Hermes litt auch unter dem starken Euro © APA - Austria Presse Agentur

Der Nahost-Konflikt bremst die Luxusgüterbranche aus und hat nun auch den als besonders widerstandsfähig geltenden Branchenprimus Hermes erfasst. Die Aktie des für seine Birkin-Bags und bunten Seidentücher bekannten französischen Konzerns brach am Mittwoch nach der Vorlage enttäuschender Quartalszahlen um 14 Prozent ein und fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren.

Der Vorstand machte für die schwache Entwicklung den Krieg im Iran verantwortlich, der die Verkäufe im Nahen Osten und durch ausbleibende Touristen auch in Europa belaste. Zuvor hatten bereits die Konkurrenten LVMH und Kering über negative Auswirkungen des Konflikts auf ihre Geschäfte berichtet.

Hermes enttäuscht Analysten

Hermes steigerte den währungsbereinigten Umsatz im ersten Quartal um 5,6 Prozent und verfehlte damit die Erwartungen der Analysten, die mit einem Plus von 7,1 Prozent gerechnet hatten. Der starke Euro verringerte die ausgewiesenen Erlöse zusätzlich um 290 Millionen Euro, was zu einem Rückgang von einem Prozent auf 4,07 Milliarden Euro führte. Besonders stark war der Einbruch im Nahen Osten, wo die Verkäufe um sechs Prozent sanken. Finanzchef Eric du Halgouet sprach von einem "abrupten Stillstand" im März, als die Umsätze in den Luxus-Einkaufszentren in Dubai und anderen Golf-Metropolen um 40 Prozent einbrachen.

Auch in Europa und Asien bremste der Rückgang des Tourismus das Geschäft. Einziger Lichtblick war die Region USA, in der Hermes ein Wachstum von 17,2 Prozent erreichte.

Die Probleme sind branchenweit spürbar. Die Aktie des Konkurrenten Kering fiel am Mittwoch um bis zu zehn Prozent, nachdem die Verkäufe der Kernmarke Gucci um acht Prozent und damit das elfte Quartal in Folge zurückgegangen waren. Auch Kering führte den Nahost-Konflikt und die damit verbundene Kaufzurückhaltung als Gründe für das maue Geschäft auf. Analysten zeigten sich skeptisch, dass eine schnelle Trendwende bei Gucci gelingen kann.

Auch positive Erwartungen

Trotz der kurzfristigen Probleme blicken einige Unternehmen verhalten optimistisch in die Zukunft. Die Finanzchefin des britischen Traditionsmodehauses Burberry, Kate Ferry, bezeichnete die langfristigen Aussichten in Asien als sehr überzeugend, räumte jedoch einen zunehmenden Wettbewerb ein. Für den Erfolg sei eine klare Markenidentität und ein tiefes Verständnis der lokalen Kunden entscheidend, sagte sie auf einer Konferenz in Hongkong.

Burberry hatte bereits im Jänner von einer Erholung im wichtigen chinesischen Markt berichtet. Damals war der flächenbereinigte Umsatz im vorangegangenen Quartal um sechs Prozent gestiegen, angetrieben von jungen Kunden und einer Kampagne zum chinesischen Neujahrsfest.