FM auf Wachstumskurs

NEW BUSINESS Guides - FACILITY MANAGEMENT-GUIDE 2025
Facility-Management entwickelt sich zu einem zentralen Bestandteil der Unternehmensstrategie. © Freepik/federcap

Mit dem europäischen FM-Markt geht es aufwärts, die Umsätze ­legen zu.

Bestimmende Themen sind Personal­mangel, ­Digitalisierung in allen ­Facetten und nicht zuletzt Nachhaltigkeit – bei der Dekarbonisierung von Gebäuden spielt das Facility-Management eine Schlüsselrolle.

Der europäische Markt für Facility-Services befindet sich im Aufwind, doch gibt es durchaus auch Herausforderungen zu bewältigen. Laut dem „Facility Management Monitor 2025“ (FM Monitor) der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) umfasste der Facility-Services-Markt in den untersuchten Ländern Deutschland, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Italien, Spanien sowie Benelux im Jahr 2023 ein Gesamtvolumen von 329 Milliarden Dollar. Das Umsatzvolumen 2023 in Deutschland legte im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 88 Milliarden Dollar zu. Damit war Deutschland erneut der umsatzstärkste Markt in dieser Gruppe. 

DACH-Raum beteiligt
Zwar entstand der Bericht von PwC in Zusammenarbeit mit den drei DACH-Berufsverbänden RealFM e. V. aus Deutschland, Facility Management Austria (FMA) und SVIT FM Schweiz, doch Marktzahlen zu Österreich und der Schweiz wurden nicht erhoben. Dafür flossen die ­Ergebnisse aus Befragungen von mehr als 200 Fachexperten aus der gesamten DACH-Region in die Analyse der aktuellen Herausforderungen und zukünftigen Entwicklungen ein.

„Auch in Österreich hat die Facility-Management-Branche mit über 200.000 Beschäftigten und einem Umsatz von über 20 Milliarden US-Dollar, das sind rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts, einen großen Impact. Jeden Tag sorgt Facility-Management für das Wohlergehen von mehr als 2,5 Millionen Kunden und Nutzern“, setzt Doris Bele, Vorstandsvorsitzende von FMA, die Zahlen in Relation zum heimischen Markt.

Strategische Verantwortung steigt
Befragt wurden für die PwC-Analyse FM-Dienst­leister und -Nutzer im DACH-Raum. Nach Einschätzung von 63 Prozent der Nutzer und 55 Prozent der Dienstleister steigt die strategische Verantwortung des Facility-Managements innerhalb der Unternehmensorganisation. „Facility-Management entwickelt sich zu einem zentralen Bestandteil der Unternehmensstrategie, der maßgeblich zur Wertschöpfung beiträgt“, sagt Dirk Otto, Präsident von RealFM. „Unternehmen erkennen zunehmend, dass eine effiziente und nachhaltige Bereitstellung und Bewirtschaftung ihrer Immobilien nicht nur Kosten senken, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Unternehmens- und Klimaschutzziele leisten.“

Zunehmende Kundenzufriedenheit
Knapp die Hälfte (48 %) der Nutzer sind mit den Leistungen ihrer Facility-Dienstleister (eher bis vollständig) zufrieden, wie die gemeinsame Untersuchung von PwC und den Branchen­verbänden RealFM, SVIT FM Schweiz sowie Facility Management Austria zeigt. Im öffentlichen Sektor ist der Zufriedenheitsgrad am höchsten (60 %). Die befragten Nutzer in Österreich (67 %) und in der Schweiz (60 %) zeigten sich dabei wesentlich zufriedener als Nutzer in Deutschland (42 %).

