Mensch im Vordergrund

NEW BUSINESS Guides - FACILITY MANAGEMENT-GUIDE 2025
Für Peter Edelmayer, CEO von Dussmann Austria, ist künstliche Intelligenz sowohl bei den ­angebotenen Dienstleistungen als auch intern im Unternehmen ein Thema. © RNF

Von Reinigungsrobotern bis hin zu KI-gestützten Prozessen – auch die Facility-Management-Branche befindet sich im Wandel.

Trotzdem bleibt der Mensch im Vordergrund, wie Dussmann-Geschäftsführer Peter ­Edelmayer im Interview betont.

Angespannte Personalsituationen und neue Herausforderungen – aber auch Chancen – durch Umwälzungen in der Gesellschaft sowie durch neue Technologien. Diese Themen beschäftigen heute Unternehmen aller Branchen, das Facility-Management ist da keine Ausnahme. Peter Edelmayer, CEO der Dussmann Austria GmbH, im Gespräch mit NEW BUSINESS über innovative Reinigungsmethoden, den Einsatz von künstlicher Intelligenz und die Bedeutung strategischer Zukäufe.

Laut Marktbeobachtern haben die Facility-Service-Unternehmen in Österreich zugelegt. Gleichzeitig ist die Personalverfügbarkeit eine Herausforderung. In anderen Branchen wird dem mit Digitalisierung und Automatisierung begegnet. Ist das bei den Facility-Services auch der Fall?
Ja, das ist auch der Fall, aber nur zu einem sehr geringen Teil. Facility-Management ist ein People-Business, und trotz aller Technologie bleibt der Mensch im Vordergrund. Wir beobachten den Markt genau und setzen Technologien ein, wo sie sinnvoll sind.

Nehmen wir zum Beispiel die Reinigung: Es gibt Reinigungsroboter, die technologisch immer besser werden. Sie können autonom fahren, auftanken und ihre Batterien laden. Allerdings ist ihr Einsatzbereich begrenzt. In Büros können sie aufgrund der unterschiedlichen Raumstrukturen und der Notwendigkeit, auch Oberflächen wie Schreibtische zu reinigen, nicht flächendeckend eingesetzt werden. In großen, offenen Bereichen wie auf Flughäfen oder in Krankenhäusern können Reinigungs­roboter jedoch sinnvoll sein. Wir haben zum Beispiel zwei Roboter in Krankenhäusern im Einsatz, im Wiener AKH und ganz neu im LKH Graz. Auch Datenzentren oder Baumärkte wären mögliche Einsatzgebiete. 

Davon, mit Robotik die Personalsituation im Facility-Management zu lösen, sind wir weit entfernt. Aber es ist ein Trend, der sich fortsetzen wird. Man braucht für solche Innovationen aber auch immer Kund:innen, die aufgeschlossen für die Technologien sind. Und es gibt Kund:innen, die lehnen Roboter einfach ab.

Ist das eine Generationenfrage?
Nein, das hat damit überhaupt nichts zu tun. Es liegt oft an der Infrastruktur. In alten ­Gebäuden, wie beispielsweise Ministerien, gibt es oft keine geeigneten Aufzüge für Reinigungsroboter. Die Größe der Roboter und ihr Gewicht können in solchen Gebäuden ein Problem darstellen.

Wie sieht es bei den Food-Services aus?
Es gibt Roboter, die in der Küche kochen können. Das sieht man auf den Messen, in Japan ist das schon verbreitet. Aber wir sehen darin derzeit keinen Mehrwert. Was es jedoch gibt, sind Serviceroboter, die in Restaurants etwa Getränke von Tisch zu Tisch bringen. Das funktioniert hervorragend. 

Ein weiterer Trend sind „sehende Kassen“, die Speisen auf einem Tablett erkennen und abrechnen können, oder Kassensysteme, die mit Chip-Technologien registrieren, was auf dem Teller ist. Die Kundin oder der Kunde bestätigt und geht weiter. Das reduziert die Wartezeiten, insbesondere in Stoßzeiten. Dadurch haben die Gäste mehr Zeit zum Essen. Die Zukunft wird sein, dass es gar keine erkennbaren Kassen­systeme mehr gibt und im Hintergrund alles automatisch läuft. 

Sie haben von Reinigungsrobotern und Kassenlösungen gesprochen. Das führt mich zum Thema künstliche Intelligenz, das sicher auch dort Anwendung findet. Setzen Sie KI auch in anderen Bereichen ein?
Ja, KI ist auch für uns ein großes Thema. Wir prüfen, wo wir KI sinnvoll einsetzen können, sowohl intern im administrativen Bereich als auch in unseren Dienstleistungen. Ein Beispiel ist die Auswertung von Ausschreibungsunter­lagen. Große Ausschreibungen können hunderte­ von Seiten umfassen. Wir haben eine KI-Anwendung entwickelt, die diese Unterlagen scannt und nach unseren Kriterien zusammenfasst. Das spart uns viel Zeit und ermöglicht es uns, effizienter zu arbeiten. 

Auch im technischen Bereich spielt KI eine Rolle, zum Beispiel bei der ­Gebäudeautomation. Wir sind jedoch in der Regel erst nach der Fertigstellung eines Gebäudes involviert. Das ist manchmal schade, besonders in der Reinigung. Manchmal werden bei der Planung wichtige Aspekte wie die Reinigung und die Wartung von Fassaden nicht berücksichtigt. Auch Räume für unser Personal oder für Reinigungsroboter werden oft vergessen.

Ich würde gerne noch einmal auf die Personalsituation zurückkommen. Wirkt sie sich auf Ihr Geschäft aus?
Der Personalmangel ist ein großes Problem, insbesondere in ländlichen Regionen Österreichs. In manchen Gebieten finden wir kaum noch Mitarbeiter:innen. Wir versuchen, Sub­unter­nehmer nur im äußersten Notfall einzusetzen, aber das wird immer schwieriger. Dieses Problem hat die gesamte Branche, und es gilt für die Reinigung genauso wie für die Gastronomie oder sogar die Gebäudetechnik. Wir könnten mehr Aufträge annehmen, aber uns fehlen die Mitarbeiter:innen.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist zum Beispiel die Reinigungsbranche für viele nicht attraktiv, obwohl wir gute Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Zum anderen möchten viele Menschen weniger arbeiten und mehr Zeit für ihr Privatleben haben. Wir versuchen, Stellen intern zu besetzen, und arbeiten mit HTLs und Fachhochschulen zusammen, um junge Talente zu gewinnen.

Bei meiner Recherche bin ich darüber gestolpert, dass Sie auch Trockeneisreinigung anbieten. Das hat zwar nichts mit Robotern und KI zu tun, klingt aber trotzdem innovativ. Wie funktioniert das, und was sind die ­Vorteile davon?
Diese Methode eignet sich besonders für die Reinigung von Anlagen und sogar von elektronischen Bauteilen in Industrie und Produktion, da sie ohne Wasser auskommt und den laufenden Betrieb nicht unterbricht. Trockeneis-Pellets werden mit Hochdruck auf die zu reinigende Oberfläche gestrahlt. Das wirkt gegen hartnäckige Verschmutzungen, etwa durch Öl oder Fette, ist aber auch schonend für empfindliche Oberflächen. Die Trockeneisreinigung ist etwas teurer als herkömmliche Reinigungsmethoden, aber sie bietet eben auch gewisse Vorteile.

Wie wichtig sind Innovationen ­generell für Dussmann?
Sehr wichtig. Wir versuchen, unseren Kund:in­nen stets die besten Lösungen zu bieten. Wir sind jedoch nicht immer die Ersten, die neue Technologien einsetzen. Wir beobachten den Markt genau und prüfen, welche Innovationen für unsere Kund:innen sinnvoll sind. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Manche sind sehr aufgeschlossen und möchten neue Technologien ausprobieren, andere sind skeptisch. 

In welchen Bereichen sehen Sie für Dussmann, aber auch für die FM-Branche generell, Wachstumspotenzial?
Ich kann nur für Dussmann sprechen. Jedes Unternehmen sieht das anders und hat andere Schwerpunkte. Es gibt Mitbewerber, die sich auf eine Dienstleistung spezialisiert haben, und es gibt solche wie Dussmann, die die Strategie haben, alle vier Kerndienstleistungen anzubieten und daraus weitere zu entwickeln. Unsere Strategie ist, den technischen Bereich zu forcieren. Und der Weg dahin führt letzten Endes nur über den Kauf eines Unternehmens, das zu unserem Profil und unserer Kultur passt. Davon gibt es nicht viele.

So ähnlich wie bei der Übernahme der Janus Gruppe vor rund vier Jahren?
Normalerweise kaufen wir kein Reinigungsunter­nehmen. Aber Janus hatte den Vorteil, dass es ausschließlich im Gesundheitsbereich tätig war. Dieser Bereich ist sehr interessant, weil er langfristig und konstant ist. Die Ausschreibungen sind meistens über fünf Jahre und länger. Dafür muss man aber auch was können, die Ansprüche sind hoch, und Referenzen sind wichtig. Aber das war eine Ausnahme.

Eine letzte Frage noch. Seit Jänner 2025 haben Sie mit Michael Wirth einen neuen Kollegen als CFO. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Sie läuft sehr gut. Michael Wirth bringt Erfahrung im Konzernbereich und viel Know-how in Digitalisierung und Prozessoptimierung mit. Wir haben uns bei der Auswahl viel Zeit gelassen und eine Person gefunden, die fachlich kompetent ist und auch neue Ideen einbringt. Er hat sehr gute Einwände, bringt wertvollen Input und ist oft kritischer als ich, der schon 20 Jahre im Unternehmen ist. Wir ergänzen uns sehr gut und haben eine wertschätzende Zusammenarbeit. Ich bin froh, dass wir ihn gefunden haben. (RNF)


INFO-BOX
Über Dussmann
Die Dussmann Austria GmbH ist ein Unternehmen der Dussmann Group mit 68.200 Mitarbeitenden in 21 Ländern. Dussmann ist Lösungspartner in den Bereichen Facility-Management, Food-Services sowie Technical Solutions. Dussmann Facility Management bündelt alle Dienstleistungen des integrierten Facility-Managements mit hoher Eigenleistungstiefe: Gebäudereinigung, Sicherheitsdienst, Gebäudetechnik und Elek­tro- und Kommunikationstechnik. Dussmann Food Services bietet Verpflegungskonzepte im Bereich Betriebsverpflegung für Kinder, Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten und Gäste in Senioreneinrichtungen. Dussmann Technical Solutions umfasst die Business-Units im Anlagenbau und im technischen Service. Sie bieten Lösungen für den gesamten Lebenszyklus von Anlagen und Gebäuden, von der Planung über die Errichtung und die Inbetriebnahme bis zur Wartung und Reparatur in den Bereichen Elektrotechnik, Automatisierungstechnik, Kälte- und Klimatechnik sowie Aufzugstechnik. Der zweitgrößte Geschäftsbereich Care & Kids sorgt mit der Marke Kursana für die Betreuung und Pflege von Senior:innen. In Österreich werden im Kompetenzbereich Healthcare besonders sensible Bereiche wie OP-Säle, Intensivstationen und Reinraumreinigung angeboten. Dussmann Austria erwirtschaftete 2023 mit 4.800 Mitarbeitenden einen Bruttoumsatz von 205 Mio. Euro. Die Geschäftsführung besteht aus Mag. Peter Edelmayer und Mag. Michael Wirth.

www.dussmann.at