Staatssekretär Pröll (li.) und BRZ-GF Ledinger (re.) beim Pressegespräch. Horst Bischof (nicht im Bild), Rektor der TU Graz, wurde digital zugeschaltet. © BKA/Florian Schrötter

Gleichzeitig in der Verwaltung sparen sowie die Prozesse verbessern und beschleunigen? KI soll das möglich machen.

Kürzlich präsentierte der aus elf Mitgliedern bestehende KI-Beirat seinen "AI Blueprint" für Österreich. Er soll das Land bei konsequenter Umsetzung in den nächsten Jahren als führenden, verantwortungsvollen KI-Standort in Europa etablieren - mit digitaler Souveränität, Innovationskraft und gesellschaftlichem Mehrwert. Die Themenbereiche erstrecken sich von der Umsetzung des EU AI Acts und der Modernisierung der Verwaltung über KI in der Wirtschaft bis hin zu Forschung, Talentförderung und Infrastruktur.

Mehr Leistung, weniger Ausgaben
Das Handlungsfeld "AI und Verwaltung" stand am 10. März im Mittelpunkt eines Pressegesprächs mit Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll, Horst Bischof, Rektor TU Graz und Vorsitzender des KI-Beirates, sowie Roland Ledinger, Geschäftsführer des Bundesrechenzentrums (BRZ GmbH). "Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, die größte Modernisierung der Verwaltung seit der Digitalisierung auszulösen. Wenn wir sie richtig einsetzen, können Verfahren schneller werden und der Staat insgesamt leistungsfähiger", ist Pröll überzeugt.

Neue Ansätze und mehr Effizienz sind in diesem Bereich auch dringend notwendig, wie die Demografie verdeutlicht: In den nächsten 13 Jahren werden den Angaben zufolge rund 44 Prozent der Bundesbediensteten in Pension gehen. Aus dieser Not will man eine Tugend machen. Pröll: "Bis 2030 werden wir sechs Prozent des Verwaltungsdienstes nicht nachbesetzen. Um diese Lücke zu schließen, setzen wir auf das Motto: Einsparungen durch Digitalisierung, nicht an Digitalisierung. Vor allem durch künstliche Intelligenz wollen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten. Gleichzeitig modernisieren wir die Verwaltung – ohne dabei sicherheitsrelevante Bereiche oder besonders schutzbedürftige Gruppen zu beeinträchtigen. Insgesamt ergibt sich durch die neue Regelung ein Einsparungspotential von 540 Mio. Euro bis 2030, danach jährlich von rund 250 Mio. Euro – 20 Prozent davon fließen in die Digitalisierung."

"KI-Allzweckwerkzeug" für die Verwaltung
Sparen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Abläufe - vorerst verwaltungsintern, später aber auch extern an den Schnittstellen zu den Bürgerinnen und Bürgern. So lautet das Ziel. Die technische Grundlage dafür liefert das Bundesrechenzentrum. Dessen Geschäftsführer Roland Ledinger präsentierte im Zuge des Pressegesprächs das Projekt "Large Language Model as a Service" (LLMaaS), das bereits im Testbetrieb läuft und in naher Zukunft ausgerollt werden soll. Die Plattform ermöglicht es – quasi als "KI-Allzweckwerkzeug" in der Verwaltung – via LLM-Gateway zwischen verschiedenen Sprachmodellen, je nach Anwendungsfall, zu wechseln. Aktuell ist das Modell des europäischen Anbieters Mistral im Einsatz. Den Themen Souveränität, Sicherheit und Datenschutz wurde dabei ein hoher Stellenwert eingeräumt. Sensible Daten werden etwa "On-Premise" in den Rechenzentren des BRZ verarbeitet. Die Anwendungen der Plattform reichen von Wissensdatenbanken bzw. Chatbots über die Analyse von Ausschreibungsunterlagen bis hin zur Integration in bestehende Systeme wie den ELAK (Elektronischer Akt).

Softwareseitig basiert das System auf der Containerplattform Kubernetes, was nicht nur der Skalierbarkeit zuträglich ist, sondern auch die Portierung bzw. Nutzung in verschiedenen Szenarien erlaubt, von lokalen Rechenzentren bis hin zu hybriden oder öffentlichen Cloud-Modellen. Hardwareseitig werden GPUs von Marktführer Nvidia eingesetzt.

Verantwortung bleibt beim Menschen
Trotz der Automatisierung betonte Staatssekretär Pröll das Prinzip "Human in the Loop": Die KI unterstützt bei Routinetätigkeiten, doch die letztliche Entscheidung und Verantwortung bleiben beim Menschen. Ziel ist eine proaktive Verwaltung, die Dienstleistungen schneller und einfacher für Bürger erbringt.

Schon kommende Woche soll im Rahmen eines "KI-Konklave" die konkrete Umsetzung bestehender Use Cases auf der KI-Infrastruktur geplant und ein KI-Fahrplan für die nächsten Jahre erstellt werden. "Viele Behörden haben in den letzten Monaten mit KI experimentiert. Jetzt beginnt die nächste Phase: Wir gehen von einzelnen Tests zu einem strukturierten und sicheren Einsatz von KI in der Verwaltung", so Pröll. (RNF)