger Verbindung und Sinn führen kann.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?
Niemals aufgeben. Für mich ist das mehr als nur ein Spruch; es ist ein grundlegendes Prinzip, das meine Reise vom Wirtschaftsingenieur-Studenten in Istanbul bis hin zum Geschäftsführer in Österreich geprägt hat. In der Unternehmenswelt – insbesondere bei komplexen Übergängen wie der aktuellen Fusion zwischen Beko und Whirlpool – sind Herausforderungen unvermeidlich. Ich betrachte diese Herausforderungen nicht als Hindernisse, sondern als Puzzles, die mit ­Ausdauer und analytischem Denken gelöst werden müssen.

Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, sich bisher aber nicht getraut haben?
Ich habe schon immer davon geträumt, eine lange, ausgedehnte Reise zu unternehmen, um die Welt zu erkunden. Allerdings ist es schwierig, die Zeit dafür zu finden, und mit meinen Töchtern in ihrem jetzigen Alter ist meine Familie derzeit noch nicht für eine so lange ­Reise verfügbar.

Was motiviert Sie, tagtäglich aufzustehen?
Die Möglichkeit, neue Probleme zu lösen und neue Ziele zu erreichen. 

Wenn Sie ein Tier wären, ­welches wären Sie dann und ­warum?
Wenn ich ein Tier wäre, wäre ich ein Vogel, wie ein Wanderfalke. Diese Wahl hängt mit meinem Berufsleben zusammen, in dem ich häufig zwischen Märkten unterwegs bin. Ich sehe diese Flüge nicht als Belastung, sondern als wichtige Gelegenheit, den Kopf freizubekommen und eine „Vogelperspektive“ auf meine Verantwortung zu gewinnen.

Der Falke gehört zu den widerstandsfähigsten und agilsten Tieren der Erde und kann immense Strecken zurücklegen. Dies spiegelt meine eigene Rolle wider, in der ich weite Gebiete überblicke und die komplexen Anforderungen von Österreich und der Schweiz ausbalancieren muss. Wie der Falke bemühe ich mich, einen klaren, strategischen „Big Picture“-Blick von oben zu behalten, um das gesamte System zu erfassen und ­meine Ziele mit absoluter Präzision zu erreichen.


ZUR PERSON
Erfahrung als Erfolgsfaktor 
Evren Aksoy ist seit fast 30 Jahren für ­Beko tätig. Nach dem Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen an der Istanbul Technical University (ITU) erwarb er einen Master in Engineering Management an der Marmara Universität und promovierte schließlich an der ITU in Wirtschaftsingenieurwesen. In seiner Forschung spezialisierte er sich auf Wissensmanagement und „Six Sigma Intellectual Capital“. Seine Laufbahn bei Beko (bzw. dem Mutter­unternehmen Koç) begann 1997 und führte ihn über spezialisierte Bereiche wie Qualität, Six Sigma und strategische Planung in leitende Vertriebsfunktionen. Nach erfolgreichen Jahren als Business Development and Direct Sales Director für Nordeuropa führt er seit 2021 die Geschäfte in der Schweiz und seit Oktober 2022 zusätzlich jene der Beko Austria AG.