v.l.n.r. Rupert Ursin, CEO & Founder von zerothird, Harald Kräuter, Technischer Direktor des ORF, Karl-Heinz Grundböck, Sprecher der Parlamentsdirektion, Michael Wagenhofer, CEO von Big Blue Marble © Parlamentsdirektion/Sattler-Remling
Das Parlament und der ORF haben erstmals ein Fernsehsignal quantenkryptografisch abgesichert.
Quantentechnologien und der "reale Alltag" des Berufs- und Privatlebens haben bislang noch ausnehmend wenige Schnittpunkte. Doch es gibt immer wieder Pionierleistungen, die das ändern könnten – auch (oder gerade) in Österreich. Eine davon fand Anfang dieser Woche in Wien statt. Das österreichische Parlament und der ORF haben erstmals ein Fernsehsignal auf der Strecke zwischen dem Parlament und den ORF-Studios am Küniglberg quantenkryptografisch abgesichert. In einer Aussendung wird in diesem Zusammenhang von einem "Wendepunkt im Umgang mit sensiblen Informationen in Demokratie, Medien und Wirtschaft" gesprochen.
"Die Verlässlichkeit der Information, die aus dem Parlament kommt, ist demokratiepolitisch von höchster Bedeutung. Das betrifft den Inhalt, angesichts der digitalen Realitäten aber auch die technische Infrastruktur, über die dieser Inhalt ausgespielt wird. Die neue Technologie garantiert ein Schutzschild für diese Verlässlichkeit", ist Karl-Heinz Grundböck, Sprecher der Parlamentsdirektion, überzeugt. "Wenn wir Kommunikationsprozesse im öffentlichen Bereich mit absoluter Sicherheit absichern können, stärken wir nicht nur Institutionen, sondern festigen auch das Vertrauen der Gesellschaft in die digitale Demokratie."
Für den ORF ist dieses Experiment unter Realbedingungen bedeutsam für die Zukunft des Journalismus: "Medien müssen sich auf die Integrität ihres Informationsflusses verlassen können", betont Harald Kräuter, Technischer Direktor des ORF. "Quantensicherheit bedeutet, dass jeder Versuch, in Übertragungen einzugreifen, nicht mehr unbemerkt bleibt. Das schafft neue Standards für Qualität, Transparenz und Glaubwürdigkeit im digitalen Zeitalter."
Gesetze der Natur statt Algorithmen
Dass dies möglich wurde, dafür zeichneten der heimische Broadcasting-Spezialist Big Blue Marble sowie das Quantenkrypto-Scale-up zerothird verantwortlich. "Wir wollen zeigen, dass Hochsicherheit und Innovation kein Widerspruch sein müssen. Das Projekt beweist, dass Quantenkommunikation bereit ist, als Rückgrat für vertrauenswürdige digitale Systeme heute und in Zukunft eingesetzt zu werden", erklärt Michael Wagenhofer, CEO von Big Blue Marble.
Noch handelt es sich bei dieser Form des Schutzes von Broadcast-Übertragungen zwischen Parlament und ORF um ein zeitlich begrenztes Pilotprojekt von drei Monaten. Das Ziel ist es, technologische, organisatorische und rechtliche Erkenntnisse zu gewinnen, die künftig als Grundlage für breit einsetzbare, quantensichere Kommunikationsinfrastrukturen dienen sollen.
Dabei beruht Quantenkryptografie auf fundamentalen Naturgesetzen. Sehr vereinfacht dargestellt, werden mit einer speziellen Lichtquelle Paare einzelner Lichtteilchen, sogenannter Photonen, erzeugt, die über eine separate Glasfaserverbindung jeweils an das Parlament und an den ORF gesendet werden. Diese Photonen werden von beiden Seiten gemessen. Stimmen die Zustände der Photonen überein, werden diese verwendet, um einen gemeinsamen, geheimen Schlüssel zu vergeben.
Jeder Versuch, eine Übertragung oder einen Live-Stream abzuhören, verändert unweigerlich den Zustand der Lichtteilchen und wird sofort erkannt. Die Folge: Die Generation des Schlüssels wird unterbrochen. Dies hat jedoch keine Auswirkungen auf den Broadcast: Für die tatsächliche Informationsübertragung wird ein Schlüssel verwendet, der im Vorhinein bereits generiert und abgespeichert wurde. Die übermittelten Daten bleiben sicher.
Rupert Ursin, CEO & Founder von zerothird, ordnet ein: "Mit quantenkryptografischen Methoden entsteht eine Verschlüsselung, wo nicht Algorithmen oder die Leistung im Rechenzentrum über den Erfolg eines Angriffs entscheiden, sondern schlichtweg die Gesetze der Natur. Das eröffnet eine bislang unerreichte Schutzebene für Daten und Kommunikation. Heute und in Zukunft." (red.)