„Stabilität in der Servicequalität und langfristige Vertragsbeziehungen spielen bei der Kundenzufriedenheit eine wesentliche Rolle“, erläutert David Rouven Möcker, Partner und Head of Real Estate Consulting & Transformation bei PwC Deutschland. „Diese Stabilität gilt es auch in Zukunft zu wahren, da die Branche durch eine hohe Fluktuation gekennzeichnet ist.“

Digitalisierung bleibt Top-Trend
Für 62 Prozent der Nutzer und Dienstleister haben die Einführung von IT-Hardware und -Software sowie die Implementierung von digitalisierten Prozessen höchste Priorität, um die eigene Effizienz zu steigern, Kosten zu sparen und den Datenschutz zu gewährleisten. Vor allem in Deutschland (62 %) und der Schweiz (63 %) steht die Digitalisierung ganz oben auf der Branchenagenda. Außerdem sorgen neue, hybride Arbeitswelten mit flexibler Raumgestaltung und digitalen Lösungen gerade für Veränderungen im Facility-Management (40 %).

Herausforderung Personalmangel 
Als größte Herausforderung nennen 81 Prozent der Dienstleister und 76 Prozent der Nutzer ­Personalmangel und fehlende Qualifikationen. „Engpässe bei qualifiziertem Personal schränken die Wachstumsmöglichkeiten der Branche ein und erhöhen die Rekrutierungskosten. Dies führt zu Wettbewerbsnachteilen und hemmt die Innovationskraft und Professionalisierung der Branche“, erläutert PwC-Partner David Rouven Möcker. Vor allem in Deutschland (78 %) und der Schweiz (84 %) wird Personalmangel als die größte Herausforderung genannt.

Keine Präferenz für bestimmtes ­Vergabemodell
Gut 59 Prozent der Nutzer bevorzugen gebündelte und integrierte Vergaben je Gewerk, weitere 28 Prozent präferieren Einzelvergaben. Für Deutsch­land prognostiziert die Studie, dass integrierte Vergabemodelle bis 2027 um 24 Prozent auf acht Milliarden Dollar deutlich stärker wachsen werden als gebündelte Vergabemodelle (plus 22 % auf 19 Mrd. Dollar) oder Einzelvergaben (plus 14 % auf 20 Mrd. Dollar). Die Beschaffung von Facility-Services dauert in der Regel weniger als sechs Monate.
Zudem werden für alle Facility-Services deutliche Preiserhöhungen erwartet: Insbesondere die Preise für technische und infrastrukturelle Facility-Services dürften teilweise um mehr als zehn Prozent zulegen.

KI-Nutzung noch in den Kinderschuhen
Der Studie zufolge ist der Digitalisierungsgrad im Facility-Management nach wie vor gering. Dabei können die Nutzung von innovativen Technologien im Facility-Management (FMTech) und Kooperationen mit FMTech-Anbietern zu einem effektiveren und nachhaltigen Facility-Management beitragen. „Die Integration von künstlicher ­Intelligenz wird sich zu einem entscheidenden Treiber für die Digitalisierung und Optimierung von Corporate Real Estate und Facility-Management-Prozessen entwickeln“, ist Kai Ukena, Senior Manager PwC Real Estate Consulting, überzeugt.

Doch obwohl künstliche Intelligenz Chancen auf Kostensenkungen, eine effizientere Entscheidungsfindung und präzisere Bedarfsermittlung bietet, wird sie bislang kaum in der Facility-Services-Branche genutzt: Lediglich zwei Prozent der Befragten wenden KI-Lösungen regelmäßig bei der Beschaffung von Facility-Services und der Angebotsausarbeitung an, fast zwei Drittel (65 %) nutzen KI in diesem Bereich gar nicht. 61 Prozent der Nutzer arbeiten nicht mit FMTech-Unternehmen zusammen. Bei Dienstleistern sind es etwas weniger als ein Drittel.

Nachhaltigkeit und ESG
Nachhaltigkeit und die Erfüllung von ESG-Kriterien sind der PwC-Analyse zufolge für 72 Prozent eine wesentliche Herausforderung. „Damit verbunden sind hohe Anfangsinvestitionen und ein komplexes Lieferkettenmanagement“, sagt Christian Hofmann, Präsident des SVIT FM Schweiz. „Die erfolgreiche Umsetzung von ESG-Strategien in der Branche erfordert klare Messbarkeit nachhaltigkeitsbezogener Kennzahlen, den gezielten Ausbau interner Kapazitäten und eine strategische Budgetplanung“, betont Doris Bele, Vorstandsvorsitzende von Facility Management Austria.

Facility-Management und Klimaziele
Besonders Nachhaltigkeit, in der PwC-Analyse als eine der größten Herausforderungen genannt, steht im Facility-Management künftig noch stärker im Fokus. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte internationale Studie unter dem Titel „Decarbonization of the Building Stock and its Operation: The Role of Facility Managers“, verfasst von Professor Andreas Pfnür zusammen mit Martin Christian Höcker und Jonas Rau von der TU Darmstadt, beleuchtet die Rolle des Facility-Managements ganz spezifisch für die Dekarbonisierung.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der International Facility Management Association (IFMA) und dem Deutschen Verband für Facility Management e.V. (gefma) durchgeführt. In der (den Angaben zufolge) weltweit ersten Erhebung dieser Art wurden mehr als 300 verantwortliche Facility-Manager befragt. Die Untersuchung deckt auf, dass die Bedeutung, Motivation und Hürden der Dekarbonisierung des Gebäudebestands weltweit stark variieren.

Regionale Unterschiede bei der Dekarbonisierung
Die Studie zeigt, dass die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung von Gebäuden und ihrem Betrieb weltweit anerkannt wird. Dennoch gibt es deutliche regionale Unterschiede: In Europa werden 69 Prozent der Befragten aufgefordert, Maßnahmen zur Dekarbonisierung umzusetzen, in Asien 66 Prozent und in Nordamerika nur 57 Prozent. Die Motivation für die Dekarbonisierung reicht von Eigeninitiative über rechtliche und wirtschaftliche Erwägungen bis hin zu bestehenden Reportingpflichten. In Asien und Europa hat das Thema besonders an Bedeutung gewonnen, da mehr als zwei Drittel der Facility-Manager angeben, dass der Druck zur Dekarbonisierung von der Geschäftsleitung der Bestandshalter ausgeht.

Externe Dienstleister spielen eine entscheidende Rolle
Trotz der hohen Relevanz der Dekarbonisierung fehlen bis zu 62 Prozent der europäischen und 49 Prozent der nordamerikanischen Organisationen die internen Ressourcen zur eigenständigen Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor. In Asien gaben nur 25 Prozent der Befragten an, dass asiatische Unternehmen ähnliche Probleme haben. Zu den fehlenden Ressourcen zählen beispielsweise geeignetes Personal, Systeme und Prozesse. Daher suchen viele Unternehmen nach langfristigen Lösungen durch Kooperationen mit professionellen Dienstleistern im Facility-Management, die bereits maßgeblich zur ökologischen Transformation beitragen.

Diskrepanzen zwischen Relevanz und Umsetzung
Obwohl ressourcenbezogene Aufgaben wie die Beschaffung erneuerbarer Energien und die Umstellung auf energieeffizientere Geräte als entscheidende Aufgaben angesehen werden, gibt es erhebliche Lücken in der tatsächlichen Umsetzung. Auch bezüglich IoT- und datenbezogenen sowie gebäude- und prozessbezogenen Aufgaben gibt es erhebliche Diskrepanzen zwischen Relevanz und Umsetzung. Dies zeigt, dass zwar ein Bewusstsein für die notwendigen Maßnahmen vorhanden ist, jedoch oft die erforderlichen Ressourcen fehlen, um diese vollständig umzusetzen.

Finanzielle und personelle Hürden
Finanzielle Engpässe und Fachkräftemangel stellen die größten Herausforderungen dar. Nur 25 Prozent (Europa) bis 34 Prozent (Asien) der Befragten verfügen über ausreichende finanzielle Mittel. Der Fachkräftemangel ist besonders in Deutschland gravierend, wo 81 Prozent der Befragten diesen als erhebliches Problem einstufen.

Potenziale der datengetriebenen Dekarbonisierung
Die Studie der TU Darmstadt betont die Bedeutung intelligenter Gebäudetechnologien für die Dekarbonisierung. Je nach Region erkennen dies zwischen 93 und 97 Prozent der Befragten an. Dennoch erfolgt der Datenaustausch zwischen Gebäudebetreiber:innen und anderen beteiligten Akteurinnen und Akteuren häufig nur über manuelle Datenexporte, und weniger als die Hälfte der Befragten nutzt Schnittstellen oder direkte Datenzugriffe.

Obwohl das Facility-Management als geeignete Quelle zur Sammlung von Gebäudedaten angesehen wird, fehlt es europäischen und nordamerikanischen Befragten zu 42 Prozent (Europa) beziehungsweise zu 50 Prozent (Nordamerika) an ausreichender Infrastruktur zur effektiven Erfassung der Daten. Facility-Manager sehen sich zukünftig verstärkt in einer beratenden Rolle, um ihre Expertise bei der Dekarbonisierung einzubringen.

Nachhaltigkeit auf dem Radar
Auch die bereits zwölfte Ausgabe des Nachhaltigkeitsradars der Wisag Facility Service Holding hat die Zusammenhänge zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit untersucht. Die Online-Umfrage richtete sich an Experten der Immobilienwirtschaft und stand unter dem Motto „Digital meets ESG: ein Dream-Team?“ Erste wesentliche Erkenntnis: Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsstrategien sind beim Gebäudebetrieb selten aufeinander abgestimmt. Nur jeder fünfte Studienteilnehmer ist der Ansicht, dass die Strategien in seinem Unternehmen eine Einheit bilden.

Das Nachhaltigkeitsradar untersuchte unter anderem, welche digitalen Technologien bereits zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Immobilien eingesetzt werden: An der Spitze stehen in dieser Umfrage Ticketsysteme, gefolgt von Smart Meter sowie Sensorikkonzepten und Datenplattformen. Je anspruchsvoller oder ­herausfordernder eine Technologie erscheint, umso verhaltener wird sie derzeit eingesetzt. KI bildet das Schlusslicht: Nur 17 Prozent der Teilnehmer an der Wisag-Studie setzen KI-basierte Technologien bereits für einen nachhaltigen Gebäudebetrieb ein. Nicht überraschend: Die größte Hürde bei der Nutzung digitaler Technologien für Green FM ist die fehlende Vernetzung von Gebäudedaten. 60 Prozent der Studien­teilnehmer sehen das so. 

Digital heißt auch sozial 
Das Wohlbefinden der Mieter und Nutzer spielt eine wichtige Rolle in den Digitalisierungsstrategien von Immobilienunternehmen. Fast 70 Prozent der Teilnehmer messen diesem Aspekt einen spürbaren bis sehr hohen Einfluss bei. Das aktuelle Nachhaltigkeitsradar nimmt daher auch soziale Aspekte von Nachhaltigkeit – also das „S“ in ESG – unter die Lupe. Wie können digitale Technologien zur Gestaltung attraktiver Arbeitswelten beitragen?

Dort punkten vor allem Technologien, die das Arbeiten flexibler und das Raumklima sowie die Beleuchtung angenehmer machen. Benefits, die keinen direkten Einfluss auf Arbeitsabläufe haben, stehen hingegen weiter unten auf der Rangliste – beispielsweise die Lieferung privater Bestellungen an den Arbeitsplatz. In Bezug auf FM-Dienstleister macht das Nachhaltigkeitsradar deutlich, dass ihr Angebot an digitalen Lösungen künftig ihren Unternehmenserfolg bestimmen wird. Eine klare Mehrheit von 81 Prozent bejaht diese Aussage. 

„Die Ergebnisse des Nachhaltigkeitsradars zeigen, dass digitale Technologien und ESG bei der Immobilienbewirtschaftung durchaus ein Dream-Team sein können. Dementsprechend werden FM-Dienstleister künftig verstärkt zu einem wichtigen Berater ihrer Kunden“, sagt Jens Schmidt, Leiter Nachhaltigkeit/ESG-Management bei der Wisag Facility Service Holding. Weil Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsstrategien in Unternehmen jedoch noch zu wenig miteinander verzahnt sind, bleibe Potenzial auf der Strecke. (RNF